Nach Afghanistan-Anschlag

Immer mehr Zeitsoldaten wollen angeblich Dienst quittieren

Medienberichten zufolge wollen immer mehr Zeitsoldaten wegen der schwierigen Lage in Afghanistan ihren Dienst quittieren. Nach Informationen der "Rheinischen Post" verlassen rund zehn Prozent aller Offiziersanwärter die Bundeswehr bereits wieder vor dem eigentlichen Beginn ihrer Karriere. Immer häufiger werde in letzter Zeit der Afghanistan-Einsatz als eine Begründung genannt, berichtet die Zeitung aus Offizierskreisen. Die zunehmende Gefährlichkeit des Afghanistan-Einsatz ist nach Ansicht des Bundeswehrverbandes auch ein Grund für den eklatanten Bewerbermangel bei der Truppe. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Vizechef Ulrich Kirsch, "bei Unteroffizieren und Mannschaften ist die Zahl der Anwärter im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent gesunken". Zwar bekomme ein Soldat in Afghanistan 92,03 Euro steuerfreien Zuschlag pro Tag "aber Bezahlung ist eben nicht alles", sagte Kirsch. Der erneute Anschlag auf Bundeswehrsoldaten zeige, dass Tod und Verwundung Teil des Einsatzes am Hindukusch seien.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat dies am Donnerstag (28. August) bestritten. Dies sei "völlig falsch", sagte Jung bei einem Besuch im Zentrum Operative Information im rheinland-pfälzischen Mayen. Die "Moral" in der Truppe sei trotz des jüngsten Anschlags in Kundus gut, behauptete der Minister.

Zum Schutz der deutschen Soldaten werde das Größtmöglichste getan, betonte der Minister. So seien die in Afghanistan eingesetzten Fahrzeuge gegen ferngezündete Minen gut gesichert. Jedoch sei der Sprengsatz vom Mittwoch im Norden Afghanistans nicht elektronisch, sondern mit einem Draht ausgelöst worden.

Rühe kritisiert Darstellung des Afghanistan-Einsatzes

Nach dem schwersten Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan in diesem Jahr kritisiert der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) die Bundesregierung. Man brauche "ein ungeschminktes Bild der Lage in Afghanistan, und das hat die Bundesregierung nach meiner Einschätzung nicht vermittelt", sagte Rühe am Donnerstag auf NDR Info. Sie stelle "viel zu einseitig einen speziellen deutschen Einsatz als eine Art bewaffnete Entwicklungshilfe im Norden Afghanistans dar".

Bei einem Attentat nahe der nordafghanischen Stadt Kundus waren am Mittwoch ein Bundeswehrsoldat ums Leben gekommen und drei weitere leicht verletzt worden. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban, wie "Spiegel Online" unter Berufung auf ein Telefonat mit Taliban-Sprecher Zabiullah Mojaheed berichtete.

Rühe sagte, er fürchte, dass auch Nordafghanistan immer mehr zu einem Teil der kriegerischen Auseinandersetzungen werde. Er verlangte eine "konkrete Zielsetzung auch gegenüber den Afghanen, wie lange für welche Ziele genau die Bündnispartner dort tätig sind". Die NATO müsse "erreichbare Ziele setzen, die auch mit unserer eigenen Sicherheit in erster Linie verbunden sind".

Die Bundesrepublik könne darauf aber nur Einfluss nehmen, wenn sie ein "solidarischer NATO-Partner ist", fügte der CDU-Politiker hinzu. Nach seinem Eindruck habe das Wort Deutschlands in den vergangenen Jahren zu wenig Gewicht gehabt, "weil wir uns separat verhalten haben und getan haben, als ob wir eine hartbewaffnete Entwicklungshilfe im Norden durchführen, im Unterschied zu den anderen NATO-Nationen".

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