"Nachhilfe in Demokratie"

Chemieriese Bayer soll Greenpeace-Website gesperrt haben

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft dem Agrar- und Pharmakonzern Bayer vor, "ohne rechtliche Befugnis" die Greenpeace-Website www.einkaufsnetz.org habe sperren lassen. Nach Darstellung von Greenpeace ließ der Agrar-Konzern über den Internet-Provider, auf dessen Computern das Internet-Angebot betrieben wird, die Website am Abend des 30. Oktober sperren. Bayer habe die Sperrung unter Verweis auf das Verschicken von Spam-Mails erwirkt. Der Provider, ein kleiner mittelständischer Betrieb, wurde laut Greenpeace so unter Druck gesetzt, dass die Seite abgeschaltet wurde. Greenpeace wurde eigenen Angaben zufolge "von keiner Seite über diesen Vorgang informiert". Hintergrund der Sperrung war offenbar, dass hunderte Marktaktivisten tagsüber Protestmails über die Website von Greenpeace verschickt hatten. Bayer wurde mit den Mails aufgefordert, aus dem Geschäft mit Gen-Reis auszusteigen.

"Bürger konnten ihren Protest gegen die Zulassung des Gen-Reises als Nahrungsmittel in Europa an den Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG, Werner Wenning, mailen", so Greenpeace zur Erläuterung der Aktion. Schon nach wenigen Stunden hätten "hunderte von Cyberaktivisten" Protest-Mails verschickt.

"Statt die Ablehnung der Verbraucher gegen Gen-Reis ernst zu nehmen, nutzt die Bayer AG ihre Macht, um die Website sperren zu lassen", kritisiert die Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel. "Offensichtlich benötigt die Bayer AG dringend Nachhilfe in Sachen Demokratieverständnis. Es existiert keine rechtliche Grundlage für die Sperrung einer unliebsamen Website", so der Umweltverband.

Greenpeace hatte im September illegalen Gen-Reis der Bayer AG bei Aldi Nord gefunden. Inzwischen haben auch die staatlichen Behörden in mindestens 45 Proben illegalen Gen-Reis nachgewiesen. Der Gen-Reis, der keine Zulassung für Anbau und Verzehr hat, breitete sich laut Greenpeace auch "unkontrolliert in herkömmlichen Reis aus". Statt aus "diesem Skandal" eine Lehre zu ziehen, wolle die Bayer AG jetzt eine Zulassung für Gen-Reis in Europa durchsetzen, kritisieren die Umweltschützer.

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