Die Regierung appelliert

Lehrstellen

Nach Angaben der Bundesregierung könnten im Herst 50.000 Lehrstellen fehlen. Würde nur jeder zehnte ausbildungsfähige Betrieb, der bisher nicht ausbildet, einen Lehrling einstellen, wäre das Problem nach Auffassung von Bundesbildungsministerin Schavan gelöst. Schavan appellierte mit dieser Rechung an die Wirtschaft und informierte über die Angebote der Bundesregierung. "Wir müssen es vor allem kleinen und mittleren Betrieben erleichtern, ja zu einem Lehrling zu sagen", forderte Ministerin Schavan gegenüber der Berliner Zeitung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will jetzt 100 Millionen Euro für ein Programm mit dem Titel "Jobstarter" ausgeben. Diese Mittel sollen im Zeitraum 2005 bis 2010 eingesetzt werden, um zahlreiche Ausbildungshemmnisse abzubauen und um neue Plätze zu schaffen.

Gerade kleinere Betriebe reagierten oftmals "zurückhaltend", wenn sie gebeten würden, über zusätzliche Ausbildungsplätze oder überhaupt einen Einstieg in die Ausbildung nachzudenken.

"Vielen fehlt es an Erfahrung", so die Bundesregierung. Andere seien zu spezialisiert, um alle geforderten Inhalte einer Ausbildung abzudecken. Zudem fürchteten sich gerade Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft vor den bürokratischen und rechtlichen Hürden einer Ausbildung.

Hier könne der "Instrumentenkasten" Jobstarter des BMBF helfen. In ganz Deutschland sollen "Projekte und Initiativen" finanziert werden, die etwa beim Aufbau von Ausbildungsverbünden helfen sollen. Was ein Betrieb seinen Azubis nicht vermitteln könne, sei für einen anderen Betrieb oftmals kein Problem. Dieser wiederum habe auf anderen Gebieten Defizite, bei denen er Unterstützung durch ein anderes Unternehmen bekommen könne.

Die Schaffung solcher Verbünde ist "eines der Ziele" der Jobstarter-Programme, des Programms STARegio. Die STARegio-Projekte richteten ihre Konzepte auf den regionalen Bedarf und die sozioökonomischen Bedingungen in den Regionen aus.

Auf ähnliche Zielsetzungen sei das Programm RegioKom ausgerichtet. Es initiiere und fördere regionale und lokale Netzwerke für betriebliche Ausbildungsplätze in den neuen Bundesländern.

Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft bedürften einer besonders zielgenauen Ansprache. "Sie wissen oftmals nicht einmal, dass sie ausbilden dürfen und sich so das dringend benötigte Personal selbst schaffen könnten. Hier wiederum hilft die Koordinationsstelle - Ausbildung in ausländischen Unternehmen (Kausa)." "So gibt es also über Appelle hinaus ganz praktische Unterstützung."

In absehbarer Zeit sei damit zu rechnen, dass Fachkräfte fehlen werden. Deshalb sollten Unternehmen nach Auffassung der Bundesregierung jetzt in den Nachwuchs investieren.

So sei zwar zu berücksichtigen, dass Ausbildung mit Kosten verbunden sei. Allerdings seien viele Lehrlinge spätestens ab dem zweiten Lehrjahr produktiv einsetzbar. Eine auch heute noch gültige Studie habe gezeigt, dass sich Ausbildung insgesamt lohne.