WWF fordert konsequente Umsetzung der EU Wasserrahmenrichtlinie

Lehren aus dem Hochwasser

Der WWF fordert ein Umdenken beim Hochwasserschutz in Europa. Die neue EU Wasserrahmenrichtlinie sei zwar auf dem richtigen Weg, weil sie festlege, dass bei der Bewirtschaftung von Flüssen das gesamte Einzugsgebiet betrachtet werden müsse, doch bei der Umsetzung hapere es. Entscheidend sei, Hochwasserschutz, Verkehrs-, Bau- und Agrarpolitik eng miteinander zu vernetzen.

Bislang habe man die Kleinstaaterei und das falsche Vertrauen in technische Lösungen beim Hochwasserschutz noch nicht überwunden, bemängelt die Naturschutzorganisation. Die Anrainerstaaten grenzüberschreitender Flüsse müssten umgehend ihrer internationalen Verpflichtung nachkommen und natürliche Überschwemmungsflächen sichern und zurück gewinnen, um so mit einer Art "ökologischer Hochwasserbremse" die Ausmaße künftiger Fluten für sich und ihre Nachbarn zu lindern.

Der neue europäische Solidaritätsfonds dürfe nach Einschätzung des WWF auf keinen Fall dazu verwendet werden, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Als Sofortmaßnahmen nach der Flut sei es zwar sinnvoll, die gebrochenen Deiche zunächst zu reparieren, allerdings sollte man die kurzfristigen Reparaturen zwingend an die Umsetzung nachhaltiger Schutzmaßnahmen koppeln. Dazu gehöre z.B. die Rückgewinnung natürlicher Überflutungsflächen. "Mit den Deichen wachsen die Flutwellen, deshalb funktioniert ein wirksamer Hochwasserschutz nur mit, nicht gegen die Natur", betont Georg Rast vom WWF-Auen-Institut.

An der Elbe seien rund 80 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen verloren gegangen. Diese Entwicklung lasse sich zwar nicht rückgängig machen, doch das Verbesserungspotenzial sei längst nicht ausgeschöpft. "In Sachsen-Anhalt liegen bereits Konzepte in der Schublade, mit denen sich mindestens 10.000 Hektar zusätzlicher Überflutungsflächen entlang der Elbe gewinnen lassen. In Brandenburg sind ebenfalls erhebliche Potenziale vorhanden", berichtet der WWF-Wissenschaftler. In Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen sieht der WWF vor allem an den Zuflüssen der Elbe Handlungsmöglichkeiten, um die Hochwasserspitzen spürbar zu kappen. Hier wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Gebiete für die Landwirtschaft trocken gelegt.

Hochwasserschutz im Flachland müsse nach Einschätzung der Naturschützer mit Maßnahmen im Quellgebiet Hand in Hand gehen. Das heißt: Umstellung der Landwirtschaft, Rücknahme der Bebauung in Flußnähe und Gewässerrenaturierung in den Mittelgebirgen. Die Elbe ist kein Einzelfall. An den anderen europäischen Flüssen sieht es ähnlich aus. Der WWF fordert deshalb ein Umdenken in der EU.

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie könne nur funktionieren, wenn Hochwasserschutz, Landwirtschafts- und Verkehrspolitik integriert betrachtet werde. Zahlreiche Vorhaben beim Ausbau von Wasserstraßen z.B. an Donau, Elbe und Oder seien nicht nur ökologisch schädlich und ökonomisch fragwürdig, sondern auch im Hinblick auf den Hochwasserschutz kontraproduktiv. Die Verbauung des Rhein sei ein abschreckendes Beispiel, wie es künftig nicht mehr laufen darf.