Wetter: Die Kunst der Gelassenheit

<<Wunderliche Welten>>

Hoffentlich haben Sie die letzte Woche genossen, denn hierbei hat es sich um den Sommer 2012 gehandelt. Ich jedenfalls streckte meine Nase bis an die Grenze zum Sonnenstich unserem Zentralgestirn entgegen. Obwohl mein Gatte mir permanent mit dem Aufziehen der Sommerreifen in den Ohren gelegen hat, habe ich doch lieber gemütlich auf meiner Sonnenliege auf der Terrasse gelegen und dem Vögeln beim Nestbau zugeschaut.

Reichlich Baumaterial hatte ich ihnen ja zur Verfügung gestellt, indem ich die Unterwolle unseres Bernersennhundes nicht entsorgt, sondern für die emsigen Piepmätze in einen Behälter gefüllt und gut sichtbar platziert hatte. Und, was soll ich sagen? Sie haben den ganzen Hund verbaut! Gegen Nachschub direkt von der Quelle hatte Winston Churchill - so heißt der Hund - aber denn doch einiges einzuwenden.

Leider hat die Sonne den Nachteil, dass sie im Haus jede staubige Ecke gnadenlos anstrahlt. Da braucht es schon einen starken Charakter, um nicht in die Frühjahrsputzwut zu verfallen, und still in der Sonne liegen zu bleiben, was ich auch meinem Ehemann haarklein auseinander gelegt habe, als er einmal eben mit dem Zeigefinger über das schwarz lackierte Klavier im Wohnzimmer fuhr, und nach draußen kam, um mir diesen Finger zu präsentieren. Aber ich sage nur - Willenskraft.

Ich habe sowieso den Verdacht, dass es sich bei dem plötzlich einsetzenden Reinigungstrieb der Hausfrauen um einen sublimierten Sexualtrieb handelt, was ich meiner besseren Hälfte auch ausführlich erläutert habe.

Unsere klimatischen Verhältnisse sind eben so, dass jeder schöne Tag ausgenutzt werden muss, denn, um sich warm zu arbeiten, gibt es Gelegenheiten genug. Außerdem hat es einen gewissen ästhetischen Reiz, wenn die Staubfäden im hellen Sonnenlicht tanzen. Aber den meisten Männern fehlt ja jeder Sinn für Schönheit. Naja, die Sommerreifen habe ich aufziehen lassen, woraufhin der Wetterbericht Schnee- und Graupelschauer vermeldete. Aber so ist das männliche Geschlecht. Im prospektiven Gehorsam wird überstürzt gehandelt und was das für unsere Erde bedeutet, sieht man jetzt wieder überdeutlich am Gas-Leck der Bohrinsel. Da wird bis in tiefste Tiefen gebohrt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie dort unten Reparaturen zu bewerkstelligen sind. Da wäre es doch besser gewesen, die Leute von Total hätten sich friedlich in die Sonne gesetzt, mit der einen oder anderen Solaranlage im Gepäck. Überstürztes Handeln birgt das Wort Sturz bereits in sich!

Eine Frau würde niemals eine Toilette erwerben, bei der es Stellen gibt, die man partout nicht reinigen kann. Einer Hausfrau im Team wäre die Unzugänglichkeit sofort aufgefallen! Genau so, wie es mir jetzt im Nachhinein auffällt, dass wir besser ein weißes Klavier gekauft hätten.

Elke Beiderwellen