Klimaschutz

Bonner Klimakonferenz offiziell eröffnet

Begleitet von großen Hoffnungen, aber auch Skepsis ringen Experten seit Montag in Bonn um den Schutz des Weltklimas. Auf der Weltklimakonferenz beraten zunächst Fachleute, ab Donnerstag dann die Minister von rund 180 Staaten. Ziel ist, sich auf konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Kohlendioxid zu verständigen. Die 1997 im Protokoll von Kyoto vereinbarten Mechanismen sind vor allem unter den Industrieländern umstritten. Die EU sieht zu dem Protokoll keine Alternative, die USA lehnen es dagegen ab. Das Schlüsselland Japan legte sich bis zu Beginn der Konferenz nicht fest. Die Hoffnungen auf einen Erfolg des Gipfels blieben deshalb gedämpft.

Ursprünglich war die Eröffnung der Konferenz für Donnerstag vorgesehen. Nach Angaben des deutschen Delegationsleiters Carsten Sach verständigten sich die Teilnehmer am Sonntagabend darauf, die Tagung schon am Montag formell zu eröffnen. Grundlage der Beratungen seien die Verhandlungstexte des im November in Den Haag gescheiterten Klimagipfels. Sach betonte, entscheidend sei, dass die Konferenz die Klärung formaler Fragen rasch hinter sich lasse und sich möglichst früh mit substanziellen Problemen beschäftige.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, wenn Japan nicht zustimme, sehe er sehr große Schwierigkeiten. Er gehe aber davon aus, dass die Probleme Japans lösbar seien. Pessimistisch äußerte sich EU-Umweltkommissarin Margot Wallström. Eine Gesamtlösung, wie sie die Europäer anstrebten, sei nicht zu erreichen. Stattdessen plädierte sie für Einzelabkommen, um etwa die Unterstützung der Entwicklungsländer beim Umweltschutz zu sichern. Einen ähnlichen Vorschlag hatte der Leiter der UN-Umweltbehörde UNEP, Klaus Töpfer, am Wochenende unterbreitet.

Im Protokoll von Kyoto vereinbarten die Vertragsstaaten 1997 die Kohlendioxid-Emissionen zwischen 2008 und 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Klimaexperten halten in den Industriestaaten eigentlich eine Senkung der Kohlendioxidemissionen von 80 Prozent für erforderlich. Nur so wäre eine wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern noch möglich. Die bisherigen Kohlendioxid-Reduktionen in Deutschland beruhen im wesentlichen auf dem Zusammenbruch der DDR-Industrie. Eine Strategie für eine langfristige Senkung der Emissionen liegt nicht vor.

Sach unterstrich, die Umsetzung dieses Ziels sei "eigentlich relativ endgültig geregelt", strittig sei das "Wie". Nach dem "Nein" der USA fällt Japan dabei eine Schlüsselrolle zu. Sollte Tokio die Ratifizierung ablehnen, wäre der weltweite Klimaschutzprozess vorerst gescheitert. Japan setzt auf die Folgekonferenz im Herbst in Marrakesch und verlangt von den USA eine international verbindliche Zusage zur Einsparung von CO2.

Nach Einschätzung Sachs ist Japans Position "extrem schwierig". Tokio schwanke zwischen Zustimmung und Ablehnung. Allerdings machten die Äußerungen von Ministerpräsident Junichiro Koizumi "nicht gerade hoffnungsfroh". Es gebe aber eine Chance - und "die werden wir nutzen", betonte Sach.

Umweltschützer appellierten eindringlich an Japan, sich dem Protokoll nicht zu verweigern. Für Japan stehe in Bonn die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. NABU-Präsident Jochen Flasbarth warnte davor, den Amerikanern bei den Verhandlungen noch weiter entgegenzukommen. Am Rande des Gipfels demonstrierten mehrere hundert Umweltschützer für die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls.

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