Gewerkschaften verhindern Arbeitskampf

Revolution nach Stechuhr

hilfe am arbeitplatz, heute mitgliedschaft ohne sinn - dgb - gewerkschafen als lobby-verein In dem klassischen betrieblichen Arbeitskampf bewegen sich fast alle Aktivitäten, vom Beschwerdeverfahren über Dienst nach Vorschrift bis zum Streik usw., im Rahmen der Arbeitsbedingungen und Beziehung zwischen ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber. Für den Arbeitgeber ist dies aber nur eine von mehreren wichtigen Geschäftsbeziehungen. Genau so wichtig sind für ihn Beziehungen zu Finanzinstituten, Regierungen und Regulierungsbehörden, Zulieferern, Konkurrenten, Kunden, Mutter- oder Tochterunternehmen und zu der Zivilgesellschaft. Diese Beziehungen sollten ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften Handlungsmöglichkeiten bieten, die gerade gegen multinationale Konzerne wirksam sein können.

Beispiele sind hier Boykottaufrufe und Image schädigende Medienarbeiten, für die Bündnispartner gewonnen werden können. So etwa, dass Kunden über Anschreiben oder E-Mails auf Praktiken aufmerksam gemacht werden, oder dass andere Organisationen der Zivilgesellschaft motiviert werden, sich aus ihrem Blickwinkel zu beteiligen. Zum Beispiel, wenn Greenpeace sich an der Lidl-Kampagne dadurch beteiligt, dass es Studien über die Belastung von Lidl-Lebensmitteln mit Schadstoffen veröffentlicht.

Gewerkschaftliche Strategien ohne Arbeitnehmer

Das Problem überwiegend innerhalb deutscher Strukturen ist, dass dieses "Campaigning" zentralistisch organisiert wird. Die Gewerkschaft recherchiert, welche Branchen oder Bereiche wichtig und wo Durchsetzungsmöglichkeiten sind. Die zentral geplante Kampagne wird dann durch ein Ausschwärmen sogenannter Organizer durchgesetzt. Diese erklären die Ziele der Kampagne vor Ort und ergänzen sie ggf. um die realen Probleme, die die ArbeiterInnen haben. Das ist eine Strategie, wie sie auch schon in den 20er Jahren in den USA durchgeführt wurde und dort zu dieser Zeit durchaus viel Erfolg hatte. Doch heute geht es vor allem um die reine Professionalisierung der gewerkschaftlichen Arbeit; nicht nur des Verwaltungsapparates, sondern auch der betrieblichen bis hin zu der privaten Ebene. Statt zu einer Demokratisierung führt dieses Konzept des Organizing eher zur weiteren Zentralisierung der Entscheidungen. Bevor Konflikte wirklich ausgetragen werden, beurteilt die Gewerkschaft die Erfolgsaussichten ähnlich einem Anwalt für Arbeitsrecht.

Verhandeln stall Handeln

Lag einmal die Stärke der Gewerkschaften, wie der ehemaligen IG Druck & Papier, in der Forcierung betrieblicher Konflikte, steht heute eine Lobby-Tätigkeit mit medialer Inszenierung im Vordergrund, aus der sich die Gewerkschaft ihre Stärke zu ziehen versucht.

Dies kann jedoch nur die Stärke der Organisation und Verwaltung sein und nicht die Stärke der Arbeiter und Arbeiterinnen. Eine Demokratisierung und Solidarisierung findet nicht statt. Tatsächlich dienen die Bündnisse mit der "Zivilgesellschaft" lediglich dazu, die eigene organisatorische Zuständigkeit für den Bereich Arbeit zu stärken. So werden Fragen der Hierarchie

in der Arbeit und der Gesellschaft allgemein nicht angetastet, sondern eher noch verstärkt. Soziale Hierarchien werden forciert und weiterhin ist der Arbeitnehmer mehr Wert, als der Arbeitslose, der Abteilungsleiter mehr, als der Untergebene.Politiker, Manager und Wissenschaftler werden als Experten herangezogen auf Teufel komm raus und ganz egal, ob deren Ansichten einer emanzipierten Gesellschaft im Wege stehen, oder nicht.

Aufschlussreich sind dann Momente, wenn Selbstorganisierung auf Organizing trifft. Während diejenigen, die sich selbst organisieren wollen, Taktiken entwickeln, baut die zentralistische Gewerkschaft allein auf Kooperation mit "vernünftigen" Unternehmern, d. h. mit solchen, die Bereit sind, Tarifverträge abzuschließen und vorab sicher sein können, dass die Gewerkschaft sich in ihrer Konsensbereitschaft bis zum Selbstbetrug verbiegen wird.

Hierarchien bestimmen den Arbeitskampf

Schlimmer noch ist, dass die nicht gewerkschaftlich in den Arbeitskampf eingebundenen Kräfte von der Gewerkschaft als Schwächung, sogar als Reaktionär bezeichnet werden. Eine Gewerkschaft, die Ruhe schaffen will, rückt dann immer näher in die Position des Arbeitgebers (Bsp.: Volkswagen Betriebsrat und das Co-Management. Personal-Rochade zwischen IG Metall und Personalwesen). Eine daraus folgende wütende Bekämpfung jeder Art von Selbstorganisation dürfte die Gewerkschaft selbst als Instrument zur Darstellung sozialer Konflikte in Frage stellen. Eher scheint sich eine "change-to-win"-Koalition zu entwickeln, die einem Neoliberalismus näher steht, als den ArbeiterInnen.

Ein immer wieder kehrendes Argument für dieses Organizing ist die Behauptung, die Arbeiter selbst wollten es nicht anders. Es scheint keine anderen Ziele als Mindestlöhne, Arbeitszeiten, keine anderen Organisationsformen als betriebliche Vertretungsstrukturen der Gewerkschaften und keine anderen Kampfformen als das öffentliche Heischen um Respekt zu geben.

Und doch wird jeder Gewerkschafter von den ArbeiterInnen zu hören bekommen, was sie tatsächlich oder zusätzlich wollen. Er muss ihnen nur auf Augenhöhe entgegentreten, was der von der Gewerkschaft selbst etablierten Hierarchie widerspricht.

Eine Revolution findet nicht statt

Gewerkschaften fördern keine freiheitliche Bewegung. Alles libertäre wurde abgebaut und alles, was ArbeiterInnen in Eigeninitiative organisieren wollen, darf nicht die Schlagkraft eines Grillabends übersteigen.

Bewegungen, wie Blockupy, alle mehr Demokratie fordernden Initiativen werden vergeblich auf eine effektive Unterstützung der Gewerkschaften warten. Es ist naiv zu glauben, dass eine solche Gewerkschaft mehr übernehmen wollte, als eine Verwaltung der Proteste und eine Zielgruppenanalyse innerhalb der Bewegungen.

Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen müssen dieser Gewerkschaft ebenso Mitglieder verlieren und ganz verschwinden. Es gibt noch viele Aufgaben für sie. Sie müssen nur fragen und zuhören.

Uwe Koch