Merkel für Braunkohle-Vertromung trotz Klimaproblematik

"Jeder Energieträger hat Vor- und Nachteile"

Nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel soll die Braunkohle als heimischer Energieträger auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Es zeichne sich ab, dass "die Steigerung der Energieeffizienz, ein ausgewogener Mix bei der Stromerzeugung und die Intensivierung der Beziehungen zu wichtigen Energielieferländern" wesentliche Bausteine des Energiekonzepts für Deutschland sein würden, sagte Merkel im Interview mit der Märkischen Allgemeinen. Die deutsche Stromerzeugung basiere derzeit zu mehr als einem Viertel auf der Nutzung von Braunkohle. Deutschland könne es sich schon aus wirtschaftlichen Gründen auf absehbare Zeit nicht leisten, auf diesen Energieträger zu verzichten, so Merkel.

Die Braunkohle werde - so Merkel - "als subventionsfrei geförderter heimischer Energieträger" - deshalb auch künftig eine wichtige Rolle bei unserer Energieversorgung spielen.

Angesprochen darauf, dass es sich bei der Braunkohle unter klimapolitischen Gesichtspunkten "mit Abstand" um den problematischsten Energieträger handele sagte die Bundeskanzlerin: "Jeder Energieträger hat energiepolitisch gesehen Vor- und Nachteile. Zum Beispiel hat die Braunkohle gegenüber dem relativ sauberen Erdgas Vorteile im Hinblick auf den Preis und die Versorgungssicherheit."

Erneuerbare Energien seien umweltfreundliche heimische Energieträger, zum Teil aber noch relativ teuer und nicht konstant verfügbar. Gerade deshalb komme es darauf an, die Vorteile der verschiedenen Energieerzeugungsformen zu kombinieren.

Bei der Nutzung der Braunkohle arbeiten "wir" daran, ihre Nutzung "noch umweltfreundlicher" zu gestalten, so Merkel. Auf diesem Gebiet sei "schon viel geschehen, die ostdeutschen Braunkohlekraftwerke gehören zu den saubersten und effizientesten in der ganzen Welt".

Mit der Entwicklung Kohlendioxid-freier Kraftwerke könne es gelingen, die Verbrennung von Kohle mit den Herausforderungen des Klimawandels zu vereinbaren. "Dies ist eine faszinierende Idee und ich bin stolz, dass diese weltweit beachtete Entwicklungsarbeit in Deutschland vorangetrieben wird", so Merkel.

Auf den Hinweise der Märkischen Allgemeine, dass Technologien wie "das Kohlendioxid-freie Kraftwerk" vermutlich erst in Jahrzehnten serienreif seien und es dann möglicherweise für den Klimaschutz zu spät sei, verwies Merkel darauf, dass Deutschland nicht erst jetzt mit dem Klimaschutz beginne. Bis heute hätte man zum Beispiel "durch massive Effizienzsteigerungen bei unseren Kraftwerken" und durch die Förderung erneuerbarer Energien "unsere Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll bereits weitgehend erfüllt". Auf die Frage, ob es in Jahrzehnten für den Klimaschutz nicht zu spät sei, antwortete Merkel nicht konkret.

Für "weitere Fortschritte" beim Klimaschutz ist es laut Merkel "wichtig, auch künftig die Entwicklung innovativer Technologien" voranzutreiben. "Nur so können wir auch die für den Export wichtige deutsche Spitzenstellung in der Kraftwerkstechnologie, bei der Energieeffizienz und im Bereich erneuerbarer Energien behaupten."