Arbeitslose sterben offenbar früher

Faule Drückeberger?

Arbeitslose haben offenbar ein deutlich höheres Sterberisiko als gleichaltrige Erwerbstätige. Das geht aus einer Studie des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Leipzig hervor, wie die Zeitschrift "Super Illu" am Sonntag vorab berichtete. Danach ist bei Menschen ohne Job die Sterblichkeit bereits kurz nach Beginn der Arbeitslosigkeit mehr als doppelt so hoch. Ursache seien vor allem Depressionen und Suchtkrankheiten wie Alkoholismus, bei Frauen auch Tablettensucht, Erschöpfungssymptome und Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt.

Diese Krankheiten seien bei Arbeitslosen "viel häufiger als bei Menschen, die einen Job haben", so Brähler. Ihre Sterblichkeit sei dadurch massiv erhöht, schon kurz nach Eintritt der Arbeitslosigkeit sei sie mehr doppelt so hoch wie bei Erwerbstätigen.

"Menschen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos sind, haben statistisch sogar ein vier Mal höheres Sterberisiko. Wer also arbeitslos ist, stirbt statistisch gesehen früher als ein Berufstätiger im selben Alter", sagte Brähler.

In der Regel verschlechtere sich der Gesundheitszustand eines Menschen mit Eintritt der Arbeitslosigkeit rapide. "Auf den anfänglichen Schock unmittelbar nach dem Jobverlust, der oft tiefe Depressionen verursacht, folgt eine Phase der Erholung", sagte der Wissenschaftler. Der Arbeitslose werde oft sehr aktiv, wenn seine Bemühungen dann aber scheitern, trete nach etwa zwölf Monaten oft eine Phase des Fatalismus ein. "Die Betroffenen beginnen sich aufzugeben." Krank werden könne aber schon jemand, der zwar einen Job, aber auch große Angst vor der Arbeitslosigkeit habe. "Auch so etwas schädigt die Gesundheit", betonte Brähler.

Vor allem Arbeitslose in Ostdeutschland sind demnach erhöht gefährdet, krank zu werden. "Viele mussten die Hoffnung, überhaupt noch einmal Arbeit zu finden, ganz aufgeben", erklärte Brähler. Die großen Entlassungen nach der Wiedervereinigung hätten außerdem sehr viele sehr leistungsorientierte Menschen getroffen, die unter normalen Umständen wohl kaum arbeitslos geworden wären. "Diese leiden in der Regel besonders."

Bischof Huber warnt vor wachsender Armut in Deutschland

Der Berliner Bischof Wolfgang Huber warnt vor wachsender Armut in Deutschland. "Wir haben in Deutschland ein Armutsproblem, das sich verschärft", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD) der Zeitung "Bild am Sonntag". Das Armutsrisiko für Arbeitslose wachse besonders stark.

"Ich habe mich selbst an Essensausgaben hingestellt und Suppe verteilt an Menschen, die aus allen sozialen Netzen dieses Landes heraus gefallen sind", berichtete Huber. Manche hätten die Fähigkeit verloren, die Anträge Unterstützung nach "Hartz IV" korrekt auszufüllen. "Zum Teil haben sie mich an Hungernde erinnert, die ich im Sudan gesehen habe", sagte Huber.

In Deutschland gebe es natürlich weniger Hungernde als in Afrika, sagte Huber. Allerdings sei nicht nur der arm, der zu wenig zu essen habe. "Kinder, die nicht an Klassenfahrten teilnehmen dürfen, weil ihre Eltern die notwendigen fünf oder zehn Euro nicht aufbringen können, sind ebenfalls arm", sagte der Bischof.