Softwaregeschichte

4D: Das Datenbanksystem hinter frühen Webanwendungen

Illustration zur Geschichte von 4D / 4th Dimension: vom grafischen Datenbanksystem über frühe Webanwendungen bis zu modernen Speziallösungen
4D verband früh Datenmodell, Benutzeroberfläche und Webausgabe — ein Werkzeug, mit dem viele spezialisierte Anwendungen entstanden.

Lange bevor Cloud-Plattformen, Low-Code-Werkzeuge und KI-Assistenten die Softwareentwicklung veränderten, gab es Systeme, die einen ähnlichen Traum verfolgten: Aus Daten, Formularen und Geschäftslogik sollten schnell nutzbare Anwendungen entstehen. Eines dieser Systeme war 4D, früher bekannt als 4th Dimension.

4D war mehr als eine Datenbank. Es verband grafische Datenmodellierung, Entwicklungsumgebung, Benutzeroberflächen und später auch Webfunktionen in einem Werkzeug. Dadurch konnten kleine Teams Anwendungen bauen, die sehr nah an der Praxis waren: für Unternehmen, Vereine, Zahnarztpraxen, Verlage, Versandhändler und frühe datenbankgestützte Webseiten.

Dieser Artikel blickt auf eine oft unterschätzte Softwaregeschichte: von Macintosh-Datenbanken über frühe Webanwendungen bis zu deutschen 4D-Entwicklern wie Andreas Overmeyer und Gerald Balzer — und zu Anwendungen wie apollonia® oder Sport-Thieme, die im Alltag erfolgreicher waren, als es die große Internetgeschichtsschreibung vermuten lässt.

Softwaregeschichte

4D: Das Datenbanksystem hinter frühen Webanwendungen

Wie 4th Dimension Datenbank, Entwicklungsumgebung und Webanwendung verband — und warum deutsche 4D-Entwickler früh praktische Internetlösungen bauten.

Der folgende Überblick ordnet 4D historisch ein und zeigt, warum das System für frühe datenbankgestützte Webanwendungen, Fachsoftware und mittelständische Digitalisierung so wichtig war.

Ein Werkzeug für die Praxis

Lange bevor Cloud-Plattformen, Low-Code-Werkzeuge und KI-Assistenten die Softwareentwicklung veränderten, gab es Systeme, die einen ähnlichen Traum verfolgten: Aus Daten, Formularen und Geschäftslogik sollten schnell nutzbare Anwendungen entstehen. Eines dieser Systeme war 4D, früher bekannt als 4th Dimension.

4D war mehr als eine Datenbank. Es verband grafische Datenmodellierung, Entwicklungsumgebung, Benutzeroberflächen und später auch Webfunktionen in einem Werkzeug. Dadurch konnten kleine Teams Anwendungen bauen, die sehr nah an der Praxis waren: für Unternehmen, Vereine, Zahnarztpraxen, Verlage, Projekte, Versandhändler und frühe datenbankgestützte Webseiten.

Dieser Artikel blickt auf eine oft unterschätzte Softwaregeschichte: von Macintosh-Datenbanken über frühe Webanwendungen bis zu deutschen 4D-Entwicklern wie Andreas Overmeyer und Gerald Balzer — und zu Anwendungen, die im Alltag erfolgreicher waren, als es die große Internetgeschichtsschreibung vermuten lässt.

Der Beitrag gehört zur größeren Linie der NGO-Serie Braunschweig und die Computer. Dort geht es um digitale Selbstbestimmung, Heimcomputer, Commodore, C64, Amiga und die Frage, wem Technik eigentlich gehört. Der Artikel über den Amiga 500 zeigt diese Plattformfrage an einer Kultmaschine. 4D ergänzt diese Perspektive um die Welt der Fachanwendungen: Datenbanken, Praxissoftware, Katalogsysteme und frühe Webanwendungen.

Kurz erklärt: Was war 4D?

4D war ein integriertes Datenbanksystem und Entwicklungswerkzeug. Es verband Datenmodell, Formulare, Programmlogik, Berichte und später Webfunktionen in einer Umgebung. Für kleine und mittlere Teams war das attraktiv, weil aus einer fachlichen Idee relativ schnell eine nutzbare Anwendung entstehen konnte.

