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Hat der globalisierte Kapitalismus Recht? (Teil 2)

Die neue Redlichkeit von Prof. Dr. R. Lay

Globalisierung und KapitalismusIn der Bundesrepublik kann der Kapitalismus nicht machen, was er will. Unsere Ordnungspolitik lässt dies nicht zu. Ganz im Gegenteil. Nicht selten sind dem Unternehmeresel im internationalen Wettbewerb hier die Vorderläufe ordentlich zusammen gebunden. Auf ihn einzudreschen, damit er schneller läuft, zeugt von fehlendem Sachverstand. Man kann sehr wohl darüber nachdenken, ob es einen Faktor geben sollte, der die Frage beantworten kann, wie ein Manager für seinen Wertschöpfungsbeitrag und seinen Marktwert angemessen entlohnt werden kann. Man kann und sollte auch darüber nachdenken, inwieweit ein Arbeiter nach den gleichen Kriterien anders entlohnt werden muss, als dies heute geschieht. Zu versuchen, dies vom internationalen und globalisierten Markt abzukoppeln, um nationale Interessen durchzusetzen, führt nur dazu, dass sich der Rest der Welt über uns amüsiert, uns bestätigt in diesem nationalistischem Denken, um uns so noch besser wirtschaftlich überholen zu können.

Die rentable Kapitalanlage – 6 Stufen

Kapital rentabel anzulegen geschah und geschieht in sechs Stufen:

  1. Stufe: Arbeit ausbeuten
  2. Stufe: Kolonialkapitalismus. Durch Erschließen neuer Märkte wurde Wachstum erzeugt.
  3. Stufe: GATT & die Folgen. Als die Kolonien futsch waren, entstanden Angebots- und Nachfragemärkte. - Karl Marx meinte noch, das Kapital will die Banken ausbeuten. Eher ist es umgekehrt.
  4. Stufe: Ausbeutung des Staates durch Subventionen (Steuerminderung oder Aktivzuschüsse bei Import und Export. Der Staat verschenkt Gelder, die die Unternehmen nicht mehr benötigen (Werner Rapp) Daran geht irgendwann früher oder später der Staat pleite. Und so kommt es zur:

5. Stufe: Globalisierung durch Internationalisierung. - Diese Internationalisierung geht nur in wirtschaftlich erschlossenen Ländern, den kleinen Tigern etc. also alle diejenigen die sich den OECD Ländern annähern. Globalisierung funktioniert wahrscheinlich nur dann, wenn man die Drittweltländer von Steuern freistellt und wenn man an den Grenzen von OECD-Ländern die Subventionen abschöpft. An den Grenzen müsste prinzipiell das importierende Land die Subventionen von eingeführten Waren abschöpfen. Das ist jedoch nur theoretisch möglich, da Subventionen de facto nicht auszurechnen sind. Mit der Globalisierung besteht die große Gefahr der Kartellbildung. Die Preise können beliebig festgesetzt werden.

6. Stufe: Kollaps des Systems aufgrund fehlender Liquidität (Karl Marx) Deflationskrisen sind die Folge, weil das Angebot vom Markt nicht angenommen wird. Damit kollabiert das System. Inflation ist für Unternehmen keine Katastrophe, sondern eine Wachstumschance. Die Deflation ist gefährlich. Das Angebot liegt massiv über der Nachfrage. Nicht die in das Produkt gesteckte Leistung oder Arbeit bestimmt den Wert einer Ware, sondern die Nachfrage. Da die Produktionskosten nun höher liegen, als der ökonomische Wert einer Ware, wird versucht, die Kosten zu senken und eine Kosten-Leistungsrechnung vorzunehmen. Auch im Kapitalismus wird wahrscheinlich eine langfristige Deflation einen Kollaps des Systems hervorrufen. Die europäische Zentralbank und auch die USA werden versuchen, durch Absenkung der Zinsen die Deflationskrise zu überwinden. Die Bundesbank hat bereits offen zugegeben, dass sie über kein Modell verfügt, um mit Deflationskrisen umgehen zu können.

