Realistischen Vorschläge gefordert

7500 Klinikärzte streiken für 30 Prozent mehr Gehalt

Rund 7500 Ärzte an 27 Universitätskliniken und 14 Landeskrankenhäusern haben sich am Mittwoch in zwölf Bundesländern an Protestaktionen beteiligt. Der Warnstreiktag sei damit "ein voller Erfolg", sagte der Sprecher des Ärzteverbandes Marburger Bund, Athanasios Drougias, am Mittwoch in Berlin. Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, sieht im Streik ein Signal an die Arbeitgeber, "konstruktiv und sachorientiert einen raschen Tarifabschluss anzustreben". Die Ärzte fordern eine leistungsgerechte Vergütung mit einer Gehaltssteigerung um 30 Prozent, die Bezahlung aller geleisteten Überstunden und eine eigene Gehaltsordnung. Die Ärztegewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, in der Vergütungsfrage keine realistischen Vorschläge zu unterbreiten. "Es drohen ein Scheitern der Verhandlungen und noch härtere Arbeitskampfmaßnahmen, wenn die Arbeitgeber am Freitag kein vernünftiges Angebot in der Vergütungsfrage vorlegen", sagte Montgomery am Montag in Berlin.

Zwei Tage vor der neunten Verhandlungsrunde am Freitag in Berlin wollten die Ärzte von Universitätskliniken Druck auf die Verhandlungspartner machen. Die Verhandlungen zwischen Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) dauern seit Oktober 2005 an und waren ins Stocken geraten.

In Bayern allein beteiligten sich in München, Würzburg und Erlangen mehr als 1500 Klinikärzte an Warnstreiks. Wenn sich bei der anstehenden Verhandlungsrunde die andere Seite nicht bewege, werde erneut gestreikt, kündigte der Marburger Bund in München an.

In Göttingen, Hannover, Leipzig und Dresden protestierten nach Gewerkschaftsangaben jeweils mehrere hundert Ärzte, in Halle und Magdeburg jeweils 150.

In Jena machten 230 Mediziner der Universitätsklinik mit Plakat-Losungen wie "Halbgott in Weiß, nach 24 Stunden nur noch ein Gespenst", "6 Jahre Studium für 2 Minuten Visite" oder "Mehr Zeit für Patienten, weniger Verwaltungsaufgaben" ihrem Ärger Luft.

In Hessen wollten die rund 300 protestierenden Ärzte der Uni-Kliniken Frankfurt am Main und Marburg mit ihrer Beteiligung auch auf den Austritt Hessens aus der TdL aufmerksam machen. Der Marburger Bund Hessen fordert von der Landesregierung den Wiedereintritt in die TdL und den zügigen Abschluss eines Tarifvertrages für die Berufsgruppe Arzt.

In Essen traten mehr als 400 Mediziner in einen ganztägigen Warnstreik. In weiteren nordrhein-westfälischen Orten legten die Ärzte vorübergehend die Arbeit nieder. An den Universitätskliniken in Köln und Düsseldorf fanden einstündige Ärztevollversammlungen statt. An der Klinik in Bonn legten die Ärzte eine so genannte aktive Frühstückspause ein. Pro Klinik beteiligten sich rund 150 Ärzte an den Aktionen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!