Fukushima | Die sichere Atomkraft

Energie - Ein Jahr nach Fukushima

Nach einem Jahr Fukushima ein Blick zurück. Die Atom-Katastrophe in Japan Ein Jahr liegt die Katastrophe in Fukushima nun zurück. Eine Zeit mit vielen Turbulenzen, Meinungen und Gegenmeinungen, Debatten über Fakten und Studien, die das eine oder das andere zu beweisen suchen. Gegenstand der Diskussion bleibt die Frage, die seit Jahrzehnten klar beantwortet ist: Ist Kernenergie sicher und verantwortbar? Und auch dieser Jahrestag der Katastrophe in Fukushima hat erneut auf pathetische Weise gezeigt, wie hilflos Menschen mit den Katastrophen umgehen, die sie nicht verhindern können. Schweigeminuten vielerorts, Solidaritätsbekundungen und Lippenbekenntnisse, die dem Leid der Opfer wahrlich nicht gerecht werden können. Wenn wir mit den tödlichen Folgen der Atomkraft schon jetzt nicht umgehen können, wer erwartet da ein vernünftiges Maß an Risikoeinschätzung, das künftige Generationen vor dem Atomtod bewahren soll?

Auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Paul (CDU) bekundete in seiner Rede vom 09.03.2012 seine Anteilnahme, beschrieb, sich vermeintlich auf Fakten stützend, die schrecklichen Vorgänge während des Erdbebens und der folgenden Tsunami-Welle. Es habe eine Kernschmelze in drei Reaktorblöcken gegeben, weil das Kernkraftwerk nicht ausreichend sachkundig gegen die Gefahren abgesichert gewesen sei. Bei deutschen Kraftwerken natürlich völlig undenkbar. Er ließ es sich auch nicht nehmen zu behaupten, es habe keine Strahlentote gegeben. Und es stimmt, dass bisher offiziell keine Toten durch Strahlung bekannt geworden sind. Verschwörungstheoretiker werden hier vermutlich argumentieren, dass solche Toten, wenn es sie dennoch gibt, nach Kräften ... nun, tot geschwiegen werden.

Eine Studie von Joseph J. Mangano und Janette D. Sherman besagt, dass die Sterberate in den USA nach dem Unglück von Fukushima spontan nach oben geschnellt ist, nachdem sie vor dem Unglück erst gesunken war. Die Studie spricht von einem starken Anstieg der Strahlenwerte in den Nahrungsmittelvorräten, dem Regenwasser und in der Milch sowohl in den USA, als auch im Ausland. Dass eine solche Studie nicht in den Medien auftaucht, verwundert nicht. Wie seriös die Quelle ist, die sich auf diese Studie bezieht, bleibt offen - auch wenn sie seriös zu sein scheint. Den Leugnern der akuten Kernkraftgefahr böte sie aber ohnehin nur einen Grund, deren Verfasser mit allen Mitteln für unglaubwürdig zu erklären.

Was aber in diesem Zusammenhang viel wichtiger ist: Es spielt keine Rolle, ob es bis zum heutigen Tag Strahlentote gegeben hat. Eine solche Debatte lenkt nur davon ab, dass ein sofortiger Ausstieg aus der Kernenergie ein Imperativ unserer Zeit ist. Das Massensterben in Japan ist nur eine Frage der Zeit. Hier, wie bereits zuvor in Tchernobyl, werden die Fakten ohnehin nach Kräften verschleiert. Offiziell gab es in Tchernobyl rund 8.000 Tote in Folge des Reaktorunglücks. Offensichtlich nicht genug. Aber Grund genug für die dortigen Behörden, das Gelände noch Ende 2010 für Besichtigungstouren frei zu geben. Selbst das Bewusstsein, dass dort erhöhte Strahlung herrscht, hält tausende von Besuchern nicht davon ab, sich das Gelände anzusehen. Vermutlich würde diese mehr als fragwürdige Sensationslust auch nicht von den Zahlen abgemildert, die von der IPPNW in diesem Kontext berichtet werden. Die Ärzteorganisation spricht von fast 894.000 Toten - gestorben vor allem an Krebs. Noch heute sterben in der Region überdurchschnittlich viele Menschen an dieser Krankheit, sind Missbildungen bei Neugeborenen und Zeugungsunfähigkeit bei Erwachsenen völlig normal. Die IPPNW spricht sogar davon, dass auf Anweisung der Regierung die Totenscheine dieser Menschen gefälscht werden, um die wahren Ursachen zu vertuschen.

Ist es also wirklich wichtig, dass bislang von keinen Strahlentoten in Fukushima berichtet wurde? Ist es nicht viel wichtiger, dass wir endlich aufhören müssen über Sachlagen zu diskutieren, die längst klar und evident sind? Oder wollen wir tatsächlich mit ansehen, wie demnächst in Deutschland eine Diskussion über den Ausstieg aus dem Ausstieg stattfindet? Die Weichen hierfür wurden noch mit dem so genannten Beschluss zum Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022 gestellt. Und führt nicht Herr Oettinger auf EU-Ebene gerade eine Atomoffensive? 40 neue Kraftwerke bis 2030.

Dabei stützen sich diese Befürworter der Kernenergie immer wieder auf angebliche Fakten und Untersuchungen, die das Offensichtliche ausblenden. Oder sie stellen Behauptungen auf, die völlig haltlos sind. Auch in Japan wurde das, was längst bekannt war und hätte bewusst sein können, ausgeblendet. Auf Steinen, die bis zu sechshundert Jahre alt sind, steht: "Erinnert das Unheil der Tsunamis. Baut nicht unterhalb dieses Punktes" Oder: "Hohe Gebiete sind Friede und Harmonie der Nachgeborenen." Bzw. "Wenn ein Erdbeben kommt, nimm Dich vor Tsunamis in Acht." Das Kernkraftwerk in Fukushima steht wider diese Mahnung direkt an der Küste, jenseits dieser Mahnsteine. Hätten die Betreiber einfach nur ernst genommen, was weise Vorfahren versuchten zu vermitteln, würde das japanische Volk nun nicht auf den Tod auf Raten warten müssen. Immerhin wurde das Management inzwischen entlassen. Wahrlich eine harte Maßnahme gegen die Verantwortlichen einer solchen Katastrophe. Und der Einwand, die Menschen in Japan seien an dem Erdbeben und an der Tsunami-Welle gestorben fährt nur wieder zielstrebig am Thema vorbei.

Fraglich bleibt, ob wir ebenfalls erst ein solches Desaster brauchen, bevor wir anerkennen, was wir bereits wissen. Man stelle sich vor, an der Küste Fukushimas hätte ein Windrad-Park gestanden...

Oliver Rückemann

Seit mehr als 11 Jahren freier Berater - Autor des Buches "Ökolution 4.0 - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Imperative in Zeiten ökologischer und ökonomischer Krisen"