Bundeswehr
Soldaten fühlen sich durch Asbest bedroht
Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, der Bundeswehr drohe eine Klagewelle. Ein Ministeriumssprecher sagte dazu, es gebe noch keine Klagen. Das Revolver-Blatt berichtete, die Opfer litten zum Teil an schwersten Lungenschäden, die möglicherweise durch Asbestpartikel verursacht wurden. Nach Einschätzung von Experten könnten bis zu 4.500 Soldaten betroffen sein. Das Verteidigungsministerium wies Versäumnisvorwürfe zurück.
Nach Auffassung von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hat die Bundeswehr "sehr frühzeitig" die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre für den zivilen Bereich erlassene Gefahrstoffverordnung zum Umgang mit Asbest umgesetzt. So seien zwischen 1989 und 1997 bei der Marine 202 Schiffe mit einem Kostenaufwand von 260 Millionen Mark saniert worden. Ferner seien alle asbesthaltigen Brems- und Kupplungsbeläge an Fahrzeugen ausgetauscht und mit Asbest belastete Infrastruktur an Land fachgerecht saniert worden.
Die Opposition forderte eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit. CDU-Verteidigungsexpertin Ursula Lietz warf Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) eine Verletzung der Fürsorgepflicht vor.
Die Berliner Anwaltskanzlei Geulen kündigte unterdessen an, sie werde voraussichtlich Ende August parallel zu den Anstrengungen in Deutschland auch in den USA um Entschädigungen für die Radaropfer kämpfen. Anwalt Remo Klinger sagte, man bereite gemeinsam mit US-Anwälten Schadenersatz- und Schmerzensgeldklagen gegen die Hersteller der Radargeräte vor. Die Kanzlei vertritt etwa 370 Strahlengeschädigte, darunter etwa ein Dutzend missgebildeter Kinder früherer Soldaten. Etwa 95 Prozent der ehemaligen Soldaten leiden nach Angaben Klingers an Krebs als Folge von Versäumnisse der Bundeswehr beim Strahlenschutz in der 60er und 70er Jahren.
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