Als Datenbanken noch Gesichter bekamen

Die frühen Jahre der Personal Computer waren geprägt von Listen, Tabellen, Karteikästen, Formularen und der Sehnsucht, wiederkehrende Büroarbeit zu automatisieren. Datenbanken waren oft schwerfällig, technisch und nur mit Spezialwissen zu bedienen. 4D setzte an einer anderen Stelle an: Datenmodell, Oberfläche und Logik sollten näher zusammenrücken.

Das passte besonders gut zur Macintosh-Welt. Der Mac stand für grafische Bedienung, direkte Manipulation, Fenster, Maus und ein anderes Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. 4D brachte diese Idee in die Datenbankwelt: Tabellen, Relationen, Formulare, Reports und Programmlogik wurden nicht mehr nur als abstrakte Technik verstanden, sondern als gestaltbare Anwendung.

Der eigentliche Kern war nicht nur die relationale Datenbank im Hintergrund. Entscheidend war, dass Entwickler und fachliche Anwender schneller gemeinsam an einer Lösung arbeiten konnten. Eine Anwendung bestand nicht aus unverbundenen Einzelteilen, sondern aus einem zusammenhängenden Modell: Daten, Oberfläche, Abläufe, Auswertungen.

Das erklärt, warum 4D in vielen Spezialbranchen lange sichtbar blieb. Wer eine Fachanwendung für eine Praxis, einen Verlag, ein Lager, eine Katalogproduktion oder einen Verband bauen wollte, brauchte oft keine riesige Softwarefabrik. Er brauchte ein Werkzeug, das den Alltag verstand.

Laurent Ribardière und die Idee der vierten Dimension

Der Name, den man in diesem Zusammenhang nennen muss, ist Laurent Ribardière. Er gilt als Gründer und prägende technische Figur hinter 4D. In der Rückschau ist bemerkenswert, wie früh hier eine Idee sichtbar wurde, die heute wieder modern klingt: Anwendungen sollten nicht aus getrennten Einzelbausteinen bestehen, sondern aus einem gemeinsamen Daten- und Arbeitsmodell.

Daten, Oberfläche, Logik, Berichte und später Webzugriff: Alles sollte in einer Umgebung bearbeitbar sein. Das war keine Spielerei, sondern eine produktive Philosophie. Gerade kleine Entwicklungsteams konnten damit Anwendungen bauen, die für konkrete Kunden wirklich funktionierten.

Personenbox: Laurent Ribardière

Rolle damals: Gründer und technische Leitfigur von 4D.

Bedeutung: Ribardière steht für die Idee, relationale Datenbanken, grafische Modellierung und Anwendungsentwicklung enger zusammenzuführen.

Heute: 4D führt Laurent Ribardière weiterhin als Founder & CTO des 4D-Konzerns.

Vom lokalen Programm zur Webanwendung

Die neunziger Jahre veränderten alles. Erst kamen Netzwerke in die Büros, dann das World Wide Web. Plötzlich reichte es nicht mehr, dass eine Anwendung auf einem einzelnen Rechner oder im lokalen Netz lief. Daten sollten im Browser sichtbar werden. Formulare sollten online erreichbar sein. Kunden, Mitglieder, Leser, Händler, Praxen oder Mitarbeiter sollten nicht mehr zwingend vor Ort am selben System sitzen.

Für klassische Datenbankentwickler war das ein Einschnitt. HTML, Webserver, CGI, Skriptsprachen, später PHP, Java, ASP und viele weitere Technologien entstanden oder verbreiteten sich. Die neue Welt war mächtig, aber auch zersplittert.

4D ging einen eigenen Weg: Die Datenbankanwendung sollte Webfunktionen nicht völlig getrennt neben sich haben, sondern aus dem bestehenden System heraus ins Netz wachsen können. Aus heutiger Sicht war das ein früher Hinweis auf das, was später selbstverständlich wurde: datenbankgestützte Webanwendungen.

Die frühe Webanwendung war nicht zuerst ein Designproblem. Sie war ein Datenproblem: Welche Informationen sollen sichtbar werden, wer darf sie ändern, und wie bleibt der Arbeitsprozess beherrschbar?

