Kritik an erneuerbaren Energien in neuem Licht

Welche Politiker stehen noch auf den Gehaltslisten der Stromkonzerne?

Der Essener Energiekonzern RWE hat Berichte über Gehaltszahlungen an weitere Landes- und Bundespolitiker zurückgewiesen. Nach bisherigem Erkenntnisstand gebe es neben den beiden CDU-Politikern Hermann-Josef Arentz und Laurenz Meyer keine weiteren Landtags-, Bundestags- oder Europaabgeordnete, die in einem aktiven oder ruhenden Arbeitsverhältnis zu RWE stünden, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, der RWE-Führung liege eine von der Innenrevision erstellte Liste mit den Namen von rund 40 Politikern vor, die Gehalt aus dem Konzern beziehen. Ein Kenner der Verhältnisse sagte der Zeitung, die betreffenden Politiker seien in der Regel bei operativen Beteiligungen wie Stadtwerken beschäftigt. Ähnliche Strukturen existierten bei den Versorgern Eon und EnBW. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die völlige Offenlegung aller Zuwendungen an Politiker seitens der Stromkonzerne. Die Kritik führender Vertreter der Oppositionsparteien am Ausbau erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung erscheine in völlig neuem Licht, wenn klar werde, wer alles auf den Gehaltslisten von Unternehmen der Strombranche stehe.

RWE teilte mit, es gebe neben Arentz und Meyer nur noch rund 200 Mitarbeiter unter insgesamt 60.000 in Deutschland, die ehrenamtlich in Kommunen politisch aktiv seien. Dies sei aber gesetzlich geregelt.

"Der Fall Laurenz Meyer scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein", sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. Nun stünden alle Politiker im Zwielicht, die Geld von Unternehmen beziehen, die gegen das Fördern umweltfreundlicher Stromerzeugung sind. "Das Reden von überteuerten Energien aus Wind, Sonne oder Biomasse, das Anprangern einer angeblichen Verspargelung der Landschaft mit Rotoren, das Herbeireden einer fiktiven Atomrenaissance - all dies könnte auch Handeln nach dem Motto 'Wes Brot ich ess, des Lied ich sing' sein." Einige der der politischen Landschaftspflege verdächtigen Firmen hätten jahrelang Stimmung gegen eine umweltfreundlichere Energieerzeugung gemacht und dabei immer wieder auch Unterstützung von Politikern erhalten.

Um die Unabhängigkeit bei politischen Entscheidungen herzustellen, müsse der Verfilzung aller Parteien mit der Industrie Einhalt geboten werden, forderte Zahrnt. Erste Maßnahme dafür sei die transparente Darstellung sämtlicher Zuwendungen auf den Internetseiten von Abgeordneten und Spitzenpolitikern.

Auch der CDU-Bundesvize Christoph Böhr forderte mehr Transparenz bei den Nebeneinkünften von Politikern. "Wir müssen irgendwann einmal, und zwar ohne dass ein Einzelfall uns dazu zwingt, klären, wie das Beziehungsverhältnis zwischen Wirtschaft und Politik aussieht", sagte der rheinland-pfälzische CDU-Landeschef. Bislang kläre jeder Politiker für sich, wie er damit umgehe. Reine Ehrenkodices reichten aber nicht aus. Es müsse vielmehr eine "völlige Transparenz" in finanziellen Dingen geben, forderte Böhr.

Böhr sagte weiter, es müsse einem Politiker grundsätzlich möglich sein, ein Standbein in der Wirtschaft zu behalten, soweit sein Arbeitspensum es gestatte. Einem Unternehmer sei allerdings nicht zuzumuten, seine Bilanz "auf dem Markt bekannt zu geben", sagte er. "Aber wenn ich meine Arbeitskraft noch teilweise einem Unternehmen zur Verfügung stelle, dann hat die Öffentlichkeit schon ein Recht darauf zu erfahren, was ich dafür bekomme", betonte der CDU-Politiker. Im Fall von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer lägen nun alle Fakten auf dem Tisch, damit sei die Sache beendet.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!