Putins Kommunikation – die Sprache der Macht

Kommunikation im Alltag (3)

Putins Sprache der Macht Als Wladimir Putin vor wenigen Tagen seinen – wie auch immer errungenen – Wahlsieg feierte, war auch sein Kommunikationsstil von Interesse für die Medien. Sie berichteten u.a., er spreche die Sprache der Sieger. Das hat im Falle Russlands zwei Bedeutungen: zum einen wählt Putin bewusst Formulierungen, die den Geist des Großen Vaterländischen Krieges und der Folgezeit, als man gemeinsam den Kommunismus aufbauen wollte, wieder heraufbeschwören. Zum anderen stellt er sich selbst als Sieger, als einen Siegertypen dar und verhält sich entsprechend. Putin ist in Russland umstritten. Er hat sich entschlossen, das zu ignorieren und verfolgt stur seine eigenen Ideen. Jeden Widerspruch erstickt er im Ansatz. Seine Gegner haben keine Chance ihre Stimme zu erheben. Sie werden entweder bedroht oder lächerlich gemacht. Entsprechend verhält sich ein zunehmender Teil der Opposition: er schweigt. Aber auch dieses Schweigen ist Widerstand. Der einzige, der momentan offenbar möglich ist.

So klingt Machtgehabe

Putin spricht eindeutig die Sprache der Macht. Doch wie äußert sich diese Sprache? Woran erkennt man sie? In Putins Fall sind es folgende Instrumente, die benutzt werden: permanente Selbstdarstellung, keinerlei Zweifel, stetige Wiederholung populärer Phrasen, Verdrehen der Wahrheit – meist durch geschicktes Weglassen von Fakten, Ignorieren jeglicher Einwände, Vorgaukeln von Entgegenkommen.

So oder ähnlich waren zu allen Zeiten und sind es noch heute diktatorische Herrscher zu erleben. Putin bestreitet zwar vehement, er sei ein Diktator. Ja, er bezeichnet sich als Demokrat und wird darin nach Kräften von Altbundeskanzler Schröder bestätigt. Diese Unterstützung – selbst rechtzeitig organisiert, ja erkauft – ist ebenfalls ein Zeichen oben genannter Herrscher. Putins Selbstdarstellung ist gut erkennbar an der Fotosammlung im Internet, die vor der Wahl veröffentlicht wurde und die ihn u.a. als Tierliebhaber, Motorradfan und Sportsmann zeigt. Nur keine Zielgruppe auslassen! Das erinnert an amerikanische Wahlkämpfe. Doch geht es hier um Wahrheit? Nein, es geht um gezielte Verführung der Massen.

Kennzeichnend für eine Macht-Sprache ist auch die rigorose Kommunikation mit Andersdenkenden. Die Bedrohung oder Verhöhnung und damit die Kaltstellung seiner Gegner gelingt Putin deshalb so gut, weil er alle offiziellen Medien gleichschalten ließ. Nur keine Zweifel zulassen! Im Gegenteil: Gesprächsangebote machen, die so unklar wie unwahr sind, dass die Opposition gar nicht darauf eingehen kann ohne sich selbst zu verraten.

Nicht nur in Russland...

Die Sprache der Macht – kommt Sie Ihnen nicht inzwischen bekannt vor? Wo haben Sie sie schon gehört? Richtig. Bei diversen Politikern in Deutschland. Richtig. Bei diversen Wirtschaftsbossen. Vielleicht sogar bei Ihrem Chef? Oder gar einem Familienmitglied?

„Lass mich hören, wie Du sprichst – und ich sage Dir, wer Du bist“ möchte ich an dieser Stelle schreiben. Denn die wirklich interessante Frage lautet doch: Warum und wann wenden Menschen diese Macht-Sprache – keinen Widerspruch duldend, dominant, selbstgefällig, aggressiv – an?

Die Antwort wird Sie vielleicht überraschen: wenn sie Angst haben. Angst vor Veränderung, Angst vor Neuem, Angst vor Machtverlust, Angst das Gesicht zu verlieren, Angst vor der Wahrheit. Denn ziemlich oft ist die Wahrheit etwas anderes, als das was nach Außen gezeigt wird.

Und Putin hat Angst: Angst seine Macht zu verlieren, seinen Einfluss, seine Position. Hinzu kommt, dass er nur das gelernt hat – beim KGB, im sowjetischen Machtapparat: Du oder ich. Der Starke besiegt den Schwachen. Die Geschichte interessiert sich nur für Sieger.

Seinen persönlichen Anspruch ans Leben, für alle Zeit ein Sieger zu sein, setzt Putin hemmungslos durch – egal was das russische Volk inzwischen will. Auch typisch für Diktatoren. Demokratie sieht anders aus.

Bleibt noch die Frage, wieso Menschen wie Putin an die Macht kommen. Ganz einfach: Solange die Masse einen starken Führer wünscht, wird sie ihn bekommen. Solange Menschen ihre Macht an andere abgeben, wird es Mächtige geben.

Uta Pleißner - Bewusste Kommunikation