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Volkswagen: Das Beispiel für die CSR-Lüge

VW - Die dunkle Macht

Volkswagen - mehr Schein als sein. Oliver Rückmann über die CSR Lügen VW entpuppt sich als einer der skrupellosen Greenwashing-Vertreter der deutschen Großindustrie. Nicht nur die Greenpeace-Kampagne, die den CO2-Ausstoß eines der größten Autobauer der Welt als die "dunkle Seite" in Anlehnung an Star Wars brandmarkt, steht hierfür Zeuge. Auch die Rückständigkeit in der Elektromobilität und die generelle Konzernpolitik zeigen deutlich, wie wenig sich hinter dem nach Außen getragenen Engagement für Klima und Umwelt verbirgt. Aber ist es wirklich realistisch, von einem auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Konzern zu erwarten, dass er auf satte Gewinne freiwillig verzichtet, um der Menschheit und unserem Planeten etwas Gutes zu tun?

Wenn man sich auf der Internet-Seite des Volkswagen Konzerns das aufwändige Image-Video zum Thema Nachhaltigkeit ansieht, bekommt man unwillkürlich den Eindruck, der Automobilhersteller sei ernsthaft daran interessiert aus dieser Welt einen besseren Ort zu machen. Nicht nur Klima- und Umweltschutz, sondern das Schaffen besserer Arbeits- und Sozialbedingungen, die Förderung von Frauen und Benachteiligter in aller Welt werden da thematisiert. Corporate Social Responsibility – CSR. Die Forschung zielt (vermeintlich nur) darauf ab, so schnell wie möglich die Mobilität nachhaltig und ressourcenschonend zu gestalten. In Zusammenarbeit mit Lichtblick und der Umweltorganisation NABU. Schlagworte wie Vertrauen, Ökologie und Umwelt werden durch wunderschöne Bilder effektvoll inszeniert.

"Volkswagen handelt mit Blick auf die Zukunft und ist sich seiner Verantwortung für die Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt bewusst" ist da zu lesen. Sehr gelungen.

Aber wie sieht die Realität aus?

In jedem Fall anders. Klickt man auf die Startseite des VW Internet-Auftritts, wetteifert dort das im Genfer Salon vorgestellte Cross Coupé, das einen Durchschnittsverbrauch von 1,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer aufzuweisen hat, unter anderem mit dem neuesten Beetle Modell, das seinerseits (je nach Variante) durchschnittlich 5,4 - 7,7 Liter auf 100 Kilometern braucht. Wobei Ersteres ganz sicher nicht für den Geldbeutel eines Ottonormalverbrauchers erschwinglich sein wird. Und wer jetzt argumentiert, die Verbrauchszahlen eine Cross Coupé seien doch bereits innovativ und annehmbar, übersieht, dass die Konzernstrategie immer nur in dem Maße nachhaltig gestaltet wird, wie es der Markt fordert. Auch die Greenpeace-Information, der VW-Konzern gebe jährlich Millionen von Euro dafür aus, durch intensive Lobby-Arbeit Klima- und Umweltschutzziele mit Nachdruck zu verhindern, sprechen eine deutliche Sprache. Die Politik eines börsendotierten Unternehmens, die sich allem voran am Shareholder Value zu orientieren und im Quartalsrhythmus Gewinne zu erbringen hat, sind Werte, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Bereits in den 1990er Jahren hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Daniel Goedevert versucht, den Konzern dahin zu lenken, sich auf dem Gebiet der Elektromobilität zu engagieren und zu forschen. Er hatte schon zu dieser Zeit die Vision, Marktführer in diesem Segment zu werden. Aber er wurde besonders von seinen Vorstandskollegen und den Ingenieuren völlig ausgebremst. Diese und ähnliche innovative Visionen, mit denen er ebenfalls nicht durchkam, waren dann auch der Grund, warum er sich aus der Automobilbranche zurückzog, wie er selbst in seiner eindrucksvollen Autobiografie "Wie ein Vogel im Aquarium" beschreibt.

Daraus folgt, dass Nachhaltigkeit keine Haltung des VW-Konzerns, sondern ein Geschäftsfeld ist. Was aber heißt das für die Forderung einer Organisation wie Greenpeace nach mehr Nachhaltigkeit?