Genau hier lag die Stärke von 4D. Wer bereits eine 4D-Anwendung hatte, hatte Datenmodell, Geschäftslogik und Oberfläche oft schon beisammen. Der Schritt ins Web bestand dann nicht darin, alles neu zu erfinden, sondern vorhandene Strukturen nach außen zu öffnen.

Andreas Overmeyer und der Zugang zur 4D-Welt

In Deutschland gehört Andreas Overmeyer zu den Namen, die man in dieser Geschichte erwähnen darf. Er steht nicht für eine laute Internet-Mythologie, sondern für die praktische 4D-Entwicklung: Datenbanken erstellen, pflegen, erweitern, modernisieren, Anwender unterstützen, Entwickler begleiten.

Auch für den Autor dieses Artikels führte ein wichtiger Zugang in diese Welt über Andreas Overmeyer. Durch ihn entstand der Kontakt zu prOcedia und damit zu einem Umfeld, in dem 4D nicht theoretisch diskutiert, sondern als Werkzeug für reale Fachanwendungen genutzt wurde. Solche Wege sind typisch für die Geschichte spezialisierter Software: Nicht die große Werbekampagne bringt Menschen zusammen, sondern ein konkretes Projekt, ein Entwicklerkontakt, eine Schulung, eine Empfehlung.

Personenbox: Andreas Overmeyer

Rolle damals und heute: 4D-Entwickler und Consultant.

Bedeutung: Overmeyer steht für die deutsche 4D-Praxis: Erstellung, Pflege, Support und Modernisierung bestehender 4D-Datenbanken.

Einordnung: Seine Arbeit zeigt, wie wichtig erfahrene Fachentwickler für langlebige 4D-Anwendungen waren und sind.

Persönlicher Hintergrund: Datenbankentwicklung vor dem Webboom

Die persönliche Vorgeschichte des Autors führt ebenfalls in diese Welt: kaufmännische Abläufe verstehen, Daten strukturieren, Anwendungen für echte Arbeitsprozesse bauen. Dazu gehörten FileMaker, Apple-Systeme, Schulungen und frühe Datenbanklösungen in Braunschweig.

Ein wichtiger Erinnerungsanker ist die Arbeit für den Westermann Schulbuchverlag: eine Bilddatenbank mit Verschlagwortung, also Digital Asset Management, bevor dieser Begriff im Alltag verbreitet war. Dieser biografische Hintergrund erklärt, warum 4D hier nicht nur als Produkt, sondern als Teil einer größeren Entwicklung betrachtet wird: Datenbanken wurden zu Werkzeugen, mit denen Menschen Wissen, Bilder, Kunden, Produkte, Termine und Geschäftsprozesse praktisch nutzbar machten.

Mehr dazu steht auf der persönlichen Seite des Autors: Detlev Lengsfeld – Über mich.

Persönliche Einordnung

4D steht in dieser Geschichte nicht allein. Es gehört zu einer Entwicklungslinie von kaufmännischem Denken, Datenbankentwicklung, Apple-Praxis, Webanwendungen und späterer technischer Beratung. Genau diese Verbindung von Betrieb, Daten und Technik prägt viele erfolgreiche Fachanwendungen.

prOcedia und apollonia: Zahnarztsoftware als Fachanwendung

Ein besonders naher Anwendungsfall aus dieser Erinnerung ist prOcedia mit der Zahnarztsoftware apollonia®. Zahnarztsoftware ist ein gutes Beispiel dafür, warum integrierte Datenbanksysteme wie 4D so attraktiv waren. Eine Zahnarztpraxis arbeitet nicht mit abstrakten Tabellen, sondern mit Patientenakten, Terminen, Behandlungen, Abrechnung, Dokumentation, Kommunikation und rechtlichen Anforderungen.

Eine solche Anwendung muss stabil sein. Sie muss über Jahre gepflegt werden. Sie muss sich an Betriebssysteme, Schnittstellen, gesetzliche Vorgaben und Praxisabläufe anpassen. Genau in diesem Umfeld konnten 4D-Anwendungen ihre Stärke zeigen: Sie waren nah an der Fachlichkeit und zugleich flexibel genug, um weiterentwickelt zu werden.

