Klimawandel Folgen - Beobachtungen und Berichte aus 20 Jahren

Weltklimagipfel - Kompromisspapier für Klimakonferenz

Mit seinem Kompromisspapier will der Vorsitzende des Bonner Weltklimagipfels, Jan Pronk, Japan, Kanada, Australien und Russland für die Annahme des Kyoto-Protokolls gewinnen. Der Vorschlag ist Grundlage für die endgültige Abstimmung über die internationale Vereinbarung zur Reduzierung von Treibhausgasen. Durch die Anrechnung von Waldflächen, die CO2 nur zeitlich befristet binden können, soll das Reduktionsziel von Kyoto in Höhe von von 6 Prozent weiter aufgeweicht werden. Am Rande des Klimagipfels sind Umweltschützer am Wochenende mit Mahnwachen, Demonstrationen und bunten Aktionen friedlich für ihre Anliegen eingetreten. Höhepunkt war ein Demonstrationszug des BUND und von Friends of the Earth mit 4.000 Teilnehmern, die am Samstag ein symbolisches "Rettungsboot für den Klimavertrag" von der Bonner Innenstadt bis zum Konferenzgelände zogen. Greenpeace kritisierte am Sonntag, dass seit der Rio-Konferenz beim Klimaschutz "nichts als Karneval" herausgekommen sei.

Nach dem vorliegenden Kompromissvorschlag soll jedes Land eine bestimmte Menge an CO2-Gutschriften für Wald- und Agrarflächen erhalten. Laut WWF kann Kanada nach dem Pronk-Vorschlag wegen seiner großen Waldflächen 18,7 Millionen Tonnen CO2 von seinem ursprünglichen Minderungsziel von sechs Prozent abziehen. Dadurch sänke die Reduktionsverpflichtung auf rund fünf Prozent bis 2012. Die CO2-Verpflichtung Japans würde sich danach von acht auf etwa ein Prozent verringern.

Für die Finanzierung der Klimaschutzpolitik schlägt Pronk die Einrichtung von Fonds für die ärmsten Länder der Erde und für die Entwicklungsländer des Kyoto-Protokolls vor. Wer wie viel jeweils in diese Fonds einzahlen muss, bleibt offen. Die EU hatte angekündigt, einen größeren Betrag zu übernehmen. Zahlen liegen noch nicht vor. Ferner soll es einen Technologie-Transfer zwischen Entwicklungs- und Industriestaaten geben.

Für die Überwachung soll ein Kontroll-Gremium eingerichtet werden, dass bei Verstößen gegen das vereinbarte CO2-Reduktionsziel Maßnahmen gegen ein Land ergreift. Für jede Tonne CO2, mit der ein Land sein Reduktionsziel in der ersten Erfüllungsperiode von 2008 bis 2012 überschreitet, muss es in der darauffolgenden Periode 1,3 Tonnen CO2 zusätzlich einsparen. Hauptsächlich zielt der Vorschlag darauf, Verstöße gegen die globale Erwärmung wiedergutzumachen und keine hohen Strafgelder zu verhängen.

Auf den Schiffsrumpf des 30 Meter langen "Rettungsboots für den Klimavertrag" waren 2.000 Holzplanken genagelt, die mit Forderungen und Kommentaren zum Klimagipfel beschriftet waren. Darauf war unter anderem zu lesen: "Der Regen ist sauer - wir auch", "Die Erde kann nicht mehr!" oder "Niemand darf den Klimavertrag zerstören".

Die Polizei verweigerte rund 200 Menschen die Teilnahme an dem Demonstrationszug und löste deren Versammlung auf. Wegen technischer Probleme wie geplatzter Reifen traf die friedliche Demonstration mit zweistündiger Verspätung am Konferenzort ein. Die UN zeigte sich kooperativ, in dem sie die Absperrungen um das ansonsten streng gesicherte Gelände für kurze Zeit aufhob.

Die Veranstalter BUND und Friends of the Earth hatten bereits beim vorangegangen Klimagipfel im November in Den Haag mit einer ungewöhnlichen Protestaktion auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Weil der Klimawandel voraussichtlich einen Anstieg des Meeresspiegels hervorrufen wird, bauten die Umweltschützer symbolisch einen Deich um das Tagungsgebäude.

Am 22-07-2001

Klimaerwärmung

Etwa ein Drittel aller in Deutschland zugelassenen Pkw sind mit einer Klimaanlage ausgestattet. Bei Erstzulassungen deutscher Marken beträgt die Ausrüstungsquote bereits fast 87 Prozent. Als Kältemittel dient heute Tetrafluorethan (R 134a), ein teilfluorierter Kohlenwasserstoff (HFKW), dessen Emissionen zur Erwärmung der Atmosphäre beitragen. Bereits im Jahr 2000 entsprach allein in Deutschland der Ausstoss von Treibhausgasen aus Auto-Klimaanlagen einer Grössenordnung von rund 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Auch mit regelmässig durchgeführten Wartungen sind diese Emissionen nicht zu vermeiden.

