Umweltengagement befreit aus Einsamkeitsfalle

Kinder

Fast die Hälfte aller Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren hat Schwierigkeiten, Freunde zu finden und soziale Kontakte aufzubauen. Stattdessen verbringt über ein Drittel der deutschen Grundschulkinder viel Zeit alleine und muss seine Freizeit selbstständig gestalten. So lautet das erschreckende Ergebnis der aktuellen Umfrage "Kinder sind einsam!" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), bei der mehr als 2.000 Eltern und Grundschullehrer vom Hamburger Meinungsforschungsinstitut GEWIS befragt wurden. Kinderfernsehen setzt nun verstärkt Akzente auf Umwelt-Sendungen, die Kinder animieren, sich für die Umwelt zu engagieren.

"Die betroffenen Kinder sitzen in einer Einsamkeitsfalle" sagt Judith Perez, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der DBU. "Ihre Eltern haben wenig Zeit und für viele wird es immer schwieriger, im unmittelbaren Umfeld Freunde zu finden." Die Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung sind tief greifend. "Eine Auseinandersetzung mit ihren Problemen, Ideen und Wünschen findet kaum statt. Und durch den mangelnden Umgang mit anderen werden wichtige soziale Schlüsselqualifikationen nur noch rudimentär ausgebildet. Teamfähigkeit, soziales Engagement und Kreativität bleiben so auf der Strecke."

Eine weitere Konsequenz der Vereinsamung: Die jungen Betroffenen konsumieren immer unkontrollierter und unreflektierter. Auch dies belegt die Umfrage "Kinder sind einsam!" mit deutlichen Zahlen. Nach Einschätzung der Eltern nutzen zwei Drittel der Kinder in ihrer Freizeit vorzugsweise das Fernsehen zur Information und Unterhaltung. Gut ein Viertel sitzt am liebsten vor dem Computer, anstatt mit Gleichaltrigen etwas zu unternehmen.

Dass es aber auch anders geht, zeigt das Beispiel "Graslöwen TV" ­ eine Initiative von DBU und KI.KA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Sie wurde im Jahr 1999 ins Leben gerufen und unterstützt die Entwicklung von Fernsehformaten, die kindgerecht, attraktiv und gleichzeitig anspruchsvoll Umweltthemen umsetzen. Im Mittelpunkt aller TV-Beiträge stehen Charaktere, die sich zusammen mit Freunden für die Umwelt stark machen und die Kinder am Bildschirm motivieren sollen, selbst aktiv zu werden. Verschiedene Umwelt-Sendungen und Öko-Kinderspielshows wurden bereits ausgestrahlt.

Am 12. April 2003 ging auf dem KI.KA die siebenteilige Umweltserie "Die Graslöwen" als erste von vier großen TV-Produktionen auf Sendung. Bei den jungen Zuschauern ist die Resonanz auf Graslöwen TV groß, wie das Feedback an die DBU zeigt: Graslöwen-Patenklassen führen eigene Umweltprojekte durch, und zu Hause engagieren sich Kinder als Umweltdetektive. So leisten sie ihren eigenen Beitrag zur Agenda 21. Unterstützt werden sie dabei vom "Graslöwen", dem Maskottchen der Initiative und der Symbolfigur für den Nachwuchs und sein Engagement.

"Kinder lieben Fernsehen", sagt Judith Perez. "Aber sie haben auch ein großes Interesse an ihrer natürlichen Umwelt. Wenn die Kombination aus beidem dazu führt, dass sie sich aktiv für die Umwelt einsetzen, dabei Gleichaltrige kennen lernen und zusammen selbstbewusst etwas auf die Beine stellen ­ dann haben wir mit Graslöwen TV viel für den Umweltschutz erreicht und einen Beitrag dazu geleistet, dass es in Deutschland weniger einsame Kinder gibt."

Wie gut solche Gruppenaktivitäten in der Tat für Kinder sind, untermauert wiederum die Umfrage "Kinder sind einsam!". 85 Prozent der befragten Lehrer meinen, dass gemeinschaftliches Engagement für Umwelt und Naturschutz bestens dazu geeignet ist, Freunde zu finden und die Sozialkompetenz der Kinder zu stärken. Wichtig ist dabei die Unterstützung und Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule. Denn so lassen sich Werte wie Teamfähigkeit und Kompromissbereitschaft am sinnvollsten vermitteln. Davon sind 59 Prozent der Lehrer überzeugt.