Kunsthalle sucht nach Nazi-Raub-Kunst

Hamburg

Zur Ermittlung von so genannter "Raub-Kunst" der Nationalsozialisten lässt die Hamburger Kunsthalle derzeit die Herkunft ihrer Bestände prüfen. Von der Aktion betroffen sind Kunstwerke, die vor 1933 entstanden oder nach 1933 in den Besitz der Sammlung gelangten, wie Kunsthallendirektor Uwe Schneede am Dienstag in Hamburg sagte. Wenn die Herkunft eines Kunstwerks nicht eindeutig ist, wird ermittelt, ob es sich dabei um "NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut" handelt. Die Herkunft von 60 Gemälden sei bislang als unbedenklich eingestuft worden, sagte Schneede. Weitere 770 Gemälde stünden noch zur Bearbeitung an. Ebenso sollen Skulpturen, Münzen, Medaillen sowie die Werke im Kupferstichkabinett untersucht werden.

Für den Fall, dass Kunstwerke als "Raub-Kunst" identifiziert werden, müssen die Vorkriegseigentümer oder ihre Erben ermittelt werden. Konkrete Richtlinien etwa für die Rückgabe der Werke oder finanzielle Entschädigungen gebe es bisher nicht. "Wir werden uns auf jeden Fall bemühen, faire Lösungen zu finden", betonte Schneede.

Werke, deren Herkunft nicht lückenlos geklärt werden kann, sollen ab Januar 2002 im Internet veröffentlicht werden. Die Hamburger Kunsthalle bereitet zudem vom 20. bis 22. Februar 2002 eine Fachtagung mit der Kulturstiftung der Länder, dem deutschen Städtetag und der Koordinierungsstelle für Kulturverluste in Magdeburg vor. Dort soll der bundesweite Stand der Forschungsarbeiten zusammengetragen werden.

Bundestag, Länder und Kommunen hatten 1999 das Washingtoner Abkommen bestätigt. In den "Principles on Nazi-Confiscated Art" legten zahlreiche Länder, darunter Deutschland, in elf Punkten einen Kodex zum Umgang mit von Nazis beschlagnahmten Artefakten fest. Die Unterzeichner verpflichteten sich, die Identifizierung der Kunstwerke mit allen nötigen Mitteln möglich zu machen.

Neben Hamburg haben fünf weitere deutsche Kunstmuseen mit der Herkunftsforschung ihres Besitzes begonnen. Auch in München, Stuttgart, Dresden und Köln wurden wissenschaftliche Stellen zu diesem Zweck eingerichtet.