Dieses Ergebnis geht aus einer Studie hervor, die im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) vom Büro für Umweltforschung und Beratung (Öko-Recherche), Frankfurt/Main, erstellt wurde. Der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge, appelliert deshalb an die Autofahrerinnen und Autofahrer: "Eine Klimaanlage steht beim Autokauf bei vielen auf der Wunschliste. Das erhöht sicher den Fahrkomfort. Es führt aber auch zu deutlich höherem Kraftstoffverbrauch. Ausserdem entweichen bei jeder Klimaanlage Kältemittel, die das Klima schädigen. Autofahrer sollten deshalb überlegen, ob im Interesse der Umwelt und ihres eigenen Geldbeutels eine Klimaanlage wirklich erforderlich ist."

Aus jeder Pkw-Klimaanlage entweichen im Durchschnitt etwa 8,2 Prozent des Kältemittels pro Jahr in die Atmosphäre. Hinzu kommen Emissionen bei der Fahrzeugentsorgung oder -verschrottung. Pkw-Klimaanlagen fördern somit direkt durch die Kältemittel-Emissionen und indirekt durch die zusätzlichen CO2-Emissionen wegen des deutlich höheren Kraftstoffverbrauchs den Treibhauseffekt.

Am 13-02-2002

Klimafonds statt Katastrophenfonds

Angesichts der jüngsten Naturkatastrophen fordern Klimaexperten und die Grünen eine Neuausrichtung der Energiepolitik. Deutschland könne eine Spitzenposition in Europa bei der Nutzung erneuerbarer Energien erlangen und mittelfristig bis zu 50 Prozent seines Energiebedarfs dadurch decken, sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), Johannes Lackmann, am Donnerstag in Berlin. Gegenwärtig liegt dieser Anteil bei acht Prozent. Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer betonte nicht nur den Umwelt-, sondern auch den wirtschaftspolitischen Effekt. Mit rund 130 000 Arbeitplätzen biete der Bereich heute schon mehr Stellen als die Atom- und Kohleenergie zusammen.

Der Umweltexperte Carlo Jaeger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wies darauf hin, dass in den letzten 100 Jahren die Erderwärmung nachweisbar angestiegen sei und gleichzeitig die Zahl von Naturkatastrophen zugenommen habe. Der Zusammenhang von Klimaveränderung und zunehmenden Überschwemmungen sei "so klar wie der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs". In den kommenden Jahrhunderten werde sich dieser Trend verschärfen. Jaeger regte zugleich an, den jetzt von der Europäischen Union erwogenen Katastrophenfonds in einen Klimafonds umzuwandeln und vorbeugende Maßnahmen daraus zu finanzieren.

Fischer erinnerte an die lange Debatte um die rot-grüne Energiewende. Allein durch Windkraft würden mittlerweile 10 000 Megawatt produziert, was der Leistung zweier Atomkraftwerke entspreche. Auch die Nutzung der Solarenergie sei mit dem 100 000-Dächer-Programm gut vorangekommen.

BEE-Präsident Lackmann wandte sich gegen den Vorwurf vor allem der FDP, erneuerbare Energien könnten immer nur ein Nischenprodukt sein und dürften aufgrund von Wettbewerbsgleichheit nicht länger subventioniert werden. Die Förderung solcher Programme sei "deutlich kostengünstiger als das Reparieren von Schäden", sagte Lackmann. Zudem dürfe angesichts der internationalen Konflikte, die sich zunehmend um den Zugang zu Ressourcen drehten, eine dezentrale Energieerzeugung nicht unterschätzt werden.

Am 29-08-2002

Klimaveränderung

Ein Satellit zur Beobachtung der Eisdecke, ist am Sonntag von der Airforce- Base Vandenberg in Zentral-Kalifornien in die Erdumlaufbahn geschossen worden. ICESat soll den Forschern genauen Aufschluss über Veränderungen der Eisdecken in der Arktis und Antarktis liefern. Die Ergebnisse der Forschungsberichte sollen zu Modellen für die Berechnungen herbeigezogen werden, wie sich ein steigender Meeresspiegel aufgrund schrumpfender Gletscher und Eisdecken auswirken würde. Nach Angaben von BBC-News warten die Geo-Forscher bereits seit 30 Jahren auf einen solchen Satelliten.

Gemeinsam mit ICESat wurde auch noch ein zweiter Satellit mit ins All geschossen: Der "Cosmic Hot Interstellar Plasma Spectrometer" (CHIPSat) soll Astronomen helfen die heißen Gase, die zwischen den Sternen liegen, zu vermessen. Die Software, die zur bildlichen Darstellung der Eisregionen verwendet wird, stamme von Forschern der Ohio State University berichtet BBC. Mit Hilfe von einem radarähnlichen System namens "Light Detection and Ranging" (Lidar) werde das Eis vermessen. Das System nutzt die Lichtreflexionen der Erdoberfläche aus und könne so erkennen, ob eine Eisfläche schrumpft, gleichbleibt oder sich ausdehnt. Besonders die McMurdo Dry Valleys, die größten eisfreien Gebiete der Antarktis, seien dazu geeignet. Dort könne genau gemessen werden, wie sich die Eisflächen rund um das Gebiet entwickeln. "Die Messung in den trockenen Tälern ist sehr schwierig, weil die freigelegten Felsen sehr dunkel sind und das Eis sehr hell ist", erklärt Bea Csatho, Forschungsleiterin am Ohio State’s Byrd Polar Research Center. "Diese Kontrastunterschiede können zu Fehlern in den Lidar- System-Messungen führen", meint die Wissenschaftlerin.

