"Dieselruß-Straße" für Rußfilter und Verkehrseinschränkungen

Protest in Berlin

Aktive des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben am Dienstag die Leipziger Straße in Berlin in "Dieselruß-Straße" umbenannt. Der BUND demonstrierte damit gegen die zu hohe Belastung der Atemluft mit Ruß-Partikeln. An den Berliner Senat richtete der Verband die Forderung, die Verkehrsmenge in der "zweitgiftigsten Straße Berlins" so weit zu reduzieren, dass Anwohner und Passanten nicht mehr gefährdet würden. An die Automobilindustrie ging der dringende Appell, "endlich sämtliche Diesel-Fahrzeuge mit Rußfiltern auszustatten".

Die Atemluft an der Leipziger Straße enthält nach BUND-Angaben gesundheitsgefährdende Konzentrationen an Ruß, die zulässigen Grenzwerte würden überschritten. "Dieselruß ist heute der problematischste innerstädtische Luftschadstoff", so der Umweltverband. Die Ruß-Partikel kommen beim Einatmen nahezu ungefiltert in die Lunge, wo sie sich ablagern und Krebs verursachen können. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegten ein erhöhtes Krebsrisiko durch Dieselabgase. So weise eine Studie des Umwelt- und Prognoseinstituts (UPI) in Heidelberg nach, dass jeder 39. Anwohner einer Hauptverkehrsstraße wie der Leipziger Straße an von Dieselruß verursachtem Lungenkrebs erkrankt.

Neben Lungenkrebs verursacht Ruß auch Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Asthma. Aufgrund dieser Erkenntnisse fordert der Länderausschuss für Immissionsschutz einen Grenzwert von 1,5 Mikrogramm Ruß pro Kubikmeter Luft. Bisher gilt als gesetzlicher Grenzwert eine Dieselrußkonzentration von acht Mikrogramm pro Kubikmeter.

Bei einer Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte ist die Straßenverkehrsbehörde verpflichtet, planerische oder technische Maßnahmen zur Senkung der gemessenen Werte zu prüfen. Die Maßnahmen können dabei bis zu Beschränkungen und Verboten des Straßenverkehrs führen. In Berlin lagen 2002 bei 45 Messstellen noch vier über dem Grenzwert. Den höchsten Wert erreichte die Grünauer Straße in Schöneweide mit 9,5 µg/m³, den zweithöchsten die Leipziger Straße mit 8,1 µg/m³.

Eine kurzfristige Senkung der Ruß-Konzentrationen ist, so der BUND, nur durch die Verringerung der Verkehrsmengen oder der Geschwindigkeiten zu erreichen. Bei langsameren Fahrzeugen könne die Aufwirbelung der Stäube deutlich vermindert werden. Erforderlich sei ein Maßnahmenbündel, das neben Rußfiltern auch die Aufhebung der steuerlichen Subventionierung von Dieselkraftstoff, Verkehrseinschränkungen und eine grundsätzlich andere Verkehrspolitik beinhalten müsse.