Erster Angeklagter sagt im Prozess gegen Bundeswehr-Ausbilder aus

"Misshandelt und verletzt"

Im Prozess gegen noch aktive oder ehemalige Ausbilder der Bundeswehr vor dem Landgericht Münster hat am Montagvormittag der erste Angeklagte ausgesagt. Ende Mai 2004 seien zwei Zugführer seines Instandsetzungsbataillons zu ihm gekommen und hätten ihn gebeten, als "Ausbildungshöhepunkt" eine Geiselnahme mit den Rekruten zu simulieren, sagte der damalige Hauptmann und Kompaniechef Ingo S. Er habe der Bitte zugestimmt, weil es sich bei den beiden Zugführern um "vertrauenswürdige Ausbilder" gehandelt habe. Über die Details der Geiselnahme habe er sich damals keine Gedanken gemacht. Er sei davon ausgegangen, dass "nichts Dramatisches" passieren werde.

Ingo S. ist einer von insgesamt 18 Angeklagten, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, in ihrer Funktion als Ausbilder zahlreiche Rekruten der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Coesfeld misshandelt und verletzt zu haben. Den Männern im Alter von 25 bis 34 Jahren drohen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Die ehemaligen Offiziere beziehungsweise Unteroffiziere sollen im Sommer 2004 rund 160 Rekruten bei Übungen entwürdigend behandelt und zum Teil gequält haben. Bei einem der Vorfälle wurden junge Soldaten während einer fingierten Geiselnahme mit verbundenen Augen und gefesselten Händen in eine in der Nähe der Kaserne gelegene Sandgrube gebracht und dort "verhört". Dabei wurden sie aus einer so genannten Kübelspritze mit Wasser bespritzt.

In einem anderen Fall mussten Rekruten offenbar in einem Keller der Kaserne kniend über einen längeren Zeitraum verharren. Sie seien mit kaltem Wasser bespritzt und mit Stromstößen gequält worden.

Für den Prozess sind 45 Verhandlungstage vorgesehen.