Diomedes-Inseln - der ganz besondere Urlaub

Jedem seine Zeitmaschine

Jedem seine Zeitmaschine. Diomedes-Inseln - der besondere Urlaub.Man stelle sich folgendes vor. Da geht jemand ins Reisebüro und äußert folgenden Wunsch: „Ich möchte Silvester gerne an einem Ort verbringen, wo ich innerhalb von 24 Stunden zweimal auf das neue Jahr anstoßen kann. Sollte zu dem Termin nichts mehr frei sein, dann möchte ich auf diese Weise zumindest zweimal meinen Geburtstag feiern.“ Die junge Mitarbeiterin, eine studentische Hilfskraft, schüttelt energisch den Kopf. „Unmöglich, wir fliegen unter anderem mit Condor – eine Zeitmaschine können wir ihnen noch nicht bieten. Am besten, sie lesen mal bei Einstein nach oder buchen ihre Reise gleich beim CERN.“ Ihre ältere Mitarbeiterin, eine erfahrene Globetrotterin, korrigiert: „Ich hätte da was Passendes für Sie. Dort müssen Sie sich aber zu Silvester buchstäblich warm anziehen“.

Wo man zweimal im Jahr seinen Geburtstag feiern kann

Das kuriose Fleckchen Erde besteht aus zwei benachbarten Inseln in der Behringsee, die gerade mal 4 Kilometer voneinander entfernt sind. Auf beiden Inseln gehen die Uhren gleich, aber der Zeitunterschied beträgt 24 Stunden, denn mitten zwischen ihnen verläuft die Datumsgrenze. Die Große Diomedes-Insel im Westen, auch Ratmanow-Insel genannt, ist russisches Territorium. Dort ist die Zeit immer um einen Tag voraus. Die Kleine Diomedes-Insel, im Englischen als „Little Diomede“ bezeichnet, gehört zum US-Bundesstaat Alaska.

Beide Inseln sind bewohnt. Auf der großen Diomedes-Insel leben im Hauptort Ratmanova 400 Tschuktschen, die ihre Insel in der Eingeborenensprache als Imaqliq bezeichnen. Als Inaliq bezeichnen hingegen die auf der Kleinen Diomedes-Insel lebenden 150 Inuit ihre Heimat, deren bunte Holzhäuser sich um den kleinen Fischereihafen des Dorfes Diomede scharen. Wen das ultimative Abenteuer lockt, der könnte in Ratmanova mit den Einheimischen beim Wodka seinen Geburtstag feiern, sich am nächsten Tag in 30 Minuten auf die kleine Diomedes-Insel übersetzen lassen und exakt 24 Stunden später beim Whisky mit den Inuit anstoßen.

Einen Rekord besonderer Art stellte im August 1987 die US-amerikanische Schwimmerin Lynne Cox auf, die die Meeresenge zwischen den beiden Inseln erstmals schwimmend überwand. Für diese Pioniertat wurde sie sowohl von Ronald Reagan aus Washington als auch von Michail Gorbatschow aus Moskau beglückwünscht. Die Entfernung war nicht die Herausforderung, sondern vielmehr die Wassertemperatur der arktischen Behringsee, die auch im Hochsommer selten über + 4 °C hinauskommt.

Rolf Froböse „Die 40 kuriosesten Inseln“.