Die politische Globalisierung ist sicher notwendig, damit sich die Volkswirtschaften nicht durch ihre nationalen Gesetzgebungen Vorteile verschaffen. Die geschieht durch Steuergesetze, Arbeitsgesetze, Subventionsgesetze und die Sozialgesetzgebung. Für den Staat bleibt schlussendlich nur noch die innere und äußere Sicherheit übrig. Die politische Globalisierung fehlt jedoch. Auch die EU ist derzeit nur ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum. Die politische Union ist noch nicht vollzogen. erschärft die Ungerechtigkeiten, die durch fehlende politische Einheit unterstützt wird, da der Steuerzahler zu Opportunitätskosten herangezogen wird, für die er nicht verantwortlich ist. Wer 53 % Steuern zahlt, wird schon allein dadurch ungerecht behandelt, dass er vom Staat nur die gleichen Leistungen bezieht, die auch jemand bekommt, der keine Steuern zahlt. Bei 53% Steuern sind etwa die Hälfte der Steuern Opportunitätskosten.

Die Freiburger Schule

Die Freiburger Schule hat ein Modell entworfen, das sicher Grundlage war für Ludwig Ehrhards soziale Marktwirtschaft. Der tatsächliche Vater und "Erfinder" der sozialen Marktwirtschaft war Alfred Müller-Armack. Ludwig Erhard hat sie aber politisch durchgesetzt. Und dies lange gegen den Willen des Volkes. Er warb unermüdlich für seine Idee, bis er sich endlich damit durchsetzen konnte.

Modell-Freiburger Schule

Die Produktionsfaktoren

Die Hardfacts: Arbeit ist der Wertschöpfungsbeitrag des Mitarbeiters. Kapital ist das angelegte oder anlagewillige Geld. Der Grund und Boden wurde entweder durch den Umweltverbrauch oder bei Banken durch das Anlagekapital ersetzt. Eine Bank verbraucht wohl kaum Umwelt. Die Softfacts: Unternehmenskultur meint die Art und Weise des Miteinander-Umgehens. Der moderne Kulturbegriff wurde von Johann Gottlieb von Herder formuliert. Er meinte damit eine lebendige (beginnende, sich entfaltende und endende) Gestalt eines Sozialgebildes. Unternehmenskultur drückt aus, was in einem Unternehmen in besonderer Weise gepflegt wird; welche Leistung, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Tugend, Fachkompetenz eine besondere Bedeutung hat.

Wichtig ist wohl die Tatsache, dass Unternehmenskultur das Beherrschen ethischer Normen erfordert. Besondere Bedeutung hat hier der Aufbau von Sympathie- und Vertrauensfeldern. In einem Unternehmen ist sicher nicht jede Form von Sittlichkeit erforderlich. In einer sittlich motivierten Unternehmenskultur ist sicher nur derjenige zum Führen geeignet, der zunächst als selbstverständliche Voraussetzung Durchsetzungsvermögen zeigt. Das ist wohl ein zeitloses Instrument des Führens. Er sollte zusätzlich motivieren können. Als ethischer Wert sollte der Führende Vertrauensfelder aufbauen können.

Mobilität ist die körperliche und geistige Mobilität. Die körperliche Mobilität kann passiv und aktiv erlebt werden. Ein Mitarbeiter kann versetzt werden. Allerdings kann dies nicht so ohne weiteres gegen seinen Willen geschehen. Rein rechtlich betrachtet, kann ein Mitarbeiter nicht zur körperlichen Mobilität gezwungen werden. Mehr gemeint ist der psychische Druck auf den Mitarbeiter: „Wenn Sie diese Chance jetzt nicht wahrnehmen, bezweifle ich, ob Sie noch eine weitere bekommen werden…“

Im Wissen kommt es darauf an, dass die derzeitige Gesellschaft, eine Wissensgesellschaft ist. So wird das Wissen, obwohl nur softfact, zu einem erheblichen Produktionsfaktor. Es ist nicht das reine Informationswissen gemeint, das man durchaus über den Computer oder das Internet beziehen kann, sondern das für konkrete unternehmerische Situationen verarbeitete Wissen ist gemeint. Es gilt das Wissen zu aktivieren, das in der Lage ist, Unternehmensprobleme zu lösen. Diesen Faktor ruinieren derzeit viele Unternehmen. Gleichwohl soll nicht verschwiegen werden, dass es, wenn man in einem System bleibt (z.B. Industriegesellschaft) wohl immer des Wissens bedurfte, um z.B. zu produzieren. Es geht also um den Anteil des Produktionsfaktors Wissen an der Wertschöpfung. Der ist heute sicher viel höher als früher. Das Gleiche gilt wohl auch für den Anteil der Dienstleistungen. Ich bin mir jedoch gewiss, dass sowohl eine Wissensgesellschaft als auch eine Dienstleistungsgesellschaft alleine nicht lebensfähig sind. Die Frage ist, bedenken dies Unternehmen?

