EU will Kanadas Bären schützen

Keine Trophäen mehr

Jäger dürfen zukünftig keine Trophäen von Grizzlybären aus der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien (BC) in die Europäische Union (EU) einführen. Eine Expertengruppe der 15 EU Länder verhängte den Importstopp weil Britisch Kolumbien, eines der wichtigsten verbliebenen Verbreitungsge-biete, keine Fortschritte im Bärenschutz macht. Die Provinz ist beliebtes Reiseziel für Hobbyjäger aus dem Ausland, insbesondere aus den USA und Deutschland. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt die einstimmige Entscheidung. Obwohl Grizzlybären in weiten Teilen Kanadas als bedroht gelten, gibt die Regierung nach wie vor jedes Jahr Hunderte Tiere zum Abschuss durch betuchte Trophäenjäger frei.

Knapp 13.000 Grizzlies wurden nach Angaben der Artenschutzorganisation in 38 Jahren alleine in Britisch Kolumbien erlegt. In deutschen Jagdzimmern endeten mehr kanadische Grizzlies als Wanddekoration als in jedem anderen EU-Land.

"Der EU-Einfuhrstopp war längst überfällig und sollte Kanada endlich zum Umdenken bewegen. Denn kaum ein Jäger wird zukünftig noch bereit sein, 10.000 Dollar in eine Bärenjagd zu investieren, wenn er am Ende keine Trophäe mit nach Hause bringen kann," so Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Der Grizzly sei in 99 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in den USA bereits ausgerottet worden. Auch in Kanada, wo er als gefährdete Tierart eingestuft sei, schrumpfe sein Verbreitungsgebiet kontinuierlich: Die Regierung der Provinz Britisch Kolumbien lasse zu, wie der Lebensraum im großen Maßstab durch Holzeinschlag, Straßen- und Bergbau zerstört werde. Zugleich genehmige sie den massiven Abschuss von Grizzlybären durch Hobbyjäger.

Wissenschaftler und Artenschützer warnen seit langem vor Bestandsrückgängen der Grizzlybären. Die EU hatte bereits Ende 2001 die Einfuhr von Grizzlytrophäen untersagt, nahm die Entscheidung aber wenige Monate später zurück, nachdem die Regierung Britisch Kolumbiens Entgegenkommen beim Bärenschutz signalisiert hatte. Infolge eines kritischen Berichtes staatlich bestellter Gutachter setzte die EU im Sommer 2003 ein Ultimatum, bis zu dem die Regierung Britisch Kolumbiens wichtige Verbesserungen im Bärenschutz umsetzen sollte. Hierzu gehörte unter anderem die Schaffung großräumiger Schutzgebiete, in denen die Bären vor Jägern sicher sind sowie zuverlässige Bestandszählungen.

Nachdem die Kanadier ihre Versprechungen erneut nicht in die Tat umsetzten, habe die EU nun Konsequenzen gezogen.

"Anstatt weiterhin den Interessen der Jagdlobby nachzugeben sollte Britisch Kolumbiens Regierung zukünftig verstärkt auf den Naturtourismus setzen", so Pro Wildlife Expertin Freyer. Kanadas Tourismusbranche lebe vom Image der nahezu unberührten Natur, die Beobachtung lebender Grizzlybären bringe fast doppelt soviel Geld ein wie die Trophäenjagd. Etwa 350.000 Deutsche besuchten das Land jährlich. Wenn Britisch Kolumbien jetzt nicht auf den Schutz der Grizzlies setze bringe sich die Provinz noch weiter in Misskredit und schade dem internationalen Ruf des Landes.