Krebs-Risiko abhängig vom Bildungsniveau

Sozialstatus bedingt Lebensgewohnheiten

Das Risiko an Mundhöhlenkrebs zu erkranken ist im hohen Maße vom sozialen Status der Menschen abhängig: Patienten mit Tumor im Mundraum haben im Vergleich zu Durchschnittsbürgern ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau, waren längere Zeit arbeitslos und sind in größerer Zahl alleinstehend. Das ist das Ergebnis von Forschungen an der Universität zu Köln.

Mundhöhlenkrebs zähle weltweit zu den am häufigsten vorkommenden Krebsarten. Dabei sei diese Erkrankung auch eine der gefährlichsten und tödlichsten: Für rund die Hälfte aller Betroffenen komme trotz medizinischer Fortschritte jede Hilfe zu spät.

Um so wichtiger sei es, Ursachenforschung zu betreiben, damit krebsfördernde Umstände frühzeitig erkannt und nach Möglichkeit beseitigt werden könnten. Wie Birgit Imping vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität zu Köln feststellte, haben 90 Prozent der von ihr untersuchten Tumorpatienten nur eine niedrige Schulbildung wie den Hauptschulabschluss. Einen Abschluss mit Abitur können dagegen nur weniger als sechs Prozent der Untersuchungsteilnehmer vorweisen. Ebenfalls auffällig ist die im Vergleich zur Durchschnittsquote doppelt so hohe Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Patienten sowie der mit einem Fünftel bemessene Anteil an Personen im Vorruhestand.

Die Kölner Medizinerin sieht in diesen Ergebnissen die These bestätigt, dass eine angemessene berufliche Betätigung die Wertschätzung der eigenen Person steigere, was sich wiederum positiv auf das Gesundheitsverhalten der Menschen auswirke. Bleibe der soziale und berufliche Erfolg versagt, sinke das Selbstvertrauen und damit auch häufig die Sorge um die eigene Gesundheit. Ein höheres Krebsrisiko sei die Folge. Im Falle des Mundhöhlenkrebses spiegele sich dies vor allem in einer mehr als mangelhaften Mundhygiene wider: Regelmäßige Zahnarztbesuche würden genauso vernachlässigt wie tägliches Zähneputzen. Nur ein Fünftel der Untersuchten habe die Kriterien für gute Mundhygiene erfüllt.

Ein niedriges Selbstwertgefühl gehe oft auch einher mit Alkoholmissbrauch und starkem Tabakkonsum. Die übermäßige Einnahme der beiden Substanzen fördere die Ausbreitung bösartiger Tumore im Mundraum. Auch die von Imping untersuchten Patienten greifen häufiger und mehr zum Glimmstengel als Durchschnittsdeutsche. Alkohol begünstige noch zusätzlich die schädliche Wirkung des Rauchens, könne - im Überfluss genossen - aber auch bei Nichtrauchern zu Mundhöhlenkrebs führen: Zwei Drittel aller derartigen Tumore entstünden allein aufgrund von exzessivem Alkoholkonsum.

Mit der Verdeutlichung der Ursachen von Mundhöhlenkrebs glaubt die Kölner Medizinerin Zahnärzten eine nützliche Hilfe für die frühzeitige Erkennung von gefährdeten Personen gegeben zu haben. Ein niedriger sozialer Status verbunden mit schlechter Gesundheitsvorsorge und damit einhergehender mangelhafter Mundhygiene seien erste Alarmzeichen. Gesellten sich noch Alkohol und Tabak hinzu, sei es höchste Zeit zum Handeln.