Aus persönlicher Sicht gehört die Zusammenarbeit im Umfeld von Andreas Overmeyer und prOcedia zu den prägenden Erfahrungen dieser frühen Datenbank- und Anwendungswelt. Andreas Overmeyer war dabei deutlich intensiver und tiefer in der 4D-Entwicklung verankert. Der eigene Anteil lag eher im Zugang, in der Zusammenarbeit, im Verständnis für Anwendung, Praxis und spätere Weblogik.

Anwendungsbox: apollonia®

Branche: Zahnarztpraxen und Zahnkliniken.

Kern: Praxismanagement, Patienten- und Behandlungsdaten, Termine, Abrechnung und organisatorische Abläufe.

Bedeutung für diesen Artikel: apollonia® zeigt, dass 4D nicht nur für kleine Hilfsdatenbanken genutzt wurde, sondern für anspruchsvolle Fachsoftware mit langer Lebensdauer.

Sport-Thieme: Wenn Katalog, Datenbank und Web zusammenwachsen

Ein besonders anschauliches Beispiel aus der deutschen 4D-Praxis ist Sport-Thieme aus Grasleben. Das Unternehmen ist nicht nur ein traditionsreicher Versandhändler für Sportartikel, sondern auch ein gutes Beispiel dafür, wie eng Katalogproduktion, Warenwirtschaft und Webentwicklung schon früh zusammenrückten.

Die offizielle Unternehmensgeschichte nennt 1979 als Jahr, in dem Dr. Hans-Rudolf Thieme die EDV in der Warenwirtschaft etablierte. Von diesem Zeitpunkt an funktionierten Fakturierung, Statistik und Werbungssteuerung elektronisch. 1996 wagte Sport-Thieme den Schritt ins World Wide Web — zu einer Zeit, in der Internet-Shops vielfach noch belächelt wurden. 2008 war Sport-Thieme bereits in zwölf Ländern mit eigenem Katalog vertreten; in zehn Ländern existierten autarke Online-Shops.

Für die 4D-Geschichte ist besonders interessant, dass eine technische Rückschau auf die Sport-Thieme-Shopentwicklung ausdrücklich 4th Dimension erwähnt. Demnach lief Sport-Thieme früher auf einer Serverarchitektur namens 4th-Dimension, die sich damals besonders eignete, um Webserver und Katalogproduktion miteinander zu verbinden. Später migrierte Sport-Thieme in Richtung PHP, Cloud und moderne Frontend-Architekturen.

Damit wird Sport-Thieme zu einem starken Beispiel für den praktischen Wert von 4D: Es ging nicht nur um eine Datenbank im Hintergrund, sondern um die Verbindung von Produktdaten, Printkatalog, Webshop, eigener Entwicklung und wachsendem Versandgeschäft. Genau solche Anwendungen zeigen, warum 4D für viele mittelständische Unternehmen attraktiv war.

Warum Sport-Thieme ein Schlüsselbeispiel ist

Sport-Thieme zeigt, dass 4D nicht nur für interne Spezialprogramme genutzt wurde. In der Praxis konnte 4D auch dort eine Rolle spielen, wo Katalogdaten, Warenwirtschaft, Webausgabe und individuelle Shopentwicklung zusammengeführt werden mussten.

HaCon, HAFAS und die Bahn-Spur

In der Erinnerung an frühe 4D-Anwendungen taucht außerdem ein Bahn- beziehungsweise Fahrplanprojekt auf. Gemeint sein könnte ein Projekt im Umfeld von HaCon und HAFAS, also jener Fahrplan- und Mobilitätssoftware, die für digitale Reiseinformationen eine wichtige Rolle spielte.

HaCon ist als Anbieter von Fahrplan-, Reiseinformations- und Mobilitätslösungen bekannt. In 4D-Partnerlisten taucht HaCon zudem als Software-Herausgeber auf. Damit ist HaCon ein plausibler und historisch interessanter 4D-Anwendungsfall: Fahrplandaten, Reiseinformationen und Verkehrsprozesse gehören zu den Bereichen, in denen Datenmodell, Geschäftslogik, Schnittstellen und Ausgabe besonders eng zusammenarbeiten müssen.

