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Amoklauf Winnenden - Schusswaffe des Vaters

"Waffen haben in Privathaushalten nichts zu suchen"

Ein 17-jähriger Amokläufer hat am Mittwoch (11. März) an einer Realschule in Winnenden und in einem Industriegebiet in Wendlingen insgesamt 16 Menschen erschossen. Anschließend starb er nach Polizeiangaben bei einem Schusswechsel mit Streifenbeamten. Die Zahl der Verletzten blieb zunächst unklar. Auch zum Motiv lagen den Ermittlern zunächst keine Erkenntnisse vor. Der 17-jährige Tim K. aus Leutenbach, der bis 2008 selbst auf die Schule ging, lebte vorher offenbar völlig unauffällig. seine Tatwaffe offenbar aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet. Das teilte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz in Waiblingen mit. Der Vater sei als Mitglied eines Schützenvereins im legalen Besitz von 15 Schusswaffen gewesen. Der baden-württembergische Europaabgeordnete Tobias Pflüger (Linke), sagte, zum wiederholten Male seien unschuldige Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Passanten Opfer eines furchtbaren Waffeneinsatzes geworden. Der Amoklauf bleibe unfassbar und unerträglich. Der Sicherheitspolitiker warf die Frage auf, warum es möglich sei, dass der Vater des Amokläufers ganz legal achtzehn Waffen besitze. "Waffen sind zum Töten da. Sie haben in Privathaushalten und in der Öffentlichkeit nichts zu suchen", meint der Europaabgeordnete.

Amoklauf Winnenden

Nach Ministeriumsangaben wurden in der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) zehn Schüler der 9. und 10. Klasse und drei Lehrerinnen getötet, darunter eine Referendarin. Auf seiner Flucht habe der 17-jährige Todesschütze dann außerhalb des Schulgeländes außerdem einen Mann erschossen, offenbar einen Mitarbeiter des benachbarten Zentrums für Psychiatrie.

Nach den bisherigen Ermittlungen flüchtete er anschließend - streckenweise mit einem geraubten Fahrzeug - in ein Industriegebiet in Wendlingen im Kreis Esslingen. Dort habe er in einem Autohaus zwei weitere Passanten erschossen und vor dem Gebäude sofort das Feuer eröffnet, als eine Polizeistreife eintraf. Zwei Beamte wurden schwer verletzt. Lebensgefahr soll bei ihnen nicht bestehen. Bei dem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei kam der Täter unter noch nicht genau geklärten Umständen ums Leben.

Am Morgen hatte der Täter gegen 9.30 Uhr in einem schwarzen Kampfanzug die Albertville-Realschule betreten und Polizeiangaben zufolge in drei Klassenräumen wild mit einer aus dem Elternhaus stammenden Waffe um sich geschossen. Nach den tödlichen Schüssen in der Schule flüchtete der Täter zunächst in Richtung Innenstadt, konnte dann aber offenbar unerkannt die Stadt verlassen. Hinweise auf eine Ankündigung der Gewalttat - etwa im Internet - gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Auch Augenzeugen und Reporter berichteten von "schrecklichen Szenen" und einem "absoluten Ausnahmezustand". Krankenwagen fuhren demnach "im Minutentakt" vor die Schule vor, Hubschrauber kreisten über der Kleinstadt, Polizeikolonnen rasten mit Blaulicht durch die Straßen.

Das rund 27.000 Einwohner zählende Winnenden liegt rund 20 Kilometer von Stuttgart entfernt. Die Albertville-Realschule hat rund 550 Schüler und ist Teil eines Schulzentrums mit insgesamt mehr als 1000 Schülern.

Polizei sucht nach weiteren Computern im Umfeld von Tim K.

Nach Zweifeln an der Internet-Ankündigung des Amoklaufs von Tim K. in Winnenden und Wendlingen fahnden die Ermittler nach weiteren Computern im Umfeld des Täters. Auf dem beschlagnahmten Gerät von Tim K. seien "keine Hinweise" darauf, dass der Täter seinen Amoklauf in einem Chatroom angekündigt habe, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Waiblingen. Möglicherweise habe Tim K. die angebliche Androhung aber auf einem anderen PC geschrieben.

Zudem wollte die Polizei im Laufe des Tages erneut die beiden Jugendlichen vernehmen, die der Polizei von dem Chat berichtet hatten. Eine Pressekonferenz war für Freitag dem Sprecher zufolge zunächst nicht vorgesehen.

Erste Zweifel an der angeblichen Tatankündigung des Amokläufers waren am Donnerstagnachmittag aufgekommen, nachdem der Betreiber der Internetseite krautchan.net mitgeteilt hatte, bei dem vom baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech (CDU) auf einer Pressekonferenz am Vormittag präsentierten Internetchat handele es sich um eine Fälschung.

Der Chatroom-Eintrag des Täters in der Nacht zuvor begann nach Angaben Rechs mit den Worten: "Scheiße Bernd, es reicht mir. Ich habe dieses Lotterleben satt". Es sei "immer dasselbe - alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial". Mit den Worten "Ich meine es ernst" habe der 17-Jährige seine Amoklaufdrohung untermauert. Auf dem auf krautchan.net dagegen abgebildeten angeblichen Original ist davon nichts zu lesen. Rech zufolge bekam die Polizei den Hinweis auf den Chatroom vom Vater eines Jugendlichen aus Bayern.

Am 13. Mär. 2009

Am 11. Mar. 2009 unter:

politik

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