Sicherheit in Zahlen

Im Energieszenario wird Sicherheit gegen Wirtschaftlichkeit ausgespielt

Die Bundesregierung setzt sich massiv für Laufzeitverlängerungen ein und spricht gleichzeitig davon, dass die Sicherheit der Kernkraftwerke oberste Priorität hat. Im von ihr beauftragten Energieszenario taucht die sicherheitstechnische Nachrüstung der Atomkraftwerke allerdings nur in abstrakten Zahlen auf. Bezeichnenderweise fällt in dem Szenario das Wort Sicherheit auch nur in Bezug auf Versorgung und Planung.

Sicherheit in Zahlen

In den Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung“ (August 2010) werden zwei Annahmen zur Nachrüstung der Atomkraftwerke bei den jeweiligen Laufzeitverlängerungen von 4, 12, 20 oder 28 Jahren betrachtet. Die Gutachter schlagen eine Berechnung nach Laufzeiten vor und setzen 25 Euro/kW pro Jahr Laufzeitverlängerungen an (Ansatz A). Das BMU bezieht immerhin die Kernkraftwerke selbst mit ein (Ansatz B). Der Ansatz des BMU ist mit Mehrkosten verbunden, obwohl die Kraftwerke auch bei diesem Ansatz bei niedrigeren Laufzeitverlängerungen viel weniger nachrüsten müssen.

Vor dem Hintergrund, dass bei vielen Kraftwerken bestimmte Sicherheitsvorkehrungen bereits jetzt dringend notwendig wären, ist dieser Ansatz einer zeitlichen Staffelung höchst zweifelhaft.

Abstrahierte Sicherheit

Von Seite 131 bis Seite 139 vergleichen die Gutachter die beiden Ansätze. Sie beleuchten dabei die ökonomischen Auswirkungen und die möglichen Marktveränderungen. Dabei wird nach eigener Aussage „von einer in der Realität möglichen zeitlichen Struktur der vor Ort im einzelnen zu ergreifenden technischen Nachrüstmaßnahmen abstrahiert.“ (S. 132) Die Annahmen haben also mit tatsächlich notwendigen Maßnahmen nichts zu tun. Auf Basis dieser abstrakten Annahmen beweist das Szenario auf neun Seiten, dass bei geringeren Nachrüstkosten mehr Rentabilität erreicht wird. Sie stellen fest, dass höhere Nachrüstkosten sogar preistreibend wirken (S. 137).

Bürger als doppelte Verlierer

Dabei ist es interessant für wen die Preise niedrig oder hoch sein werden. Die Entlastung bei den Preisen kommt nicht dem Endverbraucher zugute. Auch das wird bereits auf Seite 13 des Szenarios klar. Hier heißt es, dass längere Kernenergielaufzeiten eine Entlastung der Strompreise vor allem für energieintensive Verbraucher bedeutet, diejenigen also, die eigentlich effizienter werden müssten, um im globalen Markt weiter mithalten zu können. Die Bürger haben keine Vorteile. Sie haben nur das erhöhte Risiko.

Die Aktion „Post an Merkel“ läuft und läuft

Für die Bürger ist die Sicherheit keine abstrakte Rechenstatistik. Leere politische Worte bringen da erstmal keine Milderung. Deshalb machen sich die Menschen stark gegen die Atomenergie und versuchen sich Gehör zu verschaffen. Unter anderem auch mit der Aktion „Post an Merkel“. Auf Postkarten können Menschen zwischen Laufzeitverlängerungen, Beibehaltung des Atomkonsenses oder sogar einem schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie wählen. Die Postkarten werden seit Juni in regelmäßigen Abständen und in steigender Anzahl an Frau Bundeskanzlerin Merkel geschickt. Am 16. September erhält Frau Merkel mit der 48. Sendung heute demnach 48 Postkarten.

Mit jeder Sendung informieren Umweltorganisationen das Kanzleramt über markante Zahlen und Daten aus dem Bereich Erneuerbare Energien oder Kernkraft. Mittlerweile liegen über 1.500 ausgefüllte Postkarten vor. Die Menschen fordern eine konsequente und schnelle Förderung der Erneuerbaren Energien und wollen den Atomkonsens wie geplant beibehalten oder sogar einen schnelleren Ausstieg aus der Kernenergie. Nach vorsichtigen Schätzungen der Teilnehmer stehen hinter den Aussagen der Menschen zusätzlich über 25.926 Bekannte, Freunde und Verwandte. Dabei wurden übertriebene Schätzungen nicht berücksichtigt. Die Aktion wurde initiiert von Energie in Bürgerhand, Mütter gegen Atomkraft, projekt21plus und WECF.

Relevante Zahlen von Nummer 45 bis 48

Jeden Tag bekommt Frau Merkel einen Brief mit relevanten Fakten passend zur Postkartenanzahl. Folgende Informationen erreichten die Bundeskanzlerin vom 10. bis zum 16. September:

45 Karten für 1945 1945 warfen die USA zwei Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Durch die Druckwelle, die entstandene Hitze und die Strahlung starben in Hiroshima 70.000 Menschen sofort, in Nagasaki etwa 22.000. Eine Studie von Dr. Takeshi Ohkita beobachtete die folgenden 5 Jahre und geht von weiteren 200.000 Todesfälle durch radioaktiven Fallout und Krebs aus.

46 Karten für 46 Reaktoren In Deutschland stehen insgesamt 46 Reaktoren. 25 sind allerdings bereits abgeschaltet und müssen als radioaktiver Abfall entsorgt werden. 17 Kernkraftwerke laufen noch. Zusätzlich sind 4 Forschungsreaktoren in Betrieb.

47 Karten für 47% Nach einem vorsichtigen Szenario des Bundesverbandes Erneuerbare Energien können wir in Deutschland bis 2020 47% Erneuerbare Energien im deutschen Stromnetz haben. Dafür benötigen wir Regelenergie, intelligente Netze und Speicherkapazitäten. Laufzeitverlängerungen wirken als Ausbaubremse.

48 Karten für 48 Stunden Nach nur 48 Stunden richteten sich bei einer Emailaktion vom 6. September 2010 über 50.000 Unterzeichner gegen die Atompläne der Berliner Regierung. Am 13. September zählte campact fast 87.000 versandte Mails an die Kanzlerin.

Alle Briefe an Frau Merkel und viele weitere Informationen stehen auf der Webseite www.nein-zu-atomkraft.de/mitmachen3.html als Download zur Verfügung.

Für Fragen steht Ihnen Frau Trudel Meier-Staude (089-35653344 oder 0177-598 33 97) von projekt21plus gerne zur Verfügung.