Heiligt der Zweck die Mittel?

Wenn man den Namen Machiavelli in die Runde wirft, dann kommt oft der Spruch "Der Zweck heiligt die Mittel", obwohl Machiavelli dies nie geschrieben hat (zumindest habe ich es in den Übersetzungen nicht gefunden). Der N 24 Moderator Mührau fragte mich am 4. Mai 2005 in einem Interview, ob Herr Müntefering es denn nicht doch richtig gemacht habe mit seiner deutlichen Kritik am Kapitalismus. Ich musste verneinen, denn der Zweck heiligt für mich wirklich nicht die Mittel. So ähnlich geht es wohl auch Francis Bacon mit seinem "sientia est potentia". Im Kontext gelesen muss es wohl eher mit "Macht des Wissens" verstanden werden. Berücksichtigt man die Zeit in der Bacon lebte (Ende 1500 bis Anfang 1600), dann liegt Bacon wohl auch eher an der etymologischen Bedeutung des Wortes Macht, als uns heute. Macht als Können, Fähigkeit oder Befähigung, einen Unterschied zu machen. Also übersetzen wir doch "sientia est potentia" einfach mit "Wissen als Befähigung zum Handeln". Damit wäre dann auch der Teilaspekt, Unternehmensprobleme lösen zu können, abgedeckt. Aber auch hier gilt, dass dies viel zu wenig von Unternehmen bedacht wird. Durch Freisetzungsbestrebungen verlieren sie erhebliche Anteile ihres überlebensnotwendigen Wissens. Viele Mitarbeiter, die die meiste Zeit ihres Lebens in einem Unternehmen verbracht haben, nehmen große Mengen ihres Wissens unwiederbringlich mit. Die Überbetonung der hardfacts und Vernachlässigung der softfacts in nicht wenigen Unternehmen kann durchaus den Unternehmensruin beschleunigen, denn nur eine Allokation aller sechs Produktionsfaktoren lässt ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein.

Sind Massenentlassungen ethisch überhaupt zu rechtfertigen?

Die Unterschiede zwischen BRD und USA: Derzeit sind im Globalisierungsprozess die Amerikaner uns Deutschen wahrscheinlich noch haushoch überlegen. Die Amerikaner haben derzeit der Bundesrepublik die besseren Steuergesetze, Arbeitsgesetze, Subventionsgesetze und Sozialgesetze voraus. Aktuell können die Spargesetze durch die fehlende Einigung über höhere Steuern dazu führen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika mächtig verlieren..

Der vorübergehende Vorteil der BRD besteht aus drei Punkten: • eine gute Infrastruktur • hoher sozialer Frieden • eine relative Dominanz der Politik über die Wirtschaft.

Die Einhaltung der Gesetze kann von Staats wegen durchgesetzt werden. Es gilt also nur noch die Sicherheit nach innen zu gewährleisten, nach außen ist ein OECD-Land kaum gefährdet. Es ist unwahrscheinlich, dass China Japan angreift oder die Schweiz Lichtenstein besetzt.

Die Transaktionskosten:

Die entscheidende Frage ist, ob die Transaktionskosten dazu kommen. Der Staat hat nach Rousseau die Funktion, die Transaktionskosten zu senken. Daher bezieht der Staat seine Rechtfertigung. Transaktionskosten sind Kosten, die bei der Durchsetzung von Vertragsrechten gleich welcher Art entstehen. Karl Marx übernahm genau diese Theorie. Der Staat hat die Funktion, das Gemeinwohl zu mehren.

Dagegen stehen die Engländer (Locke bis Hume, Shaftesbury etc.), die die Meinung vertraten, der Staat hat die Aufgabe, nicht das Gemeinwohl zu mehren, sondern schweren Schaden vom Volk abzuwenden. Die Gemeinwohlmehrungstheorie ist eine nur ideologisch begründbare Theorie, da es keine allgemein gültige Definition von Gemeinwohl gibt. Marxisten definieren anders als Liberale, Kapitalisten etc.

