Im bayerischen Einzelhandel erste Streiks

Tarifverhandlungen

Mit Warnstreiks in der Oberpfalz haben Beschäftigte des bayerischen Einzelhandels am Montag ihrer Forderung nach deutlichen Lohnerhöhungen Nachdruck verliehen. Ab 6 Uhr wurde ein Lager der Discount-Kette Norma in Regenstauf bestreikt, so dass über 100 Filialen in der Oberpfalz und in Niederbayern nicht beliefert werden konnten. Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in München mitteilte, beteiligten sich fast alle der rund 50 Beschäftigten in dem Lager an dem Warnstreik. Die Aktionen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Ein Gewerkschaftssprecher versicherte zugleich, dass aus Rücksicht auf die Verbraucher nicht flächendeckend gestreikt werde. "Gezielte Nadelstiche" sollen die Arbeitgeber treffen.

Arbeitgeber wie Norma, die nicht Mitglied im bayerischen Arbeitgeberverband seien, sollen nach Gewerkschaftsangaben im Tarifstreit besonders ins Visier genommen werden. Der Regensburger ver.di-Geschäftsführer Frank Leibig sagte: "Wir wollen von Norma einen Anerkennungstarifvertrag, der unseren Mitgliedern die Anwendung aller Tarifverträge und die Umsetzung von Lohnerhöhungen im bayerischen Einzelhandel rechtlich verbindlich zusichert."

Konkret gefordert werden 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 100 Euro. Außerdem verlangen die Streikenden "gleiches Geld für gleiche Tätigkeit und Leistung und damit endlich ein Ende der Lohndiskriminierung für Beschäftigte in ländlichen Regionen". Das bestreikte Norma-Lager sei vor anderthalb Jahren von Regensburg nach Regenstauf verlegt worden. Dort sei eine Bezahlung von 140 Mark monatlich weniger vorgesehen.

Im Verlauf der Woche sind Protestaktionen, Urabstimmungen und Arbeitsniederlegungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland geplant. Bereits in den zurückliegenden Wochen war es in Niedersachsen in 30 Betrieben zu Arbeitsniederlegungen, Warnstreiks und Protestveranstaltungen gekommen. Daran beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben über 2.500 Beschäftigte des Einzelhandels. Die Verhandlungen werden regional in 16 Tarifbezirken geführt, die mit den jeweiligen Bundesländern identisch sind.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) reagierte mit Kritik auf die von ver.di angekündigten Streiks. Die Forderung von ver.di nach Einkommenssteigerungen von 5,5 Prozent sei "völlig überzogen". Ein Tarifabschluss müsse sich "ganz klar unterhalb des Produktivitätszuwachses bewegen", sagte Pellengahr. Dieser liege im Einzelhandel bei 1,5 Prozent.