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Bundesweite ökumenische "Woche für das Leben"

Kirchen gegen Genselektion

Die beiden großen Kirchen warnen vor den Gefahren der Biotechnologie für die Würde des menschlichen Lebens. Zur Eröffnung der ökumenischen Woche für das Leben wandten sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, am Samstag in Erfurt gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) und den Import embryonaler Stammzellen.

Lehmann kritisierte in seiner Predigt im Hohen Dom zu Erfurt, bei der Präimplantationsdiagnostik als "Schwangerschaft auf Probe" werde ausgewählt, was lebenswert ist, und aussortiert, was weniger oder gar nicht lebenswert ist". Auch wenn die Auslese in einem ganz frühen Stadium des Embryos erfolge, handle es sich um "individuelles menschliches Leben, das auch einen eigenen Schutzanspruch hat". Die "Selektion" lasse sich nicht dadurch rechtfertigen, dass sie erbliche Behinderungen verhüten würde. Nicht die Behinderung würde ausgemerzt, sondern "der Träger, der Mensch ist", fügte der Kardinal hinzu.

Nach den Worten von Kock kann nur eine Gesellschaft, die menschliches Leben von Anfang an schützt, die Basis ihres Zusammenlebens sichern. Jedes menschliche Leben, das vor einer Implantation aussortiert und zerstört werde, weil "seine Genstruktur nicht den Erwartungen entspricht, ist ein Stich in das moralische Herz unserer Gesellschaft".

Kock bedauerte ferner die Entscheidung des Bundestages zum Stammzellenimport. Die beiden Kirchen hofften aber darauf, dass die strikten Begrenzungen im Gesetzgebungsverfahren nicht aufgeweicht werden. Lehmann wies den Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit der Kirchen zurück. Die Auffassung, ethische Einwendungen gegen das Machbare seien Rückschritt, sei falsch. "Fortschritt muss auch morgen noch Fortschritt sein", sagte Lehmann. Ohne den Beitrag der Kirchen hätte die Diskussion um den Stammzellenimport nie die jetzige Ernsthaftigkeit gehabt.

Beide Kirchenvertreter sprachen sich außerdem für eine Überprüfung des Abtreibungsrechts aus. "In absehbarer Zeit" müsse das 1995 beschlossene Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch daraufhin überprüft werden, ob das Ziel des besseren Lebensschutzes auch tatsächlich erreicht wurde, sagte Kock. Die jüngsten statistischen Angaben über die Zunahme der Zahl von Abtreibungen spreche eher dagegen. Lehmann sagte, es lasse sich angesichts der "aktuellen bioethischen Konstellation" nicht vermeiden, auf Paragraf 218 zurückzukommen.

Die von der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland organisierte Woche steht in diesem Jahr unter dem Leitsatz "Von Anfang an das Leben wählen statt auswählen". Damit wollen die beiden großen Kirchen einen breiten gesellschaftlichen Disput über den Schutz des Lebens initiieren und auf die Unantastbarkeit und Unteilbarkeit der Würde des Menschen aufmerksam machen.