Kiarostami, Loach und Olmi erzählen gemeinsam in "Tickets" vom Reisen mit Schick

Ankunft in Neuen

Normalerweise sind drei Köche zwei zuviel. In "Tickets" schufen die drei Regiealtmeister Ermanno Olmi, Abbas Kiarostami und Ken Loach gemeinsam ein filmisches Menü, bei denen sich die Zutaten ergänzen. Am Montag stellten Sie ihre Spielfilm-Kooperation über eine Zugfahrt nach Rom bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin vor.

Der italienische Filmemacher Olmi hatte die Idee, gemeinsamen zu drehen, "zusammen eine Suppe zu kochen", wie er sagt. Der Schotte Loach und dessen iranischer Kollege Kiarostami waren rasch dafür gewonnen. Alle drei arbeiten überwiegend mit Laiendarstellern und lassen ihren Schauspielern viel Raum für Improvisationen.

In "Tickets" erzählt in drei miteinander verwobene Episoden die Geschichten von Menschen, die während der Zugfahrt nach Rom Konflikte bewältigen und Einsichten gewinnen, die ihr Leben verändern werden. Überall in Europa träfen unterschiedliche Menschen aufeinander, trügen Konflikte aus, würden mit Missverständnissen konfrontiert, sagt Loach und fügt hinzu: "Das Konzept des Films schien mir deshalb angemessen für die Situation, in der sich Europa befindet."

Für den Dreh stiegen die drei Regisseure gemeinsam in den Zug und drehten den Film chronologisch ab, jeder allerdings mit seinem Team in einem anderen Wagon. Gemeinsam wurde besprochen, wie die Szenen miteinander verbunden werden, wann welche Personen aus nachfolgende Sequenzen bereits in den Bildern des anderen auftauchten.

Das war für die drei Filmemacher selbst eine neue Erfahrung. Für Kiarostami war es nach eigenen Angaben das erste Mal, dass er sich mit anderen Regisseuren über die Entwicklung des Films absprechen musste. Aber das habe ihm wohl gut getan. Denn sein Beitrag in "Tickets" zeige einen wesentlich schnelleren Rhythmus als seine bisherigen Arbeiten.

Mit von der Partie sind in dem Film Valeria Bruni Tedeschi und Filippo Trojano, ein Nachwuchsschauspieler, der eigentlich ins Regiefach will. Beide hatten nach eigenen Angaben ihre Teilnahme zugesagt, noch bevor sie ihre Rollen kannten. Dafür sei gleich klar gewesen, dass der Film nicht eine Reise zeigt, auf der die Menschen zu ihrer Herkunft zurückkehren, sagt Trojano. Vielmehr werde in dem Film eine offene Bewegung beschrieben, die zu neuen Zielen führt.

Kommunikationsprobleme gab es beim dem Projekt offenbar nicht. Obwohl er keine Fremdsprachen spricht, hätten alle sich die drei Regisseure über die Intention des Film schnell verständigt, sagte Olmi. "Es ist gar nicht so wichtig, was wir von Dialogen verstehen, wichtig sind die Gefühle, die das Wort begleiten", sagte er. Und da hätten alle drei ähnlich empfunden.