Gerade die Bahn- und Fahrplanwelt macht sichtbar, worum es bei datenbankgestützten Anwendungen geht: nicht um einzelne Webseiten, sondern um zuverlässige Informationssysteme. Fahrplandaten müssen gepflegt, kombiniert, abgefragt und in unterschiedlichen Oberflächen ausgegeben werden. Das ist genau jene Art von Problem, für die integrierte Entwicklungs- und Datenbankumgebungen historisch interessant waren.

Gerald Balzer und die Entwicklerkultur

Ein weiterer Name aus der Erinnerung ist Gerald Balzer. Er steht in diesem Artikel weniger für eine einzelne öffentlich dokumentierte Anwendung als für eine Entwicklerkultur, die für 4D entscheidend war: Menschen, die tief in ein Werkzeug hineinwachsen, Lösungen für Kunden bauen, Wissen weitergeben und aus dieser Praxis eigene Unternehmen oder Beratungsprofile entwickeln.

Gerald Balzer taucht öffentlich mit Bezug zu Zürich und Balzer Computing auf. Damit passt die Erinnerung an eine Entwicklung von der 4D-Praxis hin zu einer eigenen Firma in Zürich grundsätzlich in das Bild. Solche Wege zeigen, wie aus individueller Entwicklerpraxis professionelle Spezialisierung entstehen konnte.

Personenbox: Gerald Balzer

Rolle nach Erinnerung: langjähriger Mitstreiter und Urgestein aus dem 4D-Umfeld.

Bedeutung: Vertreter jener praktischen Entwicklerkultur, ohne die ein Werkzeug wie 4D nicht lebendig geblieben wäre.

Einordnung: Gerald Balzer steht für jene Generation von Entwicklern, die aus konkreter Projektarbeit heraus eigene Spezialprofile und Firmen aufgebaut haben.

Warum diese Anwendungen erfolgreich waren

Die genannten Beispiele haben trotz unterschiedlicher Branchen eine gemeinsame Struktur. Sie waren nicht bloß Datenbanken. Sie waren Arbeitsmaschinen.

Bei prOcedia und apollonia® ging es um Praxisalltag, Patienten, Behandlungen und Verwaltung. Bei Sport-Thieme ging es um Produktdaten, Kataloge, Webshop und Versandlogik. Bei HaCon und HAFAS ging es um Fahrplandaten, Reiseinformationen und komplexe Auskunftssysteme. In allen Fällen stand nicht die Technik als Selbstzweck im Mittelpunkt, sondern ein konkretes Problem.

Das erklärt den Erfolg solcher Systeme. Eine gute Fachanwendung speichert nicht nur Daten. Sie bewahrt Arbeitswissen. Sie kennt Sonderfälle. Sie bildet Gewohnheiten ab. Sie verbindet alte Prozesse mit neuen Ausgaben: Print, Bildschirm, Web, später mobile Geräte.

Gute Fachanwendungen sterben selten schnell. Sie bleiben, weil sie Arbeitswissen enthalten.

Gerade deshalb ist 4D historisch interessant. Viele moderne Diskussionen über Low-Code, No-Code, Fachanwendungen, Plattformen und KI-Assistenten drehen sich im Kern um dieselbe Frage: Wie kommt fachliches Wissen schnell in eine funktionierende Anwendung?

4D zwischen FileMaker, Access und großen Datenbanken

Um 4D einzuordnen, hilft der Vergleich. FileMaker war stark in der einfachen Datenbankerstellung, besonders im Apple-Umfeld. Microsoft Access verbreitete sich mit Office und Windows. Oracle, Informix, Sybase und später MySQL oder PostgreSQL standen für andere Welten: größere Server, SQL, Administratoren, Webstacks.

4D saß zwischen diesen Welten. Es war leistungsfähiger und entwicklerorientierter als viele reine Desktopdatenbanken, aber zugänglicher und integrierter als große Enterprise-Architekturen. Für Spezialanwendungen war das ideal.

