"Fehlende Überwachung"

Quecksilber-Emissionen durch Müllverbrennung

Nach Angaben des Umweltverbandes Das bessere Müllkonzept geben Müllverbrennungsanlagen häufig zu viel Quecksilber in die Umgebung ab. Der Untersuchung eines Ingenieurbüros zufolge ist es bei über der Hälfte der Anlagen, in denen der Ausstoß des giftigen Schwermetalls regelmäßig gemessen wird, in den letzten Jahren zu Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte gekommen. In etwa 40 Prozent der Hausmüll-Verbrennungsanlagen würden die Abgase sogar gar nicht regelmäßig auf das giftige Schwermetall überprüft, kritisiert der schleswig-holsteinische Landesverband des Umweltverbandes, der die Untersuchung mit in Auftrag gegeben hatte. Der Quecksilber-Ausstoß müsse lückenlos überwacht werden, denn nur so seien Maßnahmen gegen das Gift möglich.

Die Untersuchung bezog alle 61 derzeit in Deutschland betriebenen Hausmüllverbrennungsanlagen ein. Ergebnis: In den letzten Jahren seien in über der Hälfte der Anlagen, bei denen Quecksilber kontinuierlich überwacht wird, die Grenzwerte überschritten worden.

Der bislang bedeutendste Vorfall ereignete sich nach Angaben des Umweltverbandes im Jahr 2001. In der MVA Weisweiler ist nach Recherchen des Autors offenbar ohne Kenntnis des Betreibers schätzungsweise eine Tonne Quecksilber verbrannt worden. Rund 35 Kilogramm des Schwermetalls seien über das Abgas in die Luft der Region abgegeben worden. Ähnliche Vorfälle, allerdings nicht in der Größenordnung von Weisweiler, hätten sich auch in Anlagen in Hamburg, Bonn und Offenbach ereignet.

In der Studie wird bemängelt, dass rund 40 Prozent der in Deutschland betriebenen Hausmüll-Verbrennungsanlagen keine kontinuierliche Quecksilbermessung aufweisen. Zwar schreibe der Gesetzgeber diese kontinuierliche Messung vor, lasse aber gleichzeitig über Ausnahmeregelungen "ein Hintertürchen offen". Ob Grenzwertüberschreitungen auch bei diesen Anlagen vorgekommen sind, sei aufgrund der fehlenden Messeinrichtungen nicht zu klären gewesen.

Zwar sinke der Anteil an Quecksilber im Abfall seit einigen Jahren deutlich, dennoch sei auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer noch mit erheblichen Mengen des toxischen Schwermetalls im Müll zu rechnen, meint der Umweltverband. Daher wird in der im Auftrag mehrerer Bürgerinitiativen erstellte Studie eine lückenlose Überwachung aller Müllverbrennungsanlagen in Deutschland durch die Streichung der Ausnahmeregelung gefordert. Denn nur dort, wo die Probleme erkannt werden könnten, ließen sich erfolgreich Maßnahmen ergreifen, diese Schadstoffeinträge drastisch zu reduzieren.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!