Ausstellung zur Druckgraphik Max Beckmanns in Karlsruhe

Zersplitterte Perspektive

Eine umfassende Ausstellung zur Druckgraphik des deutschen Expressionisten Max Beckmann ist ab Samstag in Karlsruhe zu sehen. Die Staatliche Kunsthalle zeigt rund 130 Blätter aus der für Beckmanns Entwicklung entscheidenden Phase zwischen dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 und dem Jahr 1924. Beckmann (1884 bis 1950) habe durch die Beschäftigung mit Kaltnadelradierung, Lithographie und Holzschnitt zu einer "neuen Formensprache" gefunden, betonten die Ausstellungsmacher am Donnerstag in Karlsruhe.

Breker-Ausstellung wird verschoben

Heroisierende Monumentalplastiken

Die umstrittene Ausstellung zu Arno Breker (1900-1991) im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus wird bis auf Weiteres verschoben. Der Bildhauer und Architekt war von Adolf Hitler persönlich für den geplanten Ausbau Berlins vorgesehen und hatte im Auftrag des NS-Regimes heroisierende Monumentalplastiken angefertigt.

Kein deutscher Filmverleih für Kölner Widerstandskämpfer

"Edelweißpiraten"

Der Film "Edelweißpiraten" über eine Gruppe jugendlicher Widerstandskämpfer in Köln im Herbst 1944 ist in den ersten Tagen der Berlinale in sechs Länder verkauft worden. In Deutschland hat sich für den Film noch keinen Kinoverleih gefunden. Das Werk, für den Niko von Glasow Regie führte, wird demnächst in den Niederlanden, Kanada, Belgien, Spanien, Luxemburg und Thailand zu sehen sein, wie die Palladio Film in Köln am Dienstag mitteilte. Der kanadische Weltvertrieb Cinemavault stehe außerdem vor Abschlüssen mit Verleihern aus Skandinavien, Brasilien und den USA. Die "Edelweißpiraten" liebten die Freiheit, lehnten die Militarisierung und den Krieg ab, versteckten Juden, versorgten Zwangsarbeiter mit Nahrung, planten ein Attentat, wurden verhaftet, brutal gefoltert und hingerichtet. Das jüngste Opfer war 16 Jahre alt.

Erstmals zusätzliches Geld für Flugausfälle

Neue Rechte für Fluggäste

Passagiere von Fluggesellschaften haben ab Donnerstag mehr Rechte. So muss eine Fluggesellschaft kostenlos Hotel, die Fahrt dorthin, Essen, Snacks, sowie zwei Telefongespräche, Telefaxe oder E-Mails zur Verfügung stellen, wenn der Flug überbucht oder wenn er gestrichen wurde, so dass der Fluggast seine geplante Reise sehr viel später erreicht und deshalb Unterkunft und Verpflegung braucht. Zudem kann der Fluggast die Erstattung des Flugtickets zwischen 125 und 600 Euro verlangen, wenn er über den gestrichenen Flug nicht zwei Wochen früher informiert wurde oder er verspätet fliegen muss, weil der Flug überbucht wurde. Die Höhe der Erstattung richtet sich nach der Länge der Flugstrecke, und der Dauer der Verspätung am Endziel. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen begrüßt die neuen europaweiten Entschädigungsregelungen im Flugverkehr. "Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung wird der Praxis der pauschalen Überbuchung ein Riegel vorgeschoben", sagt die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Edda Müller.

Studentenwerk fordert BAföG-Ausbau

Studienfinanzierung

Die Ausbildungsförderung nach dem BAföG darf nicht abgebaut oder zur Finanzierung der Studiengebühren genutzt werden, sondern "massiv" ausgebaut werden, fordert das Deutsche Studentenwerk. Es sei "schlichtweg unbegreiflich", dass einzelne Länder den Bund auffordern, das BAföG zu erhöhen, um ihre geplanten Studiengebühren mitzufinanzieren, sagte Hans-Dieter Rinkens, Präsident des Deutschen Studentenwerks. "Dann würde der Bund mit seiner 65prozentigen BAföG-Finanzierung die Studiengebühren einzelner Länder finanzieren", sagte Rinkens. Der Bund würde somit die Hochschulfinanzierung von Bundesländern übernehmen, die ansonsten Eingriffe des Bundes in ihre Bildungskompetenz strikt ablehnten.