Natürlich hatte diese Welt auch Grenzen. Wer in 4D entwickelte, band sich an eine Plattform. Migrationen konnten schwierig werden. Alte Anwendungen mussten modernisiert, 64-bit-fähig gemacht, an neue Betriebssysteme angepasst und von alten Komponenten befreit werden. Doch genau das zeigt auch die andere Seite: Viele 4D-Anwendungen waren offenbar so nützlich, dass sie lange überlebten.

Von 4D zu ERP und SAP

4D war kein direkter Vorgänger von SAP. Trotzdem führt ein gedanklicher Weg von solchen integrierten Fachanwendungen zu den großen ERP-Systemen, die später in vielen Unternehmen zum Standard wurden. Die Frage blieb dieselbe: Wie lassen sich Daten, Prozesse, Abläufe, Auswertungen und Verantwortlichkeiten in einem System verbinden?

Bei kleineren und spezialisierten Anwendungen konnte 4D diese Aufgabe vergleichsweise nah an der Praxis lösen. In größeren Organisationen übernahmen später ERP-Systeme diese Rolle. SAP wurde dabei zum bekanntesten Namen für integrierte Unternehmenssoftware: Warenwirtschaft, Finanzen, Logistik, Personal, Reporting und Geschäftsprozesse wurden in großen Plattformen zusammengeführt.

Gerade deshalb ist der Vergleich spannend. 4D zeigt die handwerkliche, entwicklernahe Seite der Fachanwendung. ERP und SAP zeigen die große, standardisierte Unternehmensseite. Beide Welten erzählen von demselben Grundproblem: Daten allein reichen nicht. Entscheidend ist, wie Daten in funktionierende Abläufe übersetzt werden.

Weiterführend dazu auf NGO-online: SAP ERP: Alles, was du wissen musst und ERP-System in der Cloud.

Eine kleine Zeitleiste

4D und die Entwicklung datenbankgestützter Anwendungen
ZeitEntwicklung
1984Laurent Ribardière entwickelt 4D beziehungsweise die frühe Grundlage der Plattform.
späte 1980er4th Dimension etabliert sich als grafisch geprägtes Datenbanksystem im Macintosh-Umfeld.
1990erClient-Server-Anwendungen, Fachlösungen und datenbankgestützte Spezialprogramme verbreiten sich.
späte 1990erWebausgaben, Webserver-Logik und dynamische Anwendungen werden wichtiger.
2000er4D-Anwendungen laufen in Praxen, Verlagen, Warenwirtschaft, Katalogproduktion, Fahrplan- und Spezialsoftware weiter.
heuteViele 4D-Systeme werden modernisiert, migriert oder in neue Architekturen eingebunden.

Warum diese Geschichte heute wieder wichtig ist

Heute reden alle über Cloud, KI, Low-Code, Automatisierung und Plattformen. Vieles klingt neu. Aber die Grundfrage ist alt: Wie kommen Menschen schnell von einem fachlichen Problem zu einer funktionierenden Anwendung?

4D war eine frühe Antwort auf diese Frage. Nicht als Modebegriff, sondern als Werkzeug. Daten modellieren, Formulare bauen, Logik schreiben, Berichte erzeugen, später Webzugriff ermöglichen — das war im Kern ein Low-Code- und Pro-Code-Gedanke, lange bevor diese Begriffe populär wurden.

Für kleine Unternehmen, Verlage, Agenturen, Vereine, Praxen und Spezialanbieter war das entscheidend. Sie brauchten keine abstrakte IT-Strategie. Sie brauchten ein System, das Rechnungen, Kontakte, Artikel, Termine, Bestände, Mitglieder, Projekte, Produkte oder Ergebnisse verwalten konnte.

Und genau deshalb lohnt sich der historische Blick.

Die Lehre aus 4D

Die Geschichte von 4D zeigt, dass digitale Innovation nicht immer dort entsteht, wo die lautesten Marken sitzen. Sie entsteht oft dort, wo Menschen ein konkretes Problem haben und ein Werkzeug finden, mit dem sie es lösen können.

