Gabriel will Windkraftanlagen an Land reduzieren

Windenergie-Testfeld in der Nordsee

Gemeinsam unter anderem mit den Energie- und Atomkonzernen E.On und Vattenfall hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am 2. Oktober grünes Licht für das deutsche Windenergie-Testfeld in der Nordsee gegeben. Das Gemeinschaftsprojekt "aus Wirtschaft und Politik" sei die Grundlage für die kommerzielle Windenergienutzung auf See ("Offshore") nach 2008. Die Förderung durch die Bundesregierung spielt nach Angaben der Bundesregierung dabei "eine zentrale Rolle". Gefördert wird ein Testfeld für zwölf Offshore-Windenergieanlagen der 5-Megawattklasse in der Nordsee, rund 45 Kilometer vor der Insel Borkum. Das Forschungs- und Demonstrationsprojekt "für die deutsche Wirtschaft" soll bis zum Jahr 2008 errichtet werden und eine Initialzündung für die Nutzung der Windenergie in der deutschen Nord- und Ostsee zu bewirken. Nach Auffassung des Bundesumweltministers zählt zu den Vorteilen des Projektes, dass die auf offener See getesteten Anlagen auch die Chance böten, die Leistung der an Land stehenden Anlagen zu verbessern. "Dann kann auch deren Zahl reduziert werden", so der Umweltminister mit Blick auf "immer wieder geäußerte Kritik an der Windenergie in der freien Landschaft".

Das "geschätzte" Investitionsvolumen des Projekts beläuft sich auf rund 180 Millionen Euro. Die Bundesregierung stellt für das Testfeld 50 Millionen Euro über fünf Jahre bereit. Diese "Hilfe" für das Gemeinschaftsprojekt mit E.On und Vattenfall ist nach Auffassung der Bundesregierung "notwendig, weil die Windenergie auf See noch vor einigen Problemen steht". Hohe Korrosion und die Anbindung der Plattformen an die Stromnetze auf Land seien "mit Schwierigkeiten verbunden".

Mit dem Testfeld sollen die Auswirkungen der "Offshore-Windenergie" auf die Umwelt und auf andere bereits heute vorhandene Nutzungen wie Schifffahrt, Fischerei und Tourismus sowie Maßnahmen zur Gewährleistung beziehungsweise Erhöhung der Verkehrssicherheit auf See und "zur Minimierung etwaiger Risiken" erforscht werden, "da die Bedenken der Bevölkerung gegenüber Risiken der Offshore-Windenergie ernst genommen werden". So sollen die Auswirkungen auf den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer "so gering wie möglich" gehalten werden.

Laut Bundesumweltministerium verknüpfen sich mit der Offshore-Technik wirtschaftliche Chancen: Verschiedene europäische Länder und auch China hätten schon jetzt Interesse an dem deutschen Projekt und den daraus entstehenden Anlagentypen bekundet.

BMU: 10 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums machen erneuerbare Energien mittlerweile 10 Prozent der Stromproduktion in Deutschland aus. Dies verringere nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl und Gas. Zugleich vermeide man durch die Nutzung von Wind, Wasser und Sonne etwa 10 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen.

Zwei Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen den Angaben zufolge von der Windenergieanlagen aus dem Binnenland und an Küstenstandorten. Bislang werden Windkraftanlagen vielfach von Bürgerinnen und Bürgern beziehungsweise von Betreibergemeinschaften betrieben. Das Geschäft mit der Windenergie machen also Teile der Bevölkerung. Bei der "Offshore-Windenergie" fließen die Gewinne hingegen großen Energiekonzernen wie E.On und Vattenfall zu. Die Bevölkerung muss dann wie bei der Atomenergie oder bei Kohlekraftwerken den Strom von den großen Energiekonzernen beziehen und die entsprechenden Preise bezahlen.