Racheakt geplant

USA bereiten offenbar einen Krieg gegen Afghanistan vor

In den USA laufen offenbar die Vorbereitungen für einen militärischen Rachefeldzug gegen Afghanistan auf Hochtouren. Kampf-Piloten auf 26 Stützpunkten im ganzen Land seien in unmittelbarer Bereitschaft, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am frühen Freitagmorgen (MESZ). Sie seien innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit. US-Außenminister Colin Powell bezeichnete unterdessen den saudi-arabischen Top-Terroristen Osama Bin Laden erstmals offiziell als "Hauptverdächtigen".

Auf New Yorker Flughäfen wurden nach n-tv-Angaben zehn Männer in Gewahrsam genommen. Sie sollen sich als Piloten und Flugbegleiter ausgegeben haben, berichteten US-Medien. Auch in Hamburg nahm die Polizei auf der Suche nach den Drahtziehern der Attentate am Donnerstag nach Wohnungsdurchsuchungen zwei Verdächtige vorläufig fest.

In New York schwindet unterdessen die Hoffnung, in den Trümmern des World Trade Centers noch Überlebende zu finden. Fast 5.000 Menschen werden noch vermisst. Bislang wurden rund 100 Leichen geborgen. Am Freitag will US-Präsident George W. Bush New York besuchen.

In Washington orteten Rettungsteams Signale des Flugschreibers der am Dienstag in das Pentagon gestürzten Verkehrsmaschine. Im Pentagon kamen nach CNN-Angaben mindestens 190 Menschen ums Leben. In der von Terroristen entführten Maschine starben bei der Katastrophe alle 64 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Am späten Donnerstagabend mussten der US-Senat und das Repräsentantenhaus (MESZ) vorübergehend aus dem Capitol in Washington evakuiert werden. Wie ein Polizeisprecher erklärte, wurde die Evakuierung gegen Mitternacht (MESZ) wieder aufgehoben. Grund für die Räumung sei ein nicht näher beschriebener paketgroßer Gegenstand gewesen, der im Gebäude als verdächtig aufgefallen war.

Das US-Verteidigungsministerium überlegt nach CNN-Angaben, zahlreiche Reservisten einzuberufen. Dazu ist ein Befehl des Präsidenten nötig. Zuletzt waren Reservisten während des Golfkriegs 1991 einberufen worden. Einem ranghohen Regierungsvertreter zufolge hat die US-Regierung darüber hinaus die pakistanische Führung aufgefordert, ihre Grenze zu Afghanistan zu schließen. Außerdem solle Pakistan sämtliche Informationen über den von den USA als Drahtzieher der Terroranschläge verdächtigten saudi-arabischen Top-Terroristen Bin Laden weitergeben und US-Flugzeugen für den Fall eines Militärschlages das Überflugsrecht gewähren.

Eine Bundeswehr-Beteiligung an einem möglichen Racheakt der USA spaltet derweil die Grünen. Mehrere Bundestagsabgeordnete kündigten an, sie werden einer deutschen Beteiligung an einem solchen Militärschlag nicht zustimmen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele betonte: "Künftige Anschläge müssen vermieden werden - ich habe aber erhebliche Zweifel, ob ein Krieg die richtige Lösung ist." Sein Fraktionskollege Winfried Hermann sagte, er "halte die Entscheidung für absolut falsch. Auf diese Anschläge mit Krieg zu antworten", entspreche "nicht dem Geist des NATO-Vertrages".

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) sieht indes die innere Sicherheit Deutschlands im Falle eines amerikanischen Vergeltungsschlags massiv gefährdet. "Da die USA ihre Sicherheitsvorkehrungen maximal erhöhen werden", müsse man damit rechnen, "dass die Terrorkommandos sich Ersatzziele in Europa suchen". Er sehe diesbezüglich "Deutschland mit in der ersten Linie", warnte Beckstein.

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