Angeblich verschärfte Haftbedingungen in Guantánamo

"Einzelhaft ohne Tageslicht"

Die US-Behörden haben zuletzt immer behauptet, dass die Gefangenen auf Guantánamo angemessen und würdevoll behandelt würden. Nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International "entsprechen diese Aussagen nicht den Wahrheit". In einem Bericht "über die aktuellen Haftbedingungen im US-Gefangenenlager Guantánamo" behauptet die Organisation, rund 80 Prozent der etwa 385 Gefangenen würden in Einzelhaft fast ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten. "In die stählernen Zellen, in denen die Gefangenen etwa 22 Stunden am Tag verbringen, dringt weder Tageslicht noch frische Luft. Künstliches Licht brennt 24 Stunden, die Insassen werden ständig beobachtet. Ausgang findet stets ohne Kontakt zu anderen Menschen und oft nachts statt, so dass die Gefangenen tagelang kein Sonnenlicht sehen", schreibt die Organisation.

Frühere Tendenzen, die Haftbedingungen zu lockern und mehr Kontakt unter den Gefangenen zu gestatten, seien wieder rückgängig gemacht worden, so Amnesty.

Nach Einschätzung der Organisation sind die Bedingungen im Dezember 2006 eröffneten Camp 6 schlimmer als in "Super-Maximum"-Sicherheitsgefängnissen der USA, die für ihre scharfen Vorschriften berüchtigt seien. "Sie widerprechen nach Auffassung von Amnesty internationalen Standards für menschenwürdige Behandlung von Gefangenen."

Die Organisation fordert, das Lager Guantánamo zu schließen und die Insassen in fairen Gerichtsverfahren vor ordentlichen Gerichten anzuklagen oder freizulassen. Die US-Regierung solle zudem unverzüglich die Haftbedingungen gemäß internationaler Standards gestalten.