Die Gemeinwohltheorie führt nun dazu, dass sich das Gemeinwohl früher oder später nicht mehr finanzieren lässt. In der Sowjetunion war das Gemeinwohl ideologisch nach Karl Marx definiert. Bei uns zieht sich politisch eine liberale, wie marxistische Definition durch alle Parteien. Die PDS war viel liberaler als angenommen und die CDU/CSU viel marxistischer in ihrer Definition von Gemeinwohl, als vermutet. Die rechten Parteien wissen oft nicht, dass sie zum guten Teil Marxisten, und die linken Parteien wissen nicht, dass sie zum guten Teil liberal sind. Die Politik begeht derzeit den Fehler anzunehmen, dass sie noch in soziale Systeme hineinoperieren kann, deren Komplexität jedoch so groß ist, dass unsere Rationalität sie nicht beherrschen kann.

A.F. Hayek meinte, dass soziale Systeme die durch Komplexität entstehen, nicht mehr in der Lage sind, eine Rationalität entwickeln, mit der wir durch Reduktion der Komplexität im Modell diese Komplexität einholen können. Beim Modellversuch fehlen immer wesentliche Parameter, so dass der Eingriff in die Ökonomie zu unvorhersehbaren Folgen führt. Schon die Nationalökonomien sind nicht mehr beherrschbar, geschweige denn eine Weltwirtschaftsordnung.

Die Ökologie:

Das eigentliche Problem ist, dass bei der Globalisierung die Ökologie bisher offensichtlich eine untergeordnete Rolle spielte. Je nachdem, welche Rolle die Ökologie in Zukunft spielen wird, könnte der gesamte Prozess der Globalisierung gefährdet werden. Wenn Ökologie nicht globalisiert wird, dann ist der ‚Point of no return’ endgültig dann überschritten, wenn China und Indien total industrialisiert sind. Der Umweltgipfel von Rio ist leider ohne ernsthafte Folgen geblieben. Das Interesse an ökologischen Fragen nimmt allerdings bei immer mehr Unternehmen einen breiten Raum ein. Auch wenn die Öffentlichkeit das nicht so ohne weiteres wahrhaben will. Prof. Dr. Rademacher vom Club of Rome wirbt weltweit ebenso für eine ökosoziale Marktwirtschaft wie die Global Marshall Plan Initiative. Auch der Senat der Wirtschaft setzt auf ökologische Verantwortung. Und das nicht nur wegen der Verseuchung des Golfs von Mexiko durch BP.

Das ökologische Bewusstsein wurde zunächst weltweit erschüttert durch das Tankerunglück der Exxon Valdez. Am 24. März 1989 verunglückte der Tanker in Süd Alaska. Rund 37.000 Tonnen Öl liefen aus. 2000 Kilometer Küste wurden verseucht. Der Konzern ExxonMobil geriet über viele Jahre, bei manchen Menschen bis heute, als Umweltverseucher in die Kritik. ExxonMobil musste an Schadenersatzansprüchen und für Reinigungsarbeiten rund 3 Mrd. Dollar ausgeben.

Das Unglück war später Anlass für ein Gesetz, das Tankern mit mehr als 4.000 Tonnen Öl Fracht verbietet, im Unglücksgebiet von Alaska herumzuschippern. Gleichzeitig erließen die USA ein Gesetz, nachdem nur Tanker mit einer Doppelhülle amerikanische Häfen anlaufen dürfen. Aber war Exxon Mobil tatsächlich solch ein Umweltmonster? Der Kapitän der Exxon Valdez lag zum Unglückszeitpunkt betrunken in seiner Kabine. Der dritte Offizier steuerte das Schiff, wahrscheinlich völlig übermüdet. Er hatte eine Anweisung des Kapitäns übersehen, das Schiff nach einer Abweichung von der normalen Reiseroute wieder auf einen sicheren Kurs zurückzuführen. So lief das Schiff auf ein Riff auf.

