BUND fordert schärfere Chemiepolitik gegen Gift in Kinderregenjacken

11 von 14 bei Ökotest durchgefallen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor gesundheitsschädlichen Chemikalien in Kinderregenjacken gewarnt und eine schärfere Chemikalienpolitik gefordert. Die Zeitschrift "Ökotest" hat in ihrer am Montag erschienenen Ausgabe 14 Kinderregenjacken getestet und in vier der Produkte Fluorchemikalien gefunden, die als besonders gefährlich eingestuft werden. In elf Jacken entdeckten die Tester zudem Weichmacher. Neun der 14 Jacken erhielten von Ökotest die schlechtestmögliche Note "ungenügend", zwei weitere ein "mangelhaft". Um Kinder vor den Chemikalien zu schützen forderte der BUND eine grundlegende Reform der europäischen Chemikalienpolitik durch die REACH-Verordnung (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien). Über sie wird im November im EU-Parlament abgestimmt.

Auch die beste der getesteten Jacken erreichte nur ein "befriedigend". Die Tester zeigten sich erfreut darüber, dass manche Hersteller aus Fehlern der Vergangenheit gelernt hätten. So habe sich H & M im Vergleich zur letzten Ökotest-Untersuchung vor vier Jahren von "ungenügend" auf "befriedigend" verbessert, Adidas von "ungenügend" auf "ausreichend". Gegenüber Ökotest zeigte sich Christoph Schulte vom Umweltbundesamt besorgt darüber, dass die Hersteller verstärkt von bekanntermaßen giftigen Stoffen auf ähnliche, aber kaum untersuchte Stoffe umstiegen. Er forderte, nur Stoffe einzusetzen, für die die Risiken geprüft wurden.

Er vertritt damit die gleiche Ansicht wie der BUND. Dessen Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm kritisierte, bei 97 Prozent der auf dem Markt befindlichen Chemikalien sei nicht bekannt, welche Gefahren von ihnen für Mensch und Umwelt ausgingen. "Deshalb müssen die Chemieunternehmen endlich in die Pflicht genommen werden, alle von ihnen produzierten Stoffe ausreichend zu testen", forderte Timm. "Es liegt in den Händen der EU-Parlamentarier, diese Schritte einzuleiten und im Sinne unserer Kinder am 16.11. für ein starkes Chemikalienrecht zu stimmen", sagte Timm in Bezug auf die anstehende Abstimmung über die REACH-Verordnung. Gesundheits- und umweltschädliche Stoffe hätten in Kinderkleidung nichts zu suchen.

Fluorchemikalien gehören nach Angaben des BUND zu den Stoffen, von denen Firmen in der EU nur eine bis zehn Tonnen pro Jahr produzieren. Trotzdem lassen sie sich weltweit in Gewässern, in der Atmosphäre sowie im Blut von Menschen und Tieren nachweisen. Sie seien schwer im Körper abbaubar, beeinträchtigten die Entwicklungs- und Fortpflanzungsfähigkeit und könnten Blasen- und Prostatakrebs auslösen.

"Das Beispiel der Fluorchemikalien macht deutlich: auch Chemikalien, die in geringen Mengen produziert werden, können schwere Schäden anrichten", meint Patricia Cameron, BUND-Chemikalienexpertin. "Doch die Chemieindustrie möchte für diese Chemikalien keine ausreichenden Daten vorlegen." Die EU-Parlamentarier dürften diesem Druck auf keinen Fall nachgeben. Sie müssten Informationen für Chemikalien auch mit dieser Produktionsmenge einfordern, die es erlauben, ihre Gefährlichkeit beurteilen zu können. Vor allem Konservative und Liberale im Europaparlament wollen dagegen für Chemikalien, von denen weniger als zehn Tonnen im Jahr produziert werden, ein vereinfachtes System einführen.

Die in den Regenjacken gefundenen Weichmacher wirken sich nach Angaben des BUND negativ auf die männliche Fortpflanzungsfähigkeit aus und sind in Kinderspielzeug bereits EU-weit verboten. Der Fund in belege, dass Verbote für einzelne Anwendungen keinen umfassenden Schutz gewährleisten könnten. Demgegenüber müsse in REACH verpflichtend vorgeschrieben werden, dass gefährliche Stoffe vom Markt zu nehmen sind, wenn sicherere Alternativen zur Verfügung stehen.