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Umweltschützer fürchten Artensterben für Getränkedosen

Mit Finanzierung deutscher Banken

Ein gigantischer Staudamm soll 3.000 Quadratkilometer unersetzlicher Naturlandschaften in Island zerstören, um Strom für eine Aluminiumfabrik zu liefern. Die Deutsche Bank, die Deutsche Postbank und zwei staatliche deutsche Landesbanken ermöglichen das Bauvorhaben durch Millionenkredite. Das berichtet die Umweltorganisation Urgewald. Das geplante Wasserkraftwerk Karahnjukar solle zwei Flüsse im unberührten Hochland Islands umleiten und stauen. Aus neun Dämmen, drei Stauseen sowie mehreren Kanälen und Tunneln solle der Bau bestehen. Karahnjukar bedrohe den Lebensraum von Rentieren, Seehunden, Kurzschnabelgänsen und Lachsen im zweitgrößten Wildnisgebiet Europas, so die Umweltschützer. Der Staudamm werde 1,1 Milliarden Dollar kosten und Strom für ein Aluminumschmelzwerk erzeugen. Zahlreiche Umweltorganisationen kritisierten die Finanzierung als "absolut unverantwortlich".

Ein internationales Bankenkonsortium habe der isländischen Kraftwerkgesellschaft am 9. Juli den entscheidenden Kredit über 400 Millionen Dollar erteilt, der den umstrittenen Großstaudamm Karahnjukar im isländischen Hochland ermöglichen soll. Die geplante Leistung des Wasserkraftwerks von 630 Megawatt sei fast ausschließlich für eine Aluminiumfabrik bestimmt, die der US-amerikanische Konzern Alcoa auf Island errichten wolle. Alcoa stelle jährlich Aluminium für 100 Milliarden Getränkedosen her.

Für die Stromversorgung der isländischen Bevölkerung sei das Kraftwerk überflüssig. Rohstoffe für die Aluminium-Produktion gebe es auf Island nicht. Sie sollten aus aller Welt nach Island verschifft werden. Dies berichten das International Rivers Network in Berkeley, Kalifornien, der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre in Köln und dessen Mitgliedsorganisation Urgewald in Sassenberg.

Das Finanzierungskonsortium setze sich neben einigen regionalen vor allem aus Banken zusammen, die bisher nicht die UNEP-Erklärung von Banken zu Umweltfragen unterzeichnet haben. Neben französischen Banken übernehmen vier deutsche Banken mit insgesamt 69 Millionen Dollar den größten Anteil der Finanzierung. Dabei handele es sich um die Landesbank Baden-Württemberg (25 Millionen), die Deutsche Postbank und die Norddeutsche Landesbank Girozentrale (je 17 Millionen) sowie die Deutsche Bank (10 Millionen). Die Commerzbank habe sich ebenfalls zur Finanzierung des Karahnjukar-Projekts bereit erklärt.

"Gegenwärtig besteht ein Überangebot an Aluminium", berichtet Maren Jung von der Umweltorganisation Urgewald. Auch für die Zukunft sei es sinnvoller, das Aluminiumrecycling in Europa zu verstärken, als die letzten Reste unberührter Natur unter Wasser zu setzen.

"Uns ist vollkommen unverständlich, dass öffentlich-rechtliche Institutionen wie die beiden Landesbanken, aber auch die Deutsche Postbank AG, das Geld ihrer Kunden dazu missbrauchen, Umweltzerstörung in Island zu finanzieren," beklagt auch Henry Mathews, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Umweltschützer kritisieren besonders die Beteiligung der Deutschen Bank. Noch in ihrem letzten Nachhaltigkeitsbericht habe die Bank behauptet, bei allen Großprojekten durch eine Umweltverträglichkeitsprüfung sicherzustellen, dass sie "den Richtlinien internationaler Organisationen wie der UN und der Weltbank" entsprechen. Das Karahnjukar-Projekt verletze jedoch die Umweltrichtlinien der Weltbank in vier wesentlichen Punkten. "Die Deutsche Bank gibt sich in der Öffentlichkeit gerne umweltbewusst und präsidiert gegenwärtig sogar den Bankenausschuss der UNEP. Entgegen dieser Lippenbekenntnisse finanziert die Deutsche Bank beispielsweise den Großkonzern 'Asia Pulp & Paper', der durch illegalen Holzeinschlag zur Zerstörung der letzten artenreichen Regenwälder in Indonesien beiträgt, und nun auch noch das Projekt in Island," kritisiert Peter Bosshard vom International Rivers Network in Kalifornien.

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