Indischer Monsunregen könnte aus den Fugen geraten

Hungersnöte befürchtet

Nach Ansicht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) könnten zunehmende Luftverschmutzung und Treibhausgase in Südasien dazu führen, dass der indische Monsun "aus den Fugen gerät". Dies teilte das Institut am Montag mit. Dabei könnten die Niederschläge durch zunehmende Luftverschmutzung dramatisch abnehmen. Gleichzeitig könnten aber Treibhausgase zu mehr Niederschlägen führen. Welcher der beiden Effekte letztendlich dominieren werde, sei derzeit offen. Das Institut warnte jedoch, die jährlich wiederkehrenden Monsunniederschläge bestimmten maßgeblich die Lebensumstände der indischen Bevölkerung. Mit einem schwachen Monsun gingen häufig Dürren einher. Hierdurch könnten Ernten ausbleiben und Hungersnöte unter der ländlichen Bevölkerung entstehen, die zwei Drittel der Gesamtbevölkerung Indiens ausmache. Aber auch Monsunniederschläge, die stärker ausfallen als gewöhnlich, könnten ähnlich verheerende Folgen haben. Insgesamt seien extremere Wetterverhältnisse zu erwarten.

Einerseits Ausbleiben des Regens ... In der aktuellen Studie wollen die Wissenschaftler anhand eines einfachen Modells einen Mechanismus entdeckt haben, der zu einem Ausbleiben des indischen Sommermonsuns führen könnte. Über Indien wären nämlich viele Schwebeteilchen, sogenannte "Aerosole" in der Luft. Diese entstünden hauptsächlich durch Brände und durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe.

Durch die Schwebeteilchen würde mehr Sonnenlicht reflektiert, wodurch es zu einem Rückgang der Temperatur über der Landmasse käme, da weniger Sonnenlicht die Erde erreiche. Einen ähnlichen Reflektor-Effekt hätten auch die dortigen Waldrodungen, die regional zu einer helleren Landoberfläche führten.

Durch die Temperaturabnahme würde dann die Zufuhr feuchter Luftmassen vom Indischen Ozean gestoppt, die den Monsunregen speisen.

... andererseits Tendenz zu mehr Niederschlägen

Aber auch ein anderer Effekt müsste beachtet werden, meinen die Wissenschaftler. Die steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen, hätten einen entgegengerichteten Effekt auf den Sommermonsun. Mehr Treibhausgase in der Atmosphäre führten zu einer Temperaturzunahme über der Landmasse und dadurch zu stärkeren Niederschlägen.

Insgesamt sei zu befürchten, dass durch die verschiedenen Effekte extreme Wettersituationen wie Dürre oder Überflutungen häufiger vorkämen und der Monsun aus seinem natürlichen Gleichgewicht gerate.

Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" erschienen.

Veränderung noch ungewiss

Um genauere Prognosen anstellen zu können, inwieweit sich der Monsun verändern wird, sind nach Auffassung des Klimaforschungsinstituts weitere Analysen nötig. Es müssten verschiedene Szenarien erstellt werden, die die Veränderung von Luftverschmutzung, Treibhausgasen und Landnutzung in Südasien berücksichtigten.