Gleichzeitig hatte sich die für diesen Küstenabschnitt zuständige Küstenwache nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Exxon Valdez hätte mit Radar überwacht werden müssen. So hätte die Küstenwache das Schiff frühzeitig vor der Nähe eines Riffs warnen können. Das geschah jedoch nicht. Die Behörde entschuldigte dies damit, dass es zum Zeitpunkt des Unglücks einen Schichtwechsel gab, und die Radar-Geräte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht funktioniert hätten. (24)

Der öffentliche Vorwurf, Unternehmen würden ökologische Verantwortung nicht wahrnehmen, wurde in der Bundesrepublik besonders vehement, als die Ölkonzerne Shell und Esso beabsichtigten, die Brent Spar in der Nordsee zu versenken. Greenpeace besetzte am 30. April 1995 die Brent Spar, um die Versenkung zu verhindern. Die Aktion wurde weltweit viel beachtet, es kam zu Boykottaufrufen. In Hamburg wurde ein Brandanschlag auf eine Tankstelle verübt, Mitarbeiter der Konzerne wurden sogar mit Morddrohungen konfrontiert, und Shell verbuchte in unserem Land einen Gewinneinbruch von zeitweise 50 Prozent. Am 20. Juni gaben die Konzerne klein bei. Die Brent Spar wurde an Land entsorgt. Drei Jahre später haben die 15 Teilnehmerstaaten der OSPAR-Konferenz als Folge der Brent Spar-Affäre verboten, Ölplattformen im Nordatlantik zu versenken.

Ein Sieg für Greenpeace und die Umwelt. Allerdings mit extrem bitterem Beigeschmack, denn Greenpeace hatte sich mit den Angaben über die auf der Brent Spar gelagerten giftigen Ölrückstände zumindest vertan, wenn nicht gar in der Sache gelogen, dass sich die Balken biegen. Greenpeace hatte von rund 5.000 Tonnen Ölrückständen gesprochen. In Wahrheit stellte die norwegische Schiffsklassifizierungsgesellschaft DNV (Det Norske Veritas) am 18. Oktober 1995 fest, dass es nur maximal 100 Tonnen gewesen seien. Das war exakt die Menge, die von Shell behauptet wurde. Greenpeace hat sich zwar für den ‚Lapsus‘ entschuldigt, jedoch gibt es nicht wenige Experten, die die durch Greenpeace-Aktivitäten erreichte Landentsorgung in der ökologischen Bilanz für viel schlechter halten, als die ursprünglich vorgesehene Entsorgung in der Nordsee. Der BBC Nachrichtensprecher Richard Sambrook meinte damals: „Bei mir blieb das Gefühl zurück, als hätte uns Greenpeace über weite Strecken an der Nase herumgeführt“.10

Es lohnt sich also, genau hinzusehen, wenn Unternehmen ökologische Verantwortungslosigkeit vorgeworfen wird. Wie wichtig ökologisches Bewusstsein und ökologisches Handeln ist, hat die Politik in der BRD durchaus erkannt. Wir haben mehr als 1.440 Verordnungen und Gesetze, die sich mit Umweltfragen befassen.

Der Umwelt kann sich bisher jedes Unternehmen in vielen Ländern der Erde leider immer noch beliebig bedienen, obwohl Umwelt ein Wirtschaftgut geworden ist, das keiner bewirtschaftet. Man sollte auf Produkten den Umweltverbrauch notieren. Z.B. beim Auto wird nicht nur der Benzinverbrauch Umweltverbrauch sein, sondern auch die Herstellung des Autos verbraucht Umwelt. Wir sollten dahin kommen, dass wir die drei hardfacts Arbeit, Kapital & Grund & Boden umwandeln in: Arbeit, Kapital und Umweltverbrauch. Vielleicht wird es notwendig sein, dass die Umwelt so teuer wird, dass jedes Unternehmen sich überlegt, ob es den Umweltverbrauch nicht durch Kapital oder Arbeit substituiert.

Die Kosten für den Umweltverbrauch werden dadurch ermittelt, dass man die Kosten für die Rückgängigmachung des Umweltverbrauchs einsetzt. Dadurch besitzt man prinzipiell eine Quantifizierung des Umweltverbrauchs. Wenn präzise der Umweltverbrauch ausgerechnet wird, werden sich manche Unternehmen überlegen, ob sie den Umweltverbrauch nicht durch Kapital ersetzen.