4D war ein solches Werkzeug. Es verband Daten, Oberfläche und Logik. Es brachte Macintosh-Denken in die Datenbankwelt. Es öffnete sich früh in Richtung Web. Und es prägte eine Generation von Entwicklern, die nicht zuerst über Frameworks sprachen, sondern über funktionierende Anwendungen.

In Deutschland stehen Namen wie Andreas Overmeyer und Gerald Balzer für diese praktische Seite der Geschichte. Laurent Ribardière steht für die ursprüngliche technische Vision. Anwendungen wie apollonia® oder Sport-Thieme zeigen, wie konkret dieser Nutzen war: Zahnarztsoftware, Katalogproduktion, Webshop, Warenwirtschaft, Fachlogik.

Fazit

4D war nie nur eine Datenbank. Es war ein Werkzeugkasten für Menschen, die Daten, Arbeit und Oberfläche zusammenbringen wollten. Genau deshalb gehört 4D in die Geschichte früher Webanwendungen — und in eine Serie über deutsche Computerkultur.

Quellen

Quellenblock

4D / Laurent Ribardière

  • 4D UK, Seite „About us“: Laurent Ribardière wird als Gründer und CTO beschrieben; 4D wird als 1984 entstandene, grafisch geprägte relationale Datenbank- und Entwicklungsplattform eingeordnet.
  • 4D UK, Seite „Leadership“: nennt ACI beziehungsweise 4D und Ribardières Rolle als Gründer, CTO und Mehrheitsgesellschafter.
  • 4D Careers / 4D Group: beschreibt Ribardière als Founder & CTO und betont die Rolle von 4D als relationale Datenbank mit grafischem Model-Editor.

Andreas Overmeyer

  • 4D Deutschland, Partnerliste: führt Overmeyer als beratenden Entwickler für 4D-Entwicklung und Consulting; genannt werden Erstellung, Pflege und Support bestehender 4D-Datenbanken.
  • Website Overmeyer: Impressum und Leistungsbezug zu 4D-Entwicklung, Pflege, Support und Modernisierung.

prOcedia / apollonia®

  • 4D Deutschland, Partnerliste: führt Procedia GmbH im Bereich Gesundheitswesen als Software-Herausgeber; genannt wird apollonia® als komplette Softwarelösung für Windows, macOS, Browser und iOS.
  • Procedia Website: beschreibt apollonia® als Praxismanagement- und Praxissoftware für Zahnarztpraxen und Zahnkliniken.

Sport-Thieme

  • Sport-Thieme Group, Unternehmensgeschichte: nennt 1979 die Einführung der EDV in der Warenwirtschaft, 1996 den Schritt ins World Wide Web und 2008 internationale Kataloge sowie autarke Online-Shops.
  • Tobias Zimmermann / tzdesign, technische Fallstudie zur Sport-Thieme-Shopentwicklung: beschreibt eine frühere Serverarchitektur namens 4th-Dimension und deren Eignung, Webserver und Katalogproduktion zu verbinden.
  • QualitySSL Testimonials: enthält einen Hinweis auf Sport-Thieme als SSL-Kunden seit 2004 und verweist im selben Umfeld auf technische Kenntnisse zu 4th Dimension, 4D Business Kit und 4D WebSTAR.

HaCon / HAFAS

  • 4D Deutschland, Partnerliste: führt HaCon Ingenieurgesellschaft mbH als Software-Herausgeber und beschreibt Lösungen für Verkehrsbetriebe, Optimierung von Prozessen und einfacheres Reisen für Passagiere.
  • HaCon Website: beschreibt HaCon als Anbieter digitaler, effizienter und vernetzter Mobilitätslösungen, unter anderem für Reiseinformation, Ticketing, Fahrplankonstruktion und Disposition.

Gerald Balzer

  • Öffentliche GitHub-Ansicht der 4D-Organisation: listet Gerald Balzer mit Bezug zu Balzer Computing und Zürich.

Persönlicher Hintergrund des Autors

  • Detlev Lengsfeld, Seite „Über mich“: beschreibt den beruflichen Weg mit Inhouse-IT, Datenbankentwicklung, Apple-Systemadministration und einer Bilddatenbank mit Verschlagwortung für den Westermann Schulbuchverlag.
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