Atomenergie

EU-Verfassung bestimmt über Euratom-Vertrag

Die Förderung der Atomenergie in Europa durch den Euratom-Vertrag könne auf der kommenden Sitzung des EU-Rates zementiert zu werden. Die Regierungen der EU-Mitgliedsländer wollen nächsten Donnerstag und Freitag in Brüssel über die EU-Verfassung abstimmen. Mit der Verfassung wird in ihrem Anhang auch über den fast 50 Jahre alten Euratom-Vertrag abgestimmt. Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace würden sich die Mitgliedsstaaten damit für weitere Jahrzehnte auf die uneingeschränkte Förderung der Atomkraft festlegen.

"In Deutschland den Atomausstieg predigen und in Europa Atompolitik durchzuwinken, ist unglaubwürdig", sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. "Gerade der grüne Außenminister Fischer muss in Europa ein starkes Signal gegen Atomenergie setzen." Die Bundesregierung könne nicht still halten, wenn "über die Hintertür der Verfassung" die Atomenergie gefördert werden solle.

Der Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) aus dem Jahr 1957 ist ein Relikt einer überkommenen Politik der Atomenergieförderung. Sein Ziel war "die Voraussetzung für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen, welche zum Wohlstand ihrer Völker beiträgt". Im Rahmen der Atomausstiegspolitik hat der Bundestag 2002 beschlossen, den Euratom-Vertrag abzuwickeln.

Der Euratom-Vertrag sei heute vo allem fragwürdig, weil er an den Realitäten vieler EU-Länder vorbeigehe: Zwölf Länder würden keine Atomenergie nutzen (Italien, Dänemark, Österreich, Irland, Luxemburg, Griechenland, Portugal, Estland, Lettland, Polen, Zypern, Malta). Vier weitere EU-Staaten wollten aussteigen (Deutschland, Spanien, Schweden, Belgien) und in Litauen sollen die Reaktoren aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden.

"Euratom entstammt den Träumereien der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wir sind heute weiter und das muss die europäische Verfassung zeigen", so Breuer.

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