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"Alternativer Waldschadensbericht" prangert Verbraucher, Banken und Politik an

Globale Waldschäden

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Waldzustandsberichts der Bundesregierung stellten die Umweltorganisationen Urgewald und ARA einen "Alternativen Waldschadensbericht" vor. Sie bemängeln, dass die Schäden, die Deutschland an den Wäldern in anderen Ländern der Erde hervorrufe, in die Analysen der Bundesregierung nicht eingingen. Diese Lücke soll der Alternative Waldschadensbericht schließen, indem er die Folgen "des deutschen Konsums, der deutschen Finanzierung und der deutschen Politik" für die Wälder weltweit exemplarisch untersucht. Der Bericht enthält Recherchen vom Baum zum Produkt, vom deutschen Geldgeber zur Waldvernichtung und eine aktuelle Analyse der deutschen Entwicklungspolitik im Bereich Wald.

In kaum einem Rohstoffsektor sei die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten so gravierend gestiegen wie im Papierbereich, schreiben die Umweltverbände. "Deutschland ist weltweit der viertgrößte Verbraucher für Papier. Wir verbrauchen mehr Papier pro Jahr als Afrika und Südamerika zusammen," hob Lydia Bartz von Urgewald hervor.

Aus insgesamt 130 Ländern gelange Papier und Zellstoff nach Deutschland. Allein für die deutschen Papier- und Zellstoffimporte würde weltweit jährlich eine Fläche von rund 590.000 Hektar Wald - doppelt so groß wie das Saarland - gerodet. Der Zellstoff für Deutschland stamme aber nicht nur aus Natur- und Wirtschaftswäldern, sondern zunehmend auch aus schnellwüchsigen Plantagen.

Die Produktion des "Wegwerfproduktes" Papier hat nach Auffassung der Verbände für Mensch und Natur in den Lieferregionen gravierende Folgen: Urwälder würden zerstört und große Landflächen für schnellwüchsige Zellstoffplantagen vereinnahmt. Oft würden die Rechte der lokalen und indigenen Bevölkerung missachtet, Böden und Gewässer verschmutzt und artenreiche Ökosysteme durch Monokulturen ersetzt.

Die Verbände fordern, dass Verbraucher, Handel und Papierindustrie auf eine Reduzierung des Papierverbrauchs in Deutschland hinarbeiten und verstärkt umweltfreundliches Recyclingpapier anbieten und nutzen. "Sie dürfen keinen Zellstoff aus Quellen beziehen, dessen Produktion zu ökologischen oder sozialen Problemen führt," meint Heffa Schücking von Urgewald. "Deutsche Banken, wie Dresdener Bank, Deutsche Bank oder WestLB, die Kredite für Zellstoff- und Papierunternehmen vergeben, müssen sich auf Umwelt- und Sozialstandards festlegen, die die Finanzierung von Urwaldzerstörung und Landrechtsverletzungen ausschließen."

Auch die deutsche Entwicklungspolitik wird von den Verbänden kritisch gesehen: Über Jahrzehnte habe die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Waldbereich vor allem Naturwälder in Nutzwälder umgewandelt. Änderung habe das 2002 verabschiedete Sektorkonzept "Wald und nachhaltige Entwicklung" versprochen. Ergebnis nach Einschätzung der Umweltschützer: "Gut drei Jahre später ist eine verbindliche Festlegung auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und eine größere Beteiligung der von Projekten Betroffenen nicht festzustellen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Waldsektor scheint wenig engagiert und oft ideenlos," kritisiert Wolfgang Kuhlmann von ARA.

Dagegen engagiere sich Deutschland zunehmend in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit und stimme auch ökologisch und sozial problematischen Weltbankprojekten zu. Auch Hermesbürgschaften, die zu Waldzerstörung führen, erhielten bis heute die Zustimmung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), obwohl sie nach Auffassung der Verbände den Vorgaben des Waldsektorkonzeptes widersprechen.

Deutschlands politisches Engagement für den globalen Waldschutz sei extrem lückenhaft. Fast ein Drittel der europäischen Holzeinfuhren stamme aus illegalem Handel, der zu den wichtigsten Zerstörungsursachen für Naturwälder weltweit zähle. Die Verbände fodern, dass die neue Bundesregierung das Urwaldschutzgesetz, das vom Umweltministerium der Vorgänger-Regierung vorgelegt wurde, weiterverfolgt wird.

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