Zum einen, dass es selbst innovativen Vordenkern wie Goedevert nicht gelingt, Entwicklungen zu beschleunigen, solange es der Markt nicht fordert. Also dass, selbst wenn der Wille vereinzelt vorhanden ist, einer Umsetzung eine Reihe von Faktoren im Weg stehen. Selbst dann, wenn der Willige sich in der Position eines Vorstandsvorsitzenden befindet. Aber viel wichtiger ist, dass dieser Umstand die Macht und damit auch die Verantwortung des Marktes ausdrückt - also unsere Macht und Verantwortung, die der Konsumenten.

Solange es Menschen gibt, die sich keine Gedanken darüber machen wollen, was sie mit einem Auto anrichten, das Benzin oder Diesel benötigt, werden die Anbieter weiter jede Form von Fahrzeug produzieren. Die Käufer von Hbyrid-Lösungen sind nach wie vor, trotz rasant steigender Spritpreise, die absolute Ausnahme. Reine Elektroautos sind noch seltener. Autos müssen bullig und mit viel PS ausgestattet sein. Weil es Spaß macht, oder? Es macht eben Spaß die Welt zu zerstören, in der wir alle Leben.

Selbstredend ist eine opportunistische Haltung, wie die des VW-Konzerns, moralisch völlig verwerflich. Sich selbst als klima-, umwelt- und gesellschaftsbewusst zu bezeichnen und Autos zu bauen, die genau das nicht sind, darüber hinaus sogar Klima- und Umweltschutzziele nachdrücklich zu sabotieren, ist ein Ausdruck der kognitiven Dissonanz, die ich in meinem Buch beschreibe. Aber wen wundert das, wenn man bedenkt, dass ein solcher Konzern auch nur von Menschen, die ihrerseits Konsumenten sind, geleitet und mit Leben gefüllt wird? Was mit den Ausnahmen passiert, die andere Konzepte durchzusetzen versuchen, zeigt der Fall Goedevert anschaulich. Vor allem aber kann der VW-Konzern nur so erfolgreich sein, weil es weltweit Millionen von Menschen gibt, die seine Produkte kaufen. Kaufen, ohne sich für Konsequenzen, welcher Art auch immer, zu interessieren. Ist nicht Kaufen das Privileg unserer Wohlstandsgesellschaft? Schauen wir nicht spöttisch auf diejenigen herab, die sich nicht mindestens alle drei Jahre einen Neuwagen vor die Tür stellen – geleast oder auf Pump?

Dass Greenpeace in seiner Kampagne wettert, der Konzern würde an der Klimaschutztechnologie Geld verdienen und solle diese serienmäßig in seine Modelle ohne Aufpreis einbauen, geht am Thema vorbei. Würden die Kunden diese Forderung stellen, hätte das ganz sicher eine andere Wirkung. Aber die Kunden interessiert das im besten Fall wenig. Im Normalfall kein bisschen. Zumal die Kampagne wie immer nur auf das CO2 abzielt. Dass es daneben noch eine Menge anderer, nicht minder wichtiger Schadstoffe gibt, die von spritbetriebenen Fahrzeugen emittiert werden, ist offenbar keine Silbe wert.

Dabei ist es genau dieser Punkt, für den ein VW-Konzern zuständig ist. Denn diese CO2 Schadstoffe fallen nicht nur in erheblichem Maße durch das Fahren des fertigen Autos an. Sie entstehen in nicht minder erheblichem Maße während des Entstehungsprozesses und der Fertigung der Fahrzeuge. Optimierungen in diesem Bereich zielen in der Regel ausschließlich auf die Kosten ab. Werden dabei Schadstoffe reduziert, wird das wohlwollend in Kauf genommen und werbeträchtig in zum Beispiel einem schicken Image-Video ausgeschlachtet. So funktioniert unsere Marktwirtschaft. Die Forderung, Klimaschutztechnologie serienmäßig einzubauen, ist der Aufruf dazu, ein Symptom zu verändern, ohne - wie üblich – dabei die Ursache auch nur zu berühren.

Würde der Konsument endlich seine Macht und seine Verantwortung entdecken, wäre ein Konzern wie VW gezwungen, seine Strategie zu ändern. Darin steckt eine riesige Chance. Es bleibt abzuwarten, wann sie ergriffen wird.

Oliver Rückemann

Seit mehr als 11 Jahren freier Berater - Autor des Buches "Ökolution 4.0 - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Imperative in Zeiten ökologischer und ökonomischer Krisen"

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