Sodann hält Deutschland nicht für eine Demokratie

"Ackermann verhaften"

Der Bundespräsidenten-Kandidat der Linkspartei, Peter Sodann, sorgt mit kritischen Äußerungen über Deutschland für Wirbel. In einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung" sagte Sodann am Donnerstag (16. Oktober) unter anderem, dass er die Bundesrepublik "nicht für eine Demokratie" halte. Sodann kündigte ferner an, dass er als Bundespräsident eine neue Nationalhymne vorschlagen will - und zwar die "Kinderhymne" von Bertolt Brecht. Außerdem sagte der "Tatort"-Star: "Ich hätte gern, dass in dieses Amt etwas mehr Heiterkeit hineinkommt. Und ich würde für die Welthungerhilfe sammeln und mich an die wenden, die in der letzten Zeit so viel Geld angehäuft haben, dass es fast unsittlich ist, es überhaupt anzunehmen. Ich wurde neulich gefragt, was ich machen würde, wäre ich der Polizeikommissar von Deutschland. Da würde ich Herrn Ackermann, den Chef der Deutschen Bank, verhaften. Dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht."

Als Begründung, Bundespräsident werden zu wollen, sagte Sodann: "Mir gefällt unser derzeitiges Leben nicht so. Ich halte es mit Artikel 1 unseres Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Sowohl aus Union und SPD als auch von den Grünen kam scharfe Kritik. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: "So redet sonst nur noch die NPD." Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte, solche Äußerungen beschädigten das Amt "und machen es beinahe zu einer Witzveranstaltung. Es geht hier nicht um irgendeinen Joke, sondern um eine ganz wichtige Funktion in unserem Land." Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Klaas Hübner sagte, Sodann mache sich selbst "nicht wählbar".

Die Bundestagsfraktion der Linken hatte den 72-jährigen am Dienstag als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten im Mai 2009 nominiert. Er tritt damit gegen Amtsinhaber Horst Köhler und die SPD-Bewerberin Gesine Schwan an.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Monika Knoche, sagte: "Vielleicht ist sein heutiger Sprachgebrauch noch sehr auf seine Rolle als Kommissar bezogen und hat noch nicht ganz den sprachlichen Schliff, den ein Bundespräsident zu zeigen hat". Sie betonte: "Natürlich ist Deutschland eine Demokratie."

Sodann sagte der "Sächsischen Zeitung" ferner: "Ich will die DDR nicht wiederhaben. Aber ich lasse sie mir auch nicht nehmen." Auf die Frage, ob er ein "Ostpräsident" wäre, antwortete er: "Naja. Wir im Osten haben immerhin Erfahrungen gemacht, die der Westen nicht gemacht hat, und einen gewissen Vorsprung. Beispielsweise haben wir kapitalistisches in gesellschaftliches Eigentum umgewandelt und sind dabei pleitegegangen. Wir wissen also, wie man diese Umwandlung nicht machen darf. Das muss man auch vermitteln. Deshalb wäre ich als Bundespräsident unbedingt hinterher, dass Bildung und Kultur die oberste Priorität haben. Alles, was der Kulturentwicklung in irgendeiner Weise hilft, arbeitet gegen den Krieg. Ich möchte nicht gern erschossen werden."

Sodann kündigte an, dass er als Staatsoberhaupt zum Papst gehen und mit sächsischem Dialekt sagen würde: "Herr Papst, Se wärn entschuldschn, warum reden Sie nur gegen den Krieg und nennen keine Namen?" Der Schauspieler sagte in dem Interview zudem: "Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Ossis und Wessis? Der Wessi redet mehr, als er weiß. Der Ossi sagt nicht alles, was er weiß."