Studiengebühren strikt abgelehnt

Bildung

Studiengebühren für die Erstausbildung hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) strikt abgelehnt. "Die Einführung von Studiengebühren setzt gesellschaftlich das falsche Signal", erklärte GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange am Dienstag. Sie reagierte damit auf entsprechende Überlegungen in der SPD, die der Öffentlichkeit am nächsten Freitag vorgestellt werden sollen.

"Wir brauchen künftig nicht weniger, sondern deutlich mehr gut ausgebildete junge Menschen. Gebühren schrecken jedoch insbesondere Kinder aus sozial schwächeren und ausländischen Familien vom Studium ab", betonte Stange. Diese Ressourcen unserer Gesellschaft dürften "nicht länger verschleudert werden". "In den nächsten zehn Jahren muss die Akademikerquote verdoppelt werden. Sonst verliert Deutschland international den Anschluss", hob die GEW-Chefin hervor.

Laut der jüngsten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" werden in Deutschland viel zu wenige Akademiker ausgebildet. Das sei ein wichtiger Grund für die aktuellen wirtschaftlichen Probleme. Stange wies darauf hin, dass bereits jetzt fast 70 Prozent aller Studierenden für Lebensunterhalt und Studium jobben müssten - Tendenz steigend. "Bafög-Empfänger werden durch Studiengebühren doppelt benachteiligt. Wenn sie im Berufsleben stehen, müssten sie künftig Gebühren und Bafög zurückzahlen", sagte die Gewerkschafterin. Die Diskussion komme zum falschen Zeitpunkt.

"Die öffentlichen Kassen sind leer. Der Staat kann keine Stipendien bereitstellen, um auch sozial Schwächeren ein Studium zu ermöglichen", stellte Stange fest. "Statt dessen werden die Finanzminister die Gebühren zur Sanierung der Haushalte einbehalten. Die Hochschulen sehen keinen Cent davon." Das Beispiel Österreich zeige, dass die Einführung von Gebühren kurzfristig zu rapiden Einbrüchen bei der Zahl der Studienbeginner führt.

Die GEW-Chefin warnte vor einer weiteren Privatisierung der Erstausbildung und einer gesellschaftlichen Neidkampagne gegenüber Akademikern. "’Notwendige’ Kernbildung für alle, Uniabschluss nur für Reiche: Das ist ein Holzweg. Davor kann ich alle, die für die Zukunft in unserem Land Verantwortung tragen, nur warnen", sagte sie. "Gerade Politiker, die ein gebührenfreies Studium hinter sich haben, verspielen das Vertrauen junger Menschen, wenn sie ihnen jetzt auf dem Weg zum Studium Steine in den Weg legen. Eine qualifizierte Ausbildung der jungen Generation, die der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt, muss auch in Zukunft öffentlich finanziert werden."