Pipeline-Bau an Rußlands Küste gefährdet Wale

Studie

Die Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen im Ochotskischen Meer vor der russischen Insel Sachalin gefährdet die Existenz der letzten hundert Westpazifischen Grauwale. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch in der Schweiz veröffentliche Expertenstudie der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Autoren, 14 führende Walforscher, kritisieren vor allem den geplanten Bau einer Ölpipeline durch die Nahrungsgründe der seltenen Wale. Die Studie war vom Betreiberkonsortium der umstrittenen Pipeline, der "Sakhalin Energy Investment Company" selbst in Auftrag gegeben worden. Die "Sakhalin Energy Investment Company" steht unter anderem unter Federführung der Shell AG.

Faire Bio-Bananen künftig in mehr Geschäften

Über eine Million Kilo 2004 verkauft

Über eine Million Kilo Bio-Bananen mit dem TransFair-Label gingen im Einführungsjahr 2004 über den Ladentisch. Das teilte der Verein am Mittwoch mit. Für die Zukunft seien weitere Zuwächse zu erwarten: Nach Kaiser's Tengelmann, Edeka und Bio-Supermärkten zögen nun andere Handelsketten nach. Ab sofort seien die TransFair-Bananen bei Wal Mart unter der Marke Ökofrucht sowie bei Coop Kiel und Dohle Hit erhältlich. Mit weiteren Lebensmittelketten sei der Verein in Gesprächen.

Biozide künftig meldepflichtig

Verordnung beschlossen

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Meldepflicht für Biozid-Produkte wie Holzschutz- und Desinfektionsmittel beschlossen. Nach der sogenannten "Biozid-Meldeverordnung" dürfen nur noch Biozid-Produkte verkauft werden, deren Wirkstoffe für das entsprechende EU-Prüfprogramm gemeldet worden sind.

Aktionsplan soll Deutschland kinderfreundlich machen

Chancengleichheit

Die Bundesregierung will mit einem "Nationalen Aktionsplan" Deutschland bis 2010 zu einem der kinderfreundlichsten Länder in Europa machen. So soll zum Beispiel die Chancengerechtigkeit durch Bildung verbessert werden und ein "angemessener" Lebensstandard für Kinder geschaffen werden. Weitere Ziele sind der Schutz von Kindern vor Gewalt sowie die Förderung gesunder Lebensbedingungen. Bei dem Aktionsplan sollen auch die Kinder selbst beteiligt werden. Einge hätten bereits bei der Erstellung mitgearbeitet. Der Plan wurde heute in Berlin vorgestellt.

Kiarostami, Loach und Olmi erzählen gemeinsam in "Tickets" vom Reisen mit Schick

Ankunft in Neuen

Normalerweise sind drei Köche zwei zuviel. In "Tickets" schufen die drei Regiealtmeister Ermanno Olmi, Abbas Kiarostami und Ken Loach gemeinsam ein filmisches Menü, bei denen sich die Zutaten ergänzen. Am Montag stellten Sie ihre Spielfilm-Kooperation über eine Zugfahrt nach Rom bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin vor.