Eine intakte Umwelt gehört der ganzen Menschheit. In der Globalisierung muss die Umweltproblematik auf einer globalen Ebene gelöst werden. Rio war der erste Versuch. Der ist misslungen durch die Amerikaner. Rio wollte beschließen, dass die Umweltbelastung durch die industrialisierten Staaten besteuert wird, und diese Menge, die in eine Kasse eingezahlt wird, an die umweltverbrauchenden Staaten der dritten Welt bezahlt wird. Umwelt ist bereits so sehr verbraucht, dass im mittleren Westen der USA oder in Kenia große Landstriche durch den Einsatz von Monokulturen und Pestiziden praktisch tot sind. Der größte Engpass wird der Trinkwasserhaushalt in Ländern der Dritten Welt werden. In fast allen Drittweltländern ist das Trinkwasser nach WHO-Kriterien nicht mehr trinkbar.

Die Globalisierung und Ihre Chancen und Risiken:

Vielleicht hatte Kant Recht mit seinem Buch über den ewigen Frieden. Politischer Friede ist nur dann zu sichern, wenn wir einen Weltstaat haben, der mit relativ guter Truppenstärke in diesem Weltstaat Bürgerkriege niederschlagen kann. Vorläufer dieses Weltstaates erlebten wir vor wenigen Jahren mit den USA im Umgang mit den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Wahrscheinlich gelingt die Globalisierung human nur dann, wenn es gelingt, sie zu inkulturieren, also kulturspezifisch zu modifizieren. Das Normensystem passt sich bei vorgegebenen Rahmenbedingungen an die Kultur an.

Was die Globalisierung für den Einzelnen bedeutet, ist schwer abzusehen. Immer mehr Regionen und Nischen werden in das kapitalistische Wirtschaftssystem integriert und so lokale (und nationale) Selbstversorgungs- und Wirtschaftsräume aufgelöst. Transnationale Konzerne interessieren sich für "schwache Staaten". Das sind Staaten, die zu schwach sind, die Bewegungsfreiheit des Kapitals zu behindern, zu sie zu verlangsamen oder zu begrenzen. Sie sind unfähig, zu einer autonomen ökonomischen Politik. Die Spannung zwischen kooperierenden Transnationalstaaten (etwa der EU) und des neoliberalen Kapitalismus wird offenbar. Hier sollen -ohne jeden prophetischen Anspruch- einige Thesen formuliert werden.

Die ethischen Bedingungen der Globalisierung

Wer die Globalisierung human gestalten möchte, wird einige Bedingungen erfüllen müssen. Die Globalisierung lässt sich wahrscheinlich nur dann ethisch verantwortet gestalten, wenn:

  • Die Wertschöpfung gerecht verteilt wird.
  • Eine weltweite Wohlstandminderung nicht stattfindet.
  • Die Globalisierung sozial verträglich gestaltet wird.
  • Sie politisch kontrolliert werden kann.
  • Die Umwelt nicht unverhältnismäßig belastet wird.
  • Die Globalisierung von einem kritischen Wertediskurs begleitet wird.
  • Die Globalisierung inkulturiert geschieht.
  • Der Branchenwettbewerb erhalten bleibt.
  • Die Autodynamik politisch kritisch begleitet wird.
  • Die Schere zwischen regional Armen und global Reichen nicht unzumutbar anwächst (Armutsgrenze).
  • Die Monopsonbildung kritisch begleitet wird.

Die Ausführungen zur Globalisierung sind teilweeise aus dem Buch „Die neue Redlichkeit“, erschienen im Campus Verlag 2006, entnommen, das ich gemeinsam mit Prof. Dr. Rupert Lay geschrieben habe.

Ulf D Posé

Quellen:

[6]Marx, Karl (1968): Manifest der kommunistischen Partei. In: Siegfried Landshut (Hrsg.): Karl Marx. Die Frühschriften. Stuttgart: Körner.
[7]www.welt.de/print-welt/article666207/Die_wahre_Macht_des_Kapitals.html 10.11. 2005
[8]sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/1242/3 29.12. 2010
[9]de.wikipedia.org/wiki/Exxon_Valdez 10.03.2011
[10]de.wikipedia.org/wiki/Brent_Spar 08. 06. 2011
 
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