Messungen in der Stadt Ocean City haben die Wissenschaftler dazu veranlasst, das System nach den hellen und dunklen Stellen zu justieren. "Auch Hausdächer und unterschiedliche Niveaus von Gebäuden weisen schwierige Strukturen auf", erklärt Tony Schenk, Professor für Bauingenieurswesen und Geodäsie, der die Software entwickelt hat. Das neue System könne auch die geografischen Niveauunterschiede einfach feststellen.

Am 13-01-2003

Seuchen

Eine Verbindung zwischen Klimaveränderung und dem Auftreten der Cholera in vielen Ländern der Welt ist nach Ansicht von Forschern der Universität von Michigan evident geworden. Eine Veränderung der Ökologie des Planeten bringe somit auch ein verändertes Auftreten der Erkrankung mit sich, erklärten die Wissenschaftler beim jährlichen Treffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Denver. Die Ökologin Mercedes Pascual und ein Forschungsteam der Universität von Barcelona hätten gemeinsam mit dem International Center for Diarrhoeal Disease Research in Bangladesch einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten des El Nino-Southern Oscillation (ENSO)-Prinzips, das die Wetterabläufe weitgehend bestimmt, und dem Auftreten von Cholera- Epidemien entdeckt.

Die Forscher hätten dazu Daten zwischen 1893 bis 1940 mit denen von jüngeren Zeiträumen verglichen. "In Zeitabschnitten, in denen die Temperaturen extrem anstiegen, gab es mehr Cholera-Erkrankungen als in Zeiten, in denen der El Nino für niedrigere Temperaturen sorgte", so die Forscherin. Mit Vorhersagen, dass der El Nino in Zukunft noch stärker sein könnte, ergebe sich für diese Gebiete ein sehr hohes Risiko für weitere Cholera-Epidemien.

Es sei allerdings oft schwierig festzustellen, ob die Krankheit sich nach den Umweltfaktoren stark verbreite oder ob sie sich nach internen Übertragungszyklen regele, so die Wissenschaftlerin. Pascual betont, dass dieses Ergebnis beweise, dass Umweltfaktoren und Epidemien in enger Korrelation zueinander stünden. Ökologie und Evolutionsbiologie gäben so Aufschluss darüber, wie sich Krankheiten und Erreger weiterverbreiten. "Wenn sich Krankheiten einen Wirt teilen, dann ist es mit dem Kampf verschiedener Spezies um eine Ressource zu vergleichen", erklärt die Wissenschaftlerin. Eine wichtige Frage dabei sei aber, wie diese zusammen leben.

Am 18-02-2003

Weltklima

Wissenschaftler der Universität Mainz haben anhand von 8,2 Millionen Jahren alten Korallenriffen vor der Insel Kreta wichtige Erkenntnisse über Klimamodelle erhalten. Die Experten wollen damit der Frage nachgehen, welche Klimazustände auf der Erde grundsätzlich möglich sind. Die Fragen, wie warm oder wie kalt es auf der Erde sein könne, bevor es zu einer ökologischen Katastrophe kommen werde, oder wie schnell das Weltklima von einer Warm- in eine Kaltphase wechseln kann, steht im Mittelpunkt des Jahrestreffen der paläontologischen Gesellschaft in Mainz.

Die Korallenriffe Kretas eigneten sich dafür besonders gut: Sie seien sehr gut zugänglich und erlaubten damit einen Einblick in die damalige Welt und eine Rekonstruktion des damaligen Klimas. "Auch vor 8,2 Millionen Jahren traten jahreszeitliche Temperaturänderungen auf, die mit den heutigen durchaus vergleichbar waren. Auch damals gab es mittel- und langfristige Änderungen, die sogar zum zeitweisen totalen Absterben der Korallenriffe führten", so Thomas Brachert vom Institut für Geowissenschaften an der Universität von Mainz. Diese so genannten Riffkrisen wären im ganzen Mittelmeer-Raum zu beobachten und gingen auf globale Abkühlung zurück. "Tiefgreifende klimatische Änderungen im Klima gab es auch ohne Einflussnahme des Menschen", führt der Experte aus.

Natürliche Klimaarchive hätten allerdings oft den Nachteil, dass sie unvollständig seien oder wie die Stärke von Jahresringen von Bäumen keine absoluten Klima- oder Wetterdaten lieferten. Rifforganismen wie Korallen oder Schwämme bildeten eine Ausnahme, da sie massive Skelette aus Kalk aufbauten. Diese Korallenskelette hätten einen schichtigen Aufbau, der den Wechsel der Jahreszeiten widerspiegele. "Die Schichten markierten jährliche Zuwachsraten, analog den Jahresringen von Bäumen, denn bei kühleren Temperaturen wuchsen die Korallen langsamer als bei wärmeren und damit günstigeren klimatischen Bedingungen", führt der Experte aus. Mit chemischen Methoden wie der Messung der Sauerstoffisotopen-Zusammensetzung des Skelettkalkes könnten den jeweiligen Lagen die damaligen Wassertemperaturen zugeordnet werden. "Auch für derzeit lebende Korallen lässt sich über diese Methode der jahreszeitliche Temperaturgang exakt rekonstruieren und der Zeitraum verlässlicher Wetterdaten auf die vergangenen 500 Jahre ausdehnen", so Brachert. Daher seien fossile Korallen aus der geologischen Vergangenheit hervorragend als Klimazeugen geeignet.

