85 Prozent der älteren Ostdeutschen lehnen das vereinte Deutschland ab

"Sozialreport 50+ 2005"

Die Mehrheit der 50- bis 65-jährigen Ostdeutschen fühlt sich am Arbeitsmarkt ausgegrenzt. "Durch die zunehmende Ausgliederung vom Arbeitsmarkt wächst die Angst vor der Zukunft und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden", sagte der Präsident der Volkssolidarität, Gunnar Winkler, am Montag in Berlin bei der Vorstellung des "Sozialreport 50+ 2005". 71 Prozent wollen weder das alte DDR-System wiederhaben, noch fühlen sie sich als Bundesbürger integriert. 14 Prozent sehnen sich nach der DDR zurück. Insgesamt sind also 85 Prozent mit dem wiedervereinigten Deutschland unzufrieden. Nur 13 Prozent der älteren Ostdeutschen haben das Gefühl, "richtige" Bundesbürger zu sein.

Den 2,7 Millionen Bürgern dieser Altersgruppe stehe ein Defizit von 830 000 Arbeitsplätzen in Ostdeutschland gegenüber, betonte der Vorsitzende des größten ostdeutschen Wohlfahrtsverbands. Nur noch 41 Prozent der 50- bis 65-Jährigen im Osten befinden sich dem Report zufolge in einem Arbeitsverhältnis, 31 Prozent sind bereits in Rente oder in Altersteilzeit beschäftigt. Und 27 Prozent sind arbeitslos gemeldet beziehungsweise in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen integriert (5 Prozent).

Aus dem Report ergibt sich ein hohes Maß an Zukunftsängsten. 68 Prozent der befragten Gruppe ist mit der sozialen Gerechtigkeit in den neuen Bundesländern höchst unzufrieden. Allerdings geben nur 18 Prozent der Befragten an, mit ihrem Leben generell unzufrieden zu sein. Für 65 Prozent haben sich die Erwartungen seit der Wende jedoch nicht erfüllt.

Die Volkssolidarität legt seit 1990 alle zwei Jahre einen Report zur sozialen Situation älterer Menschen in Ostdeutschland vor. Für den vorgestellten 8. Report wurden vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr 1358 Bürger befragt.