Selbstmordattentätern ein Gesicht geben

Suche nach dem Paradies

Gleich zwei Filme mit einem politischen Hintergrund sind am Montag auf der Berlinale in den Wettbewerb um den Goldenen Bären gegangen. Ein neues Licht auf das Standbild des französischen Sozialisten Francois Mitterrand (1916-1996) will der Regisseur Robert Guérdiguian werfen. In seinem Film "Le Promeneur Du Champ de Mars" ("Der späte Mitterrand") heftet er einen jungen Journalisten an die Fersen des sterbenden Mitterrand, um dessen Rolle im Vichy-Regime zu klären. Dabei webt Guérdiguian ein enges Netz aus Fiktion und Realität. In dem Spielfilm "Paradise Now" konfrontiert der palästinensische Regisseur Hany Abu-Assad die Zuschauer mit dem Phänomen Selbstmordattentäter. "Im Kinofilm wurde dieses Thema bisher noch nicht aufgegriffen", sagte Abu-Assad. "Ich wollte diesen Leuten ein Gesicht geben."

"Leugnen des Völkermords" in Jugoslawien soll unter Strafe gestellt werden

Meinungsfreiheit

Die Bundesregierung möchte durch eine Änderung des Strafgesetzbuches die Meinungs- und Versammlungsfreiheit einschränken. Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe soll künftig nicht nur bestraft werden, wer Handlungen der "nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft" billigt, rechtfertigt, leugnet oder verharmlost. Das gleiche Strafmaß soll künftig auch für das Leugnen von Handlungen einer "anderen Gewalt- und Willkürherrschaft" verhängt werden können. Richtete sich der Paragraph 130 des Strafgesetzbuches bislang nur gegen die Leugnung des Holocaust, so soll nach Vorstellung der Bundesregierung künftig auch das Leugnen von als "geschichtlich gesichert anerkannten Tatsachen" unter Strafe gestellt werden, zum Beispiel ein "Leugnen des Völkermords im ehemaligen Jugoslawien". Die derzeitige Bundesregierung hatte 1999 ohne UN-Mandat im Rahmen der NATO einen Krieg gegen Jugoslawien geführt. Als Grund für den Krieg wurde genannt, in Jugoslawien finde ein Völkermord statt.

2004 landeten die meisten Bürgerinitiativen in NRW im "Papierkorb"

Direkte Demokratie

In Nordrhein-Westfalen (NRW) landen die meisten "Bürgerentscheide im Papierkorb", berichtet der nordrhein-westfälische Bürgerrechtsverband "Mehr Demokratie". Von insgesamt 47 Anträgen wurden bisher vier durchgesetzt, bei drei wurde ein Kompromiss zu den Forderungen gefunden. Der Rest der Bürgerentscheide sei zum überwiegenden Teil für ungültig erklärt worden, laufe noch oder sei nicht in die nächste Stufe gelangt. "Dies schreit geradezu nach einer Senkung der Abstimmungshürde", sagte Daniel Schily, Geschäftsführer der Initiative "Mehr Demokratie" in Nordrhein-Westfalen.

Gen-Mais Anbau ohne Kontrollen

Probieren geht über Studieren

Der Anbau der Maissorte Mon 810 entspricht nicht dem geltenden EU-Recht. Und das obwohl die Pflanzensorte als erste genmanipulierte in den EU-Sortenkatalog aufgenommen wurde, berichtet die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Demnach existiere entgegen Behauptungen des ehemals zuständigen EU-Kommissar David Byrne, der für eine legale Verbreitung nötige Überwachungsplan nicht. Mit der Aufnahme in den Sortenkatalog im September 2004 könne die Gen-Pflanze nun trotzdem in der EU verkauft werden. Der Gen-Mais Mon810 enthalte ein so genanntes Bt-Gift, das die Pflanzen vor Insektenfraß schützen soll, erklärt Greenpeace. Jüngste wissenschaftliche Publikationen zeigten nun ein alarmierendes Spektrum möglicher negativer Auswirkungen dieser Gen-Pflanzen.

Aufrüstung verursacht Europäischen Sozialabbau

EU-Verfassungsentwurf

Der Grund für den europaweiten Sozialabbau ist Aufrüstung und Militarisierung. Das sagt die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstverweigerer und will mit dem jährlichen Friedensmarsch um Ostern gegen die geplanten EU-Verfassung protestieren. In dem Entwurf sei Aufrüstung und Militarisierung festgeschrieben. Er sei eine "unannehmbare Militärverfassung", sagt die Friedensorganisation.