"Korallenriffe sind in der Erdgeschichte und heute wichtige Klima-Puffer, da sie über geologische Zeiträume vulkanisch freigesetztes CO2 in großem Umfang in ihre Skelette einbauen", erklärt der Wissenschaftler. "Sie tragen neben anderen Prozessen wesentlich dazu bei, den Treibhauseffekt "abzupuffern". "Es ist den Korallenriffen zu verdanken, dass das Klima seit dem Kambrium, also seit 570 Millionen Jahren, annähernd stabil geblieben ist. Denn sonst hätten wir längst klimatische Verhältnisse wie auf der Venus", führt der Experte aus.

Am 07-07-2003

Klimaveränderung

Wissenschaftler der Universität von Göttingen haben in einem Forschungsprojekt in Costa Rica eine entscheidende Entdeckung gemacht: Beträchtliche CO2-Mengen könnten aus den tieferen Bodenschichten eines Tropenwaldes freigesetzt werden und so den Treibhauseffekt fördern. Das Abholzen der Bäume steigere daher die CO2-Emissionen dramatisch, berichten die Forscher. Zusammen mit Ökologen aus Costa Rica und den USA haben die Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Bodenkunde und Waldernährung sechs Jahre lang die Kohlenstoffkonzentration in den Böden sowie die Freisetzung und Speicherung von CO2 untersucht.

Nach den jüngsten Ergebnissen geben auch ungestörte tropische Wälder vermehrt Kohlendioxid in die Erdatmosphäre ab, wenn es zu einem Temperaturanstieg im Zuge der globalen Klimaentwicklung komme, berichtet Forschungsleiter Edzo Veldkamp in den internationalen Fachzeitschriften "Global Change Biology" und "Biogeochemistry".

Die Zunahme der Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre sei also nicht nur die Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe, sondern auch der Abholzung tropischer Regenwälder. Bisher haben die Wissenschaftler angenommen, dass diese zusätzliche CO2-Emission aus den oberen Bodenschichten der abgeholzten Flächen stammt. Die Forscher konnten nun zeigen, dass in den tiefern verwitterten Bodenschichten sehr viel mehr Kohlenstoff enthalten ist als bisher angenommen. "In vielen Teilen der Tropen sind die Böden viel älter und mit bis zu 50 Metern sehr viel tiefer als Waldböden in Mitteleuropa, da sie nicht von den Eiszeiten berührt wurden", erklärt der Forscher. Die bisherige Annahme, der in tiefen Bodenschichten gespeicherte Kohlenstoff sei eingeschlossen und könne nicht von Mikroorganismen zu Kohlendioxid abgebaut werden, wurde von den Forschern widerlegt.

Die Forschungsergebnisse aus Costa Rica zeigten, dass noch in vier Metern Tiefe Mikroorganismen vorhanden seien, die den Kohlenstoff abbauten. "Wenn diese Gebiete abgeholzt werden, kann es so zu einer unerwartet hohen Freisetzung von Kohlendioxid kommen", erklärt der Wissenschaftler. Doch könne auch der Schutz der Bestände möglicherweise nicht verhindern, dass in Zukunft vermehrt CO2 aus den Tropenwäldern in die Atmosphäre abgegeben werde. Die Forscher hätten in ungestörten tropischen Wäldern Indizien gefunden, dass schon ein geringer Temperaturanstieg zu einer vermehrten CO2-Produktion in den tieferen Bodenschichten führe. "Tropische Regenwälder sollten nicht in andere Landnutzung umgewandelt werden. Aber selbst dies kann möglicherweise nicht verhindern, dass sie in Zukunft erhöhte Mengen an Kohlendioxid abgeben", erklärt Veldkamp. Auf die Frage, ob ein Tropenwald dem Treibhauseffekt entgegenwirken könnte, sei das Ergebnis allerdings ernüchternd gewesen. Die Speicherung verlaufe so langsam, dass sie nur über mehrere Jahrtausende wirksam werde.

Am 20-08-2003

Kein Schnee mehr

Hunderte Skigebiete werden auf Grund der Klimaerwärmung wegen Schneemangels ihre Kundschaft verlieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der UNEP in Auftrag gegebene Studie, die jetzt vorgestellt wurde. Betroffen davon seien praktisch alle Länder, die vom Wintertourismus leben. In Österreich werde die Schneegrenze in den kommenden 30 bis 50 Jahren um 300 Höhenmeter nach oben wandern berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Die unsichere Schneelage in tieferen Zonen wird nach Angaben der Studie dazu führen, dass im Alpenraum immer höhere und damit ökologisch sensiblere Gebiete zu Fremdenverkehrsregionen und Schigebieten umgewandelt werden, so Studienleiter Rudolf Burki von der Universität Zürich.

