Chemiewaffeneinsatz im Libanon?

Fragen an die israelische Botschaft

Die Organisation der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) fordert in einem Brief an den israelischen Botschafter in Deutschland Shimon Stein Aufklärung über den möglichen Einsatz von Phosphor-Munition durch die israelische Armee im Südlibanon und in Gaza. Medienberichten zufolge wiesen die Aussagen mehrerer Ärzte in der libanesischen Hafenstadt Tyrus und in der Hauptstadt Beirut auf den Einsatz dieses durch internationales Kriegsrecht geächteten Kampfstoffes hin.

Die Ärzteorganisation verweist auf einen Bericht des Berliner Kuriers vom 24. Juli, in dem es heißt: "Professor Bachir Cham, Leiter eines Krankenhauses in Beirut, erklärte gestern: 'Uns wurden gestern acht mumienartige Leichen in mein Krankenhaus eingeliefert. Die toten Körper zweier Kinder zeigten keinerlei von einer Explosion stammende Wunden. Ich habe den Eindruck, dass ein giftiger Stoff über die Haut in die Körper gelangte. Der Tod folgt darauf mit fast 100-prozentiger Sicherheit.' Gleiches berichtet Dr. Juma Al Sakka vom Gaza Al Shifa Hospital."

Die IPPNW weist in dem Brief an den Botschafter darauf hin, "dass ein solches Vorgehen der israelischen Armee als Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt werden kann". Die IPPNW-Vorsitzende, Angelika Claußen, fordert Israel auf, keine solche Waffen einzusetzen. "Gleichzeitig fordern wir alle Kriegsparteien zu einer sofortigen Waffenruhe und zu Verhandlungen auf."

Die Organisation kritisiert zudem, dass eine von der israelischen Armeeführung an die Medien herausgegebene Richtlinie die Berichterstattung über den Einsatz von "Sondermunition" verbiete. So werde beispielsweise auch der Einsatz von Munition mit abgereichertem Uran vermutet, "nachdem Experten Bilder von Geschossen als panzerbrechende Waffen identifiziert haben, die auf einen israelischen Panzer geladen wurden".

Es sei für die Behandlung von Patienten außerordentlich wichtig zu wissen, welche Kampfstoffe eingesetzt werden, heißt es in dem Schreiben von Claußen an die israelische Botschaft. "Daher fordern wir Sie auf, uns mitzuteilen, welche 'Sondermunition' im Libanon zum Einsatz gekommen ist."