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Procter&Gamble

"Landraub für Tempo-Taschentücher"

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Die Organisationen Robin Wood und Urgewald protestierten am Donnerstag gemeinsam mit Indianern der brasilianischen Stämme Tupinikim und Guarani vor dem Neusser Werk zur Produktion von "Tempo"-Taschentüchern. Procter&Gamble, dem Produzenten der Taschentücher werfen sie indirekt "Landraub" und Umweltzerstörung vor. Grund: Der brasilianische Zellstoff­kon­zern Aracruz habe den Indianern 11.000 Hektar Land im Bundes­staat Espirito Santo weggenommen, "um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen". Die Eukalyptus-Pflanzen dienten der Zellstoffproduktion. Nach Re­cherchen von Robin Wood soll der Ara­cruz-Zellstoff in Form von Tempo-Taschentüchern so­wie als Charmin- und bess-Klopapier auch auf dem deutschen Markt "landen". Hersteller dieser Produkte sei der multinationale Konzern Procter&Gam­ble (P&G).


Die Umweltschützer und die Vertreter der brasilianischen Indianer forderten Procter&Gam­ble auf, "die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Aracruz auf Eis zu legen, solange der Konzern diesen und alle weiteren Landkonflikte mit India­nern, Landlosen und Quilombolas (Afrobrasilianern) nicht im Einvernehmen mit den Betroffenen gelöst hat".

Aracruz sei der weltweit größte Produzent von gebleichtem Zellstoff. Er habe in Brasilien großflächig Küsten­regenwald (Mata Atlantica) gerodet, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Dem Konzern gehören inzwischen offenbar 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen. Während der brasilia­nischen Militärdiktatur habe der Konzern die Ureinwohner von ihrem angestammten Land vertrieben, um seine Plantagen auszuweiten, kritisiert Robin Wood.

Bis heute weigere sich Aracruz "mit Gewalt und juristischen Tricks, den Tupinikim und Guarani 11.000 Hektar ihres Landes in Espirito Santo zurückzugeben". Die Indianerbehörde FUNAI habe inzwischen be­stätigt, dass den Indianern das Land rechtmäßig zustehe. Im Januar des Jahres sei der Konflikt eskaliert: "Bewaffnete Einheiten stürmten in Kooperation mit Aracruz die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Alho de Agua, feuerten mit Gummigeschossen und jagten die Flüchtenden mit Hubschraubern."

"Die Menschen in Deutschland sollen erfahren, dass wir Tupinikim und Guarani für die Rohstoffe von Tempo brutal vertrieben werden", so Tupinikim Paulo Henrique Vicente de Olivira, Koordinator von Brasiliens zweitgrößter Indigenen-Organisation APOINME, dem eigenen Angaben zufolge bei dem Überfall im Januar ein Arm gebrochen wurde. "Procter&Gamble ist mitschuldig daran, dass uns Aracruz das Land genommen, unsere Wälder dem Erboden gleich gemacht und unsere Flüsse mit Chemikalien vergiftet hat", kritisiert der Häuptling des Guarani-Dorfes Boa Esperanza, Wera Kwaray. "Aracruz zerstört unsere Kultur."

"Der Landrechtsstreit mit den Tupinikim und Guarani ist nicht der einzige im Skandalunternehmen Ara­cruz", heißt es in einer Stellungnahme von Robin Wood. "Letzte Woche besetzten 200 landlose Familien rund 8.700 Hektar Land von Aracruz in der Nähe der Zellstoff-Fabrik von Aracruz in Espirito Santo." Sie beschuldigen den Konzern, sich öffentliches Land – so genannte "devolutas" – illegal angeeignet zu haben. Auch die Quilombolas forderten Zehntausende Hektar Land von Aracruz zurück.

Obwohl Robin Wood Procter&Gamble "über den Landraub und Umweltsünden von Aracruz" ausführlich informiert habe, weigere sich der Konzern, seine Geschäftsbeziehungen zu Aracruz auf Eis zu legen, kritisieren die Umweltschützer. Nicht einmal zu Gesprächen mit Vertretern der Indianer sei der Konzern bislang bereit gewesen. Auch sonst werde Procter&Gamble seiner ökologischen Verantwortung nicht gerecht. So habe "Procter&Gamble - im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten - für den privaten Konsum nicht einmal Recyclingpapier-Produkte im Angebot".

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