Kritik der GEW
Studiengebühren verbessern Studienbedingungen nicht
Wer gut organisierte und qualifiziert arbeitende Forschungsbereiche habe, tue sich auch mit der Einwerbung von Aufträgen und Drittmitteln leichter". Von den Studiengebühren, das zeigen die Erfahrungen mit dem Strafzoll für sogenannte Langzeitstudierende, sähen die Hochschulen dagegen keinen Cent. "Die Finanzminister der Länder werden die Hand auf das Geld legen, um ihre maroden Haushalte zu sanieren.", so die Kritik.
Mit der Einführung von Studiengebühren werde ein weiterer Schritt gemacht, die Erstausbildung junger Menschen zu privatisieren. "Wir befinden uns auf dem Weg vom Steuer- in den Gebührenstaat. Das ist der stufenweise Abschied vom Sozialstaatsgedanken." Gebühren seien das ungerechteste Finanzierungsmodell öffentlicher Daseinsfürsorge, zu der auch die Ausbildung junger Menschen zähle.
"Die Lehrbedingungen an vielen Hochschulen sind so schlecht, dass man - selbst wenn man wollte - dafür keine Gebühren verlangen kann." Veranstaltungen mit hunderten Studierenden, mangelhafte Betreuung von Examensarbeiten, Zugangsbeschränkungen für Seminare oder materiell schlecht ausgestattete Studienplätze in den Naturwissenschaften würden eine Prozesslawine für die Hochschulen bedeuten, wenn die Studierenden für ihr Eintrittsgeld keine entsprechende Gegenleistung erhielten.
Studiengebühren schreckten darüber hinaus insbesondere Kinder aus sozial schwächeren und ausländischen Familien ab. "Es gibt in Deutschland kein ausgebautes Stipendiensystem wie in anderen Staaten, in denen Studiengebühren erhoben werden. Die Regierungen haben es in den letzten 20 Jahren ja nicht einmal geschafft, ein elternunabhängiges, an den realen Kosten eines Studiums orientiertes Bafög-System aufzubauen", sagte die Gewerkschafterin.
Die Folgen der Einführung von Studiengebühren ohne ein dichtes Netz sozialer Unterstützungsleistungen könnten zurzeit in Österreich beobachtet werden. Hier würden die Studierendenzahlen wegbrechen. Dagen müsse in den nächsten zehn Jahren die Akademikerquote verdoppelt werden. Sonst verlöre Deutschland international den Anschluss. Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2003" hatte als wichtigen Grund für die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der Bundesrepublik den niedrigen Akademikeranteil bei den Erwerbstätigen genannt.
Mit der Forderung nach Gebühren von bis zu 3.000 Euro pro Semester, die zusätzlich zum Lebensunterhalt aufgebracht werden müssen, hätte die HRK "jegliches Augenmaß verloren", kritisierte Stange. "Die Rektoren sollten nicht ihr eigenes Einkommen zum Maßstab nehmen, sondern mal einen Blick in die Gehaltstabellen von Arbeitern und Angestellten mit mittlerem Verdienst werfen. Die meisten wären froh, wenn sie im Monat 3.000 Euro mit nach Hause bringen würden." Schon jetzt müssten 70 Prozent aller Studierenden für Lebensunterhalt und Studium jobben und dafür längere Studienzeiten in Kauf nehmen. "Die qualifizierte Ausbildung junger Menschen, die der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt, muss auch in Zukunft öffentlich finanziert werden", sagte die GEW-Vorsitzende.
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Am 11. Jun. 2004 unter:
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