Burkis Team hatte zur Ermittlung der Zukunftsszenarien der Wintersportorte die Temperaturtabellen des UN-Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC herangezogen. Darin sind die Berechnungen von weltweit mehr als 2.000 Klimaexperten einbezogen. Ein Skigebiet wurde als "schneesicher" bezeichnet, wenn in sieben von zehn Wintern (in der Zeit von Dezember bis Mitte-April) die Schneedecke an mindestens 100 Tagen 30 bis 50 Zentimeter betrug.

In der Schweiz seien danach 85 Prozent der 230 Schiresorts als "schneesicher" zu bezeichnen. Nach dem IPCC-Szeneraio könnte diese Zahl auf 44 Prozent fallen. Auch die Schigebiete in Italien und in Deutschland würden aufgrund der geringen Höhenlage dramatische Schneeverluste hinnehmen müssen. Am besten würden noch die Wintersportgebiete in den amerikanischen Rocky Mountains wegkommen: Sie lägen alle in höheren Lagen und würden dadurch von den Folgen verschont bleiben.

Nach Angaben des Studienleiters Burki gibt es in den Berechnungen aber dennoch Unsicherheitsfaktoren. Das IPCC geht nämlich von einer Temperatursteigerung von 1,4 bis 5,8 Grad Celsius bis 2100 aus. Im positiven Fall, wenn nämlich die Treibhausgas-Emissionen wirklich drastisch reduziert werden würden, könne der Wintersport in den Skigebieten weiterhin so bleiben wie heute, führt der Experte aus.

UNEP-Generaldirektor Klaus Töpfer sieht die größten Gefahren der globalen Erwärmung aber immer noch in den extremen Wettersituationen, die zu einer Zunahme von Trockenperioden, Überflutungen und Wirbelstürmen führen werden. Betroffen davon seien dann in erster Linie die Ärmsten der Armen sein. "Die Studie zeigt aber deutlich, dass auch die Industriestaaten von den Folgen der globalen Erwärmung nicht verschont bleiben werden. Die Folgen werden massive Veränderungen nicht nur in der Umwelt, sondern auch in der Wirtschaft sowie in sozialen und kulturellen Bereichen nach sich ziehen", so Töpfer. Die Studie wurde anlässlich der 5. Weltkonferenz für Sport und Umwelt, die derzeit in Turin stattfindet, vorgestellt.

Am 03-12-2003

Wetter-Extreme

Klimaexperten sind bei einer Konferenz in Neuseeland zum Schluss gekommen, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung den Pazifikraum bereits voll erfasst haben. Die vorhergesagten Wetterkapriolen sind tatsächlich eingetreten, berichten sie im New Zealand Herald. Unter anderem falle der größte Teil der jährlichen Niederschläge innerhalb von vier Regentagen. Der Rest des Jahres bleibe viel zu trocken. "Die Extreme sind am deutlichsten in den tropischen Gebieten Südostasiens und auf den pazifischen Inseln bemerkbar", so Blair Trewin vom Australian Meteorological Office.

"In Neuseeland sind die Auswirkungen nicht so deutlich ausgeprägt", berichtet Jim Salinger vom National Institute of Water and Athmospheric Research (NIWA). Die ersten Auswirkungen seien aber Ausformungen von extremen Wetterbedingungen, führt der Experte aus. "So fällt es auf dem Aitutaki-Atoll in den Cook-Inseln auf, wenn die Niederschläge ausbleiben, da die Insulaner ihre Trinkwasserreservoirs durch den Regen auffüllen", so Salinger. Heftige Niederschläge sortgen hingegen dafür, dass alles weggewaschen werde. Der Experte rät daher Inseln größere Trinkwasserreservoirs zu errichten, um gegen die Trockenheit gewappnet zu sein.

Experten vom Meteorological Service (MetService) in Neuseeland konnten gerade in diesem Südsommer tropische Bedingungen an der Nordküste der Nordinsel feststellen. "Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in den kommenden Wochen dort zu extremen Niederschlägen und Überschwemmungen kommen wird", meint Bob McDavitt vom MetService. Solche intensiven Niederschläge werden das Sommer-Wetter der Doppelinsel in Zukunft weiter stark beeinflussen. Generell konnten die Forscher beweisen, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung jedenfalls heute schon deutlich bemerkbar sind. "Das wärmere Wetter bedingt eine größere Verdunstung. Dies führt zu einer stärkeren Wolkenbildung und zu diesen heftigen Regenfällen", so Bret Mullan, Klimaforscher vom NIWA. Der Experte warnte aber auch davor, dass sich Trockenzonen ebenso weiter ausbreiten. "Das bestärkt die Annahme, dass es zu mehr Extremen kommt", erklärt der Wissenschaftler. Laut Salinger haben die Messungen ergeben, dass der Meeresspiegel jährlich um durchschnittlich 1,4 Millimeter in Auckland und um 1,5 Millimeter auf den pazifischen Inseln ansteigt.

