Terrorismus

65 Tage Ungewissheit über 31 entführte Sahara-Touristen

31 europäische Touristen sind in der südalgerischen Sahara verschwundenen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen stehe die algerische Regierung in "äußerst schwierigen und langwierigen Verhandlungen" mit den Entführern über die Freilassung der Geiseln. Algier und Berlin würden aber "aus Prinzip" kein Lösegeld zahlen oder "irgendwelche anderen Zugeständnisse machen", versicherten Sicherheitsexperten. Es sei auch nach wie vor nicht klar, ob die Entführer - wahrscheinlich terroristische Islamisten - tatsächlich Lösegeld oder möglicherweise die Freilassung von beispielsweise in Deutschland inhaftierten Gesinnungsgenossen verlangen.

Den Vermissten - 15 Deutsche, mehrere Österreicher und Schweizer, ein Niederländer und ein Schwede - gehe es nach Aussagen von Sicherheitsleuten "entsprechend den Verhältnissen gut". Ihr Aufenthaltsort soll den internationalen Fahndern mittlerweile bekannt sein, werde aber "strikt geheim gehalten, um das Leben der Entführten auf keinen Fall zu gefährden", war zu erfahren. Die Ermittlungen und auch Verhandlungen mit den Entführern sollen auf keinen Fall gestört werden, "um Kurzschlussreaktionen der Geiselnehmer auszuschließen".

Das Auswärtige Amt, in dem ein Krisenstab tagt, wollte sich "zu nichts äußern". In Algier verlautete, dass hinter der Entführung offensichtlich die Islamisten der "Salafistischen Gruppen für Predigt und Kampf" - abgekürzt GSPC - stehen. Es soll Hinweise geben, dass versprengte Zellen der afghanischen Al-Qaida in der Sahel-Zone operieren und Verbindung zur GSPC haben. Auch werden mögliche Zusammenhänge zu dem in der südlichen Sahara operierenden Schmuggleranführer Mukhtar Bel Mukhtar vermutet.

Der letzte sichere Standort der ersten insgesamt sechs in der Sahara verschwundenen Gruppen war am 23. Februar registriert worden. Die Zusammenarbeit mit den algerischen Behörden wurde in Berlin als "gut" bezeichnet, obwohl die Algerier auf ihren "Hoheitsrechten" beharren würden. Sie akzeptierten die Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) und der GSG 9 bei der Suche nach den Entführten und bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern ausschließlich als "Berater", wurde geschildert. Ebenso verhalte es sich mit den aus Österreich und der Schweiz angereisten Terroristenfahndern.

Im Falle der Freilassung der entführten Touristen könnte für deren Rücktransport die deutsche Luftwaffe einspringen. Ihr modernstes Lazarett-Flugzeug steht bereits aus anderen Gründen - zum Beispiel für Verwundetentransporte aus dem Irak oder Afghanistan - in einer 24-Stunden-Bereitschaft auf dem Militärflugplatz in Köln-Wahn bereit. Einen "aktuellen Einsatzbefehl" für den Flug nach Algier gebe es allerdings bisher nicht, war von der Luftwaffe zu hören. Erst müsse das Auswärtige Amt den Flug anfordern und das Verteidigungsministerium müsste ihn anordnen.

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