Dem Leuchtturm "Vertragsnaturschutz" geht das Licht aus

Landwirtschaft und Natur

"HELP in Not" melden immer mehr Landwirte und Naturschützer aus Hessens Regionen. Dem hessischen Landschaftspflegegeprogramm HELP geht die finanzielle Puste aus. Dank der von Ministerpräsident Koch proklamierten "Operation sichere Zukunft" werden die HELP-Mittel nicht - wie erforderlich - erhöht, sondern auf viel zu niedrigem Niveau eingefroren. Besonders hart trifft der Kahlschlag die einjährigen HELP-Verträge. Wurden 2004 landesweit noch 300.000,- Euro bereit gestellt, ließ die Operation sichere Zukunft einjährige Mittel auf Null zurückfahren.

Aktion vor dem Bundestag fordert Veröffentlichung von Nebeneinkünften

Politik und Wirtschaft

In einer Aktion vor dem Bundestag hat am Dienstag ein Bündnis von BUND, Attac, Mehr Demokratie und Campact für die Veröffentlichung von Nebeneinkünften der Bundestagsabgeordneten demonstriert. Die Aktion fand im Vorfeld der Verhandlungen der Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer statt, die über Konsequenzen aus den Skandalen der vergangenen Wochen berieten. "Nur durch mehr Transparenz können Bürger die schwarzen Schafe in der großen Zahl von Abgeordneten ohne relevante Nebeneinkünfte ausmachen", so Christoph Bautz, Pressesprecher von Campact. "Sie dürfen hierbei nicht länger auf Enthüllungen und Indiskretionen angewiesen sein."

Ab ins Ausland - Was Sie beachten sollten!

Handbuch

Das Ausland steht hoch im Kurs. Wer irgendwann einen halbwegs akzeptablen Job haben will, sollte Auslandserfahrung vorweisen können. Wer nicht schon während der Schulzeit ein Auslandsjahr absolviert hat, bekommt in Studium oder Ausbildung noch einmal die Gelegenheit dazu. Doch die Auswahl an Austauschprogrammen ist ebenso groß wie verwirrend. Das "Handbuch Studium und Praktikum im Ausland" von Momme von Sydow, Sandra Többe und Heiner Staschen hat es sich zum Ziel gemacht, diesen Dschungel zu lichten.

Kyoto-Abkommen tritt in Kraft

Klimaschutz

Das Kyoto-Klimaschutz-Protokoll tritt am kommenden Mittwoch in Kraft. Deutsche Umweltverbände forderten gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), dass mit dem Klimaschutz gerade beim Flugverkehr "ernst gemacht" werde. Es könne nicht angehen, dass das Verkehrsmittel "mit der schlechtesten Klimabilanz" weiterhin von jeglichen internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz ausgenommen bleibe, hieß es in einer Erklärung von Germanwatch, BUND, VCD und Robin Wood. Der amerikanischen und der australischen Botschaft übergab die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt "Klimadepeschen". In ihnen werden beide Staaten aufgefordert, das Kyoto-Protokoll schnellstmöglich zu unterzeichnen und sich dem Klimaschutz "nicht länger zu verweigern". Allein die USA seien für ein Viertel der Treibhausgase weltweit verantwortlich, erklärte der BUND. Währenddessen hätten 141 Staaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Bundeskriminalamt bildete 420 irakische Polizisten aus

Vereinigte Arabische Emirate

Das Bundeskriminalamt (BKA) unterstützt seit 2004 die Ausbildung von irakischen Polizisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bislang wurden rund 420 Polizisten von den deutschen Beamten in der Polizeischule in Al Ain ausgebildet. Auf dem Programm stehen unter anderem Beweislehre, Tatortsicherung und Dokumentation. Außerdem werden die Iraker in besonderen polizeilichen Einsätzen wie Festnahmen, Durchsuchungen und Spurensicherung geschult.