Walschützer besorgt

Japan will 3000 Zwergwale jährlich töten

Seit Montag morgen tagt im italienischen Sorrent die Internationale Walfang Kommission (IWC). Walschützer befürchten, dass sich dort eine Mehrheit für die Wiederaufnahme des Wahlfangs ergeben könnte. Der WWF kritisierte, nur 14 der 25 EU-Staaten seien bisher der IWC beigetreten. Es fehlten Griechenland, Luxemburg und neun Beitrittsländer. Kürzlich war Ungarn beigetreten. Auf Seiten der Walfang-Befürworter sind Mauretanien, Tuvalu und Surinam hinzugekommen - mutmaßlich nicht unbeeinflusst durch Entwicklungshilfe-Gelder der Walfang-Nation Japan. Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife forderte, auch Kleinwale und Delfine müssten geschützt werden. Sie seien nach den derzeitigen Abkommen "nahezu vogelfrei".

Auch wenn die meisten IWC-Länder gar nichts mit dem Thema Walfang zu tun haben, hat jedes zahlende Mitglied Stimmrecht. Der ursprüngliche Club von Waljägern hat so 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang beschlossen, das allerdings durch den Walfang zu angeblichen Forschungszwecken unterlaufen wird. Mit den walfangfreundlichen Neuzugängen könnte jetzt die Mehrheit kippen - auch wenn für eine Aufhebung des Moratoriums eine Drei-Viertel-Mehrheit nötig ist.

Der WWF kritisiert die "passive Haltung" vieler europäischer Länder beim internationalen Walschutz. Zu viele Staaten schauten dem möglichen "Ausverkauf" des internationalen Walschutzes zu, sagte WWF-Artenschützer Volker Homes. In den nächsten Tagen drohten dem internationalen Walschutz dramatische Rückschläge. "Die Erfolge der letzten 20 Jahre stehen auf dem Spiel", warnte Homes.

Mit einer Mehrheit könnten sich Japan und Island ihre unter dem Deckmantel des "Wissenschaftlichen Walfangs" praktizierte Jagd auf die grauen Riesen von der IWC absegnen lassen, befürchtet der WWF. "Japan will einen Persilschein für die Rückkehr in die Zeiten, wo das Töten der Wale noch eine Selbstverständlichkeit war und seine Fangquoten wohl weiter anheben", warnt der WWF-Experte.

Auch die erst im letzten Jahr mit der "Berliner Initiative" erreichte Ausweitung des IWC-Mandates auf einen umfassenden Walschutz könnte wieder gekippt werden. "In dem Moment, in dem wir mehr als je zuvor über die Gefährdung der Wale durch Beifang, Lärm, Meeresverschmutzung und Klimawandel wissen, droht die IWC zu einem Walfgang-Klub zu verkommen", fürchtet Homes.

Während für Großwale Schutzbestimmungen bestehen, seien ihre kleinen Verwandten dagegen "nahezu vogelfrei", kritisierte Sandra Altherr, Biologin und Meeresexpertin von Pro Wildlife. In Japan etwa diene das Fleisch der Kleinwale und Delfine als Ersatz für das begehrte Fleisch von Großwalen. Einige der betroffenen Arten seien inzwischen von der Ausrottung bedroht.

Die Artenschützer kritisierten auch den traditionellen Walfang auf den dänischen Färöer-Inseln. Ganze Herden ("Schulen") der kleinen Meeressäuger würden in Buchten getrieben und mit Eisenhaken und Messern getötet. Vor allem die "barbarischen Tötungsmethoden" seien Anlass für internationale Kritik. Viele Umweltschützer lehnen traditionellen Walfang nicht ab, da es für die jagenden Völker einerseits wegen der klimatischen Bedingungen kaum Alternativen in der Nahrungsmittelversorgung gebe, andererseits auch nur eine geringe Zahl an Tieren getötet werde.

Auf der Konferenz kündigte Japan an, in der Antarktis in den kommenden fünf Jahren jährlich 3000 Zwergwale töten zu wollen. In einer ersten Abstimmung musste Japan allerdings eine Niederlage hinnehmen: Der Antrag auf geheime Wahlen während der Konferenz wurde mit 29 Nein-Stimmen gegen 24 Ja-Stimmen abgelehnt. Senegal und Elfenbeinküste durften allerdings aufgrund nicht gezahlter Mitgliedsbeiträgen noch nicht an der Abstimmung teilnehmen, und auch die Walfang-Nation Dänemark hatte sich hier gegen Japan gestellt.

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