Am 12-12-2003

Verkehr und Klima

Der Luftverkehr wird in den kommenden beiden Jahrzehnten um vier bis fünf Prozent wachsen. Durch den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2), Stickoxiden und Wasserdampf tragen Flugzeuge inzwischen etwa genauso viel zum Treibhauseffekt bei wie der weltweite Autoverkehr. Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Prof. Dr. Andreas Troge: "Die Luftfahrt darf nicht länger von Klimaschutzmaßnahmen ausgenommen werden. Die seit langem überfällige wichtige europaweite Besteuerung des Treibstoffs, eine flugstreckenbezogene Emissionsabgabe oder die rasche Einbeziehung des Flugverkehrs in das europäische Emissionshandelssystem wären wichtige Schritte für den weltweiten Klimaschutz". Die Europäische Union müsse, so Troge, Vorreiter sein, um den Umweltbelastungen durch den Flugverkehr endlich zu begegnen.

Bisherige Grenzwerte für Flugzeugtriebwerke zielen lediglich auf die lokale Luftqualität und sind wenig wirkungsvoll. Für den Klimaschutz im Flugverkehr gibt es derzeit überhaupt keine international beschlossenen Maßnahmen. Um den Klimaschutz auch dort zu verankern, werden gegenwärtig verschiedene Instrumente auf Ebene der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) diskutiert. Auf dem 6. Treffen des Umweltausschusses der ICAO im Februar in Montreal (Kanada) wurde die Entwicklung eines Emissionshandelssystems als vorrangig eingeschätzt.

Allerdings ist mit einer solchen Maßnahme auf internationaler Ebene derzeit nicht vor 2013 zu rechnen, und es ist unsicher, ob die gegenwärtigen Vorschläge überhaupt einen deutlichen Umweltnutzen bringen. Um ein wirksames Verfahren zu entwickeln, hat das UBA das Öko-Institut, Freiburg, beauftragt, die wesentlichen Eckpunkte eines Emissionshandels im internationalen Flugverkehr zu erarbeiten.

Die Studie zeigt, dass sich ein solches Handelssystem nicht nur auf CO2, sondern auf den gesamten Klimaeffekt des Flugverkehrs erstrecken muss. Ein offenes, das heißt sektorübergreifendes, Handelssystem kann die Umweltauswirkung des Flugverkehrs reduzieren. Die Emissionen sollten den Fluggesellschaften proportional zu den geflogenen Routen zugeordnet werden.

Weitere wesentliche Aspekte der Studie betreffen den Teilnehmerkreis am Emissionshandel, die Zuordnung der Emissionen auf die teilnehmenden Staaten und die Verteilung der Emissionsrechte auf die beteiligten Akteure. Daneben wurden unterschiedliche Möglichkeiten zur Minderung der Klimaeffekte des Flugverkehrs - wie durch eine niedrigere Reiseflughöhe - untersucht und deren Umweltnutzen und die wirtschaftlichen Auswirkungen bewertet.

Die Ergebnisse der Studie sollen für die weiteren Arbeiten innerhalb der ICAO und zur Vorbereitung für Maßnahmen der Europäischen Union genutzt werden. Sie zeigen, wie mittels eines wirksamen Emissionshandelssystems im Flugverkehr eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes ermöglicht werden kann.

Am 11-03-2004

Wiederaufforstung

Mit Roland Emmerichs Film "The Day After Tomorrow" droht nicht nur eine Flutwelle von Ökopanik über das Land zu schwappen; sondern auch wieder hektischer Aktivismus in Sachen Klimaschutz auszubrechen. Mit Futuro Forestal, einem deutsch-panamaischen Forstunternehmen können Eiszeitängstliche schon seit fast zehn Jahren profitabel in Wiederaufforstung investieren und gleichzeitig zur Absorption von C02 beitragen - und zwar sinnvoll und nachhaltig. Die Biomasse der Wälder, insbesondere schnell wachsender Tropenwälder, ist ein gigantischer Kohlenstoffspeicher und entzieht der Atmosphäre das schädliche Treibhausgas.

Der Hamburger Andreas Eke und seine Frau Iliana Armien haben vor kurzem das neue Produkt "WoodStockInvest" vorgestellt, mit dem profitabel und zugleich ökologisch und sozial nachhaltig tropische Edelhölzer produziert werden. Investoren erwerben Grund und Boden, auf dem Futuro Forestal für sie die Aufforstung vornimmt und intensive forstliche Pflege betreibt. Damit wird eine Rendite von 8 - 12 % erwirtschaftet, zzgl. zur Wertsteigerung des Grundstücks. Die Wälder sind mit dem FSC-Logo versehen; das Zertifikat, das auch die grossen deutschen Umweltverbände fördern.

