Streit um Französisch-Zwang an Gymnasien in Baden-Württemberg

Nähe zu Frankreich

In Baden-Württemberg wächst der Protest gegen die vom Kultusministerium geplante Französischpflicht in den fünften Klassen der Gymnasien entlang der Rheinschiene. Der Karlsruher Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) appellierte am Donnerstag an Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), die Einführung des Französisch-Zwangs zu überdenken. "Verwaltung, Pädagogen und Eltern plädieren einhellig für die Beibehaltung der Wahlfreiheit - und ich musste den Eindruck gewinnen, zu recht", so Fenrich.

Kultusminister Helmut Rau (CDU) hatte zuvor den Vorschlag der FDP-Landtagsfraktion zurückgewiesen, eine Wahlfreiheit der Eltern für die erste Pflichtfremdsprache an den Gymnasien im ganzen Land einzuführen.

Ab dem kommenden Schuljahr soll nach dem Willen des Ministeriums an Gymnasien entlang des Rheins Französisch als verbindlich festgelegte Pflichtsprache in Klasse fünf eingeführt werden, während in anderen Landesteilen auch Englisch als erste Pflichtfremdsprache gewählt werden kann. Als Begründung dieses Sonderwegs wird unter anderem die Nähe zum Nachbarn Frankreich angeführt.

Fenrich sagte, er befürchte, dass durch die Französischpflicht in der fünften Klasse und die damit verbundene Verschiebung des Englischunterrichts auf spätere Klassen eine unüberwindliche Hürde für die Flexibilität beim Schulbesuch errichtet würde. Damit gerate beispielsweise die "Technologieregion Karlsruhe" in eine schwächere Position gegenüber anderen Landesteilen und anderen Bundesländern.