Vereinte Nationen warnen vor Sorglosigkeit gegenüber Aids

Besonders bei Jugendlichen

20 Jahre nach Bekanntwerden der globalen Bedrohung durch die Immunschwäche Aids hat die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen vor einem Nachlassen im weltweiten Kampf gegen die Krankheit gewarnt. Auch in Westeuropa sei die Zahl der HIV-Neuinfektionen im vergangenen Jahr erstmals seit den späten 80er Jahren wieder gestiegen, sagte UNAIDS-Geschäftsführer Peter Piot der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Alarmierend sei vor allem das häufig sorglose Sexualverhalten vieler Jugendlicher. Deutsche Nichtregierungsorganisationen forderten von der Bundesregierung ein stärkeres Engagement im weltweiten Kampf gegen Armut und Aids.

Am 23. April 1984 hatten US-Wissenschaftler gemeinsam mit dem nationalen Gesundheitsministerium auf einer Pressekonferenz erstmals vor der Aids-Gefahr gewarnt.

UN-Wissenschaftler Piot kritisierte die Regierungen vieler osteuropäischer Länder und Zentralasiens, die die drohende Gefahr durch die sich dort dramatisch schnell ausbreitende Immunschwächekrankheit völlig ignorierten. Dort sei zufolge in den vergangenen Jahren die Zahl der Aids-Infektionen beängstigend schnell gestiegen. Während 1998 noch 30 000 Menschen in diesen Regionen mit einem der HI-Viren infiziert waren, seien es derzeit bereits 1,5 Millionen.

Der UNAIDS-Chef verwies in diesem Zusammenhang auf das Besorgnis erregend gestiegene Infektionsrisiko von Frauen. Inzwischen sei weltweit jeder zweite HIV-Infizierte eine Frau. In vielen Regionen Afrikas seien es sogar 60 Prozent. Zudem müssten neben der wachsenden Zahl der Weltbevölkerung und der Zunahme städtischer Ballungsräume auch Globalisierungsphänomene wie die steigende Migration und Reisemobilität als Aidsrisiken ernst genommen werden. Zwei Drittel aller HIV-Infektionen unter heterosexuellen Menschen beträfen Personen aus Regionen mit hoher Aids-Infektionsrate.

Deutsche Nichtregierungsorganisationen forderten am Mittwoch von der Bundesregierung ein stärkeres Engagement im weltweiten Kampf gegen Armut und Aids. Katja Roll vom Aktionsbündnis gegen Aids appellierte an die rot-grüne Koalition, im kommenden Jahr 500 Millionen Euro für Aids-Programme zur Verfügung zu stellen. Bis 2007 solle die Summe auf 700 Millionen Euro erhöht werden.

Neben der Bundesregierung müsse sich auch die Wirtschaft stärker beteiligen, forderte Roll. Bislang hätten deutschen Unternehmen nur 15 000 Euro in den globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose eingezahlt.

Die Bundesrepublik habe als finanzkräftige Nation "gefälligst an Problemen außerhalb Deutschlands" mitzuarbeiten, betonte Sänger Herbert Grönemeyer, der die Kampagne zusammen mit dem Leadsänger der Band U2, Bono, unterstützt. Es gelte, Druck auf den Bundeskanzler auszuüben, damit dieser sich nicht aus der Verantwortung "rausreden" könne.

Die Bundesregierung habe bis 2007 für den "Globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose" 300 Millionen Euro zugesagt, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Mittwochabend nach einem vorab verbreiteten Redetext bei der jährlichen Preisverleihung des globalen Wirtschaftsrates gegen HIV/Aids.