Geschäftsführer Andreas Eke: "Unsere Investoren aus Deutschland, USA und Lateinamerika haben einen Weg gesucht, mit dem sie Geld verdienen und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun können. Die erfreulichen Ergebnisse, Auszeichnungen und überdurchschnittlichen Wachstumserfolge haben gezeigt, dass unser Ansatz der richtige ist". Auch deutsche Versicherungen gehören zu den Kooperationspartnern. Futuro Forestal wurde von der Ratingagentur SICIREC zum besten Forstinvestment in Lateinamerika gewählt. Weitere Investitionsmöglichkeiten: BaumSparVertrag: Baum für Baum können deutsche Sparer mit Futuro Forstal schon ab 30 Euro im Monat in nachhaltige Forstwirtschaft investieren. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren kann der BaumSparVertrag ebenfalls Erträge um durchschnittlich 10 % pro Jahr erwirtschaften. Der BaumSparVertrag eignet sich auch als Altersvorsorge oder finanzielle Unterstützung zum Studium.

Futuro Forestal, ein deutsch-panamaisches Forstdienstleistungsunternehmen bietet Investoren weltweit eine einmalige Möglichkeit, einen Wald zu besitzen, attraktive Renditen von 8 bis 12 % zu erzielen und dabei ökologische und soziale Impulse zu setzen. Das Unternehmen hält hier eine Brückenfunktion und verbindet die Interessen der Menschen in den Tropen mit denen der Investoren in den westlichen Ländern. Die FSC-zertifizierten (Forest Stewardship Council) Aufforstungen sind keine Plantagen im herkömmlichen Sinne, sondern Mischforste mit einheimischen Arten, die zusätzlich zu effektiver Holzproduktion vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten, den Boden schützen und anreichern und einen positiven Einfluss auf das Weltklima haben. Weitere Nicht-Holzprodukte, wie der Verkauf von Co2 Zertifikaten, Verkauf von Samenmaterial, Pharao, ein "Friedwald", und Agroforst-Produkte ergänzen das Programm von Futuro Forestal.

Am 02-06-2004

Erwärmung lässt Spezies verschwinden

Wissenschaftler der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla/Kalifornien haben nun nachgewiesen, dass der Klimawandel auch Einfluss auf die Organismen der Tiefsee hat. Demnach reagieren die Lebewesen am Meeresgrund extrem empfindlich auf Temperaturschwankungen, berichten die Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Bisher, haben Wissenschaftler angenommen, sei das Leben in Tiefen von 4.000 Metern und darunter von der Veränderung des Oberflächenklimas verschont geblieben.

Bodenproben und Messungen von organischem Material in Tiefen von 4.100 Metern haben aber gezeigt, dass sich Temperaturänderungen des El Nino auf den Rhythmus des Tiefseelebens extrem auswirken. Das Team um Henry Ruhl hat festgestellt, dass sich die gesamte Verteilung der Arten je nach Temperatur verändert. Die meisten Tiere ernähren sich vom so genannten organischen Regen, das sind abgestorbene organische Partikel, die zu Boden sinken.

Den Forschern viel auf, dass gewisse Arten von Seegurken, die vorherrschenden Spezies am Meeresgrund, mit den unterschiedlichen Temperaturen kamen und wieder verschwanden. In Zeiten vor dem El Nino war Nahrung in diesen Tiefen relativ knapp und gewisse Seegurken waren häufig anzutreffen. Während des El Nino fiel wesentlich mehr organisches Material zu Boden und die Art verschwand fast gänzlich. Umgekehrt fiel auf, dass weiße Seegurken, die vor dem El Nino sehr selten anzutreffen waren, plötzlich häufig auftraten.

Die Arbeit zeige, dass auch die Tiefsee trotz der Berge von Wasser darüber von Klimaänderungen nicht verschont bleibe und dass die Veränderungen dort ebenso wirken wie in den flachen Gewässern und an der Erdoberfläche, meint Ruhl. Kritik erntet Ruhl allerdings vom Tiefseebiologen Ron Kaufmann von der Universität von San Diego, der die Arbeit zwar als solide bezeichnet, allerdings kritisiert, dass es sich eher um Korrelationen des Klimageschehens handle als um Beweise. "Die Wahrheit ist, dass die tatsächliche Verknüpfung noch nicht vollständig hergestellt werden konnte", meint Kaufmann, der einräumt, dass die Tiefsee sehr wohl ein äußerst fragiles Ökosystem darstellt, es aber viel zu wenig Daten darüber gebe.

Am 23-07-2004

"Verbreitungsgebiete verlagern"

Nach Einschätzung von Naturschutzexperten bedroht der Klimawandel massiv die Artenvielfalt in Deutschland. "Durch den Klimawandel könnten hierzulande zwischen fünf und 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten verschwinden", sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, am Dienstag (16. September) in Karlsruhe. Dies bedeute allerdings nicht, dass die betroffenen Arten zwangsläufig aussterben. Sie könnten auch "ihre Verbreitungsgebiete verlagern", vor allem nach Norden. Gefährdet seien vor allem Arten im alpinen Raum, im Wattenmeer sowie in einzelnen Mooren und Feuchtgebieten, sagte Jessel anlässlich der Eröffnung des Deutschen Naturschutztags. Sie beklagte auch den großen Flächenverbrauch in Deutschland, der bei 113 Hektar pro Tag liege.

Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) sprach von einer "Renaissance des Naturschutzes". Die Menschen interessierten sich wieder verstärkt für ihre Lebensräume. Mit Blick auf den Klimawandel sagte er: "Die derzeitige Erwärmung ist vom Menschen hausgemacht." Es sei eine "dramatische" Entwicklung zu beobachten, die nicht erst in der Zukunft stattfinde: "Wir sind mitten im Ereignis drin", vermutet der Minister. Für den Deutschen Naturschutzring (DNR) sagte Manfred Niekisch, es gehe jetzt nicht mehr nur um die Artenvielfalt, sondern "um die Lebensgrundlage der Menschheit" und damit "um eine Überlebensfrage".

Der Deutsche Naturschutztag (DNT) ist der zentrale Fachkongress des behördlichen, privaten und ehrenamtlichen Naturschutzes in Deutschland. Unter dem Motto "Stimmt das Klima? Naturschutz im Umbruch" treffen sich mehr als 800 Teilnehmer bis Freitag in Karlsruhe.

Am 16-09-2008

Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit

Klaus Töpfer wird Gründungsdirektor des geplanten Spitzeninstituts für Klimaforschung in Potsdam. Das bestätigten Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (beide CDU) am Montag. Das Institut für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit - Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) - solle im Herbst seine Arbeit in der Brandenburger Landeshauptstadt aufnehmen.

Unter der Leitung des ehemaligen Bundesumweltministers und Exekutivdirektors des Umweltprogramms der Vereinten Nationen werden den Angaben zufolge bis zu 50 Gastwissenschaftler von der "vielversprechenden Nachwuchsforscherin bis zum Nobelpreisträger" für eine befristete Zeit zu einem frei gewählten Thema forschen.

Am 02. Feb. 2009

Globale Abkühlung ist notwendig und erreichbar

Hans-Josef-Fell zur Klimaveränderung Die pessimistischen Ausblicke der Umweltminister und der Kanzlerin auf dem 3. Petersberger Klimadialog sind verantwortungslos. So forderte Merkel lediglich, dass ein „Temperaturanstieg stärker als 2 Grad Celsius" vermieden werden muss. Die Weltgemeinschaft darf eine Erderwärmung auf 2 Grad Celsius nicht einfach akzeptieren. Wenn wir uns anschauen, wie massiv und stark die Klimaschäden bereits bei der erreichten Welterwärmung von 0,8 Grad Celsius sind, ist jede weitere Erwärmung verantwortungslos. Solche pessisimistischen Forderungen können nur damit erklärt werden, dass selbst die Umweltminister die Klimafrage immer noch durch die Interessensbrille der fossilen Energiewirtschaft betrachten. Es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, warum das Wachstum der Erneuerbaren Energien - als wichtigste und erfolgreichste Klimaschutzmaßnahme - nach den erfolgten immensen Kostensenkungen sich nun weltweit verlangsamen soll. Sogar eine Abkühlung der Welttemperatur ist in einigen Jahrzehnten machbar, wenn nur ein Teil der Weltgemeinschaft an einem Strang zieht. Ein weltweites Klimaschutzabkommen ist dafür nicht machbar. Aufgezeigt ist dies in meinem gerade in San Francisco veröffentlichten Neuen Buch „Global Cooling – Strategies for Climate Protection“. Wesentliche Bausteine für eine Strategie der globalen Abkühlung sind die Beendigung der Nutzung der fossilen Rohstoffe genauso, wie eine Kohlenstoffreinigung der Atmosphäre. Beides ist machbar und ökonomisch vorteilhaft. Im Zentrum steht die weltweite Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien und eine Umstellung der weltweiten Landwirtschaft auf nachhaltige Anbaumethoden.

Die Strategie der globalen Abkühlung ist sogar ökonomisch von Vorteil. Die Kosten für die weltweiten Investitionen in die vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien sind deutlich niedrigen als der weitere Einkauf immer teurer werdender Energierohstoffe aus Erdöl, Kohle, Erdgas und Uran.

Wer heute der Öffentlichkeit einreden will, dass selbst eine Erderwärmung über 2 Grad Celsius hinausgehend nicht mehr zu vermeiden ist, handelt unverantwortlich. Zum Einen werden so die kommenden Schäden der Erderwärmung massiv verharmlost, genauso wie die hohen ökonomischen Schäden, die durch die immer weiter steigenden Importrechnungen der fossilen Rohstoffe heute schon verursacht werden. Zum Anderen werden auch die großen Erfolge der Erneuerbare Energien missachtet und bewusst schlecht geredet. Die Erneuerbaren Energien sind in einem rasanten Preisrutsch, so dass sie vielfach bereits wettbewerbsfähig sind mit neuen Investitionen in konventionelle Energien. Die Wachstumsgeschwindigkeiten der Erneuerbare Energien waren schon in der Vergangenheit wesentlich höher, als alle Prognosen voraussagten. Warum nur soll dies nicht auch für die Zukunft gelten. Der Pessimismus der Umweltminister ist völlig unangebracht.

Hier gibt es mehr Informationen zu meinem Buch: http://www.globalcooling-climateprotection.net/

Hier gibt es weitere Information zum Petersberger Dialog: http://www.bmu.de/petersberger_konferenz/doc/48881